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Breites Grinsen in der Front: Die Autohersteller wollen von einer Krise nichts wissen.
Breites Grinsen in der Front: Die Autohersteller wollen von einer Krise nichts wissen.(Foto: picture alliance / dpa)

Stadtflitzer und Luxuskarossen: Autobauer steuern Rekorde an

Volkswagen, Daimler, Renault, Fiat, PSA: Bei den Autokonzernen ist von einer Krise nichts zu spüren. Der Absatz floriert, die Gewinne steigen und die ehrgeizigen Jahresprognosen könnten sogar noch übertroffen werden. Die Branche feiert.

Bei vielen Autobauern klingeln die Kassen. Selbst wenn Daimler nach neun Monaten erst einmal einen Einbruch beim Gewinn verbuchen musste. Trotz der ernüchternden Zahlen sieht die Stuttgarter Konzernspitze das Geschäft an sich als kerngesund an und erwartet trotz allem ein Rekordjahr.

Europas Branchenprimus Volkswagen erreicht dagegen auch beim Gewinn mit enormen Steigerungen immer neue Bestmarken. Die Fabriken sind voll ausgelastet, der Konzern wird in diesem Jahr wohl auf Platz zwei der größten Hersteller nach General Motors vorrücken.

Größe allein ist nicht alles

Der Stuttgarter Premiumhersteller Daimler strebt derweil unbeirrt von Warnungen der Konjunkturforscher an die Weltspitze im Top-Segment. Man sei flexibler als je zuvor, sagte Boss Dieter Zetsche. Das Ziel ist klar: BMW und Audi, die zuletzt profitabler abschnitten, sollen bald Daimlers Auspuff sehen - und zwar auch beim Absatz.

Rekordziel fest im Visier: VW.
Rekordziel fest im Visier: VW.(Foto: picture alliance / dpa)

Doch Größe allein ist nicht alles. Das wissen auch die Wolfsburger. Risiken lauern nicht nur in der weltweiten Branchenentwicklung. Auch im eigenen Haus gibt es offene Baustellen: Zwist mit dem Partner Suzuki, Verzögerungen bei der Eingliederung von Porsche, Eitelkeiten bei der geplanten Lkw-Ehe von MAN und Scania sowie eine große Abhängigkeit von China. Und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt bereits: "Nächstes Jahr wird der Automarkt hart, es wird kein Wachstum mehr geben."

Luxus in China gefragt

Noch aber ist der Hunger nach Autos im Reich der Mitte ungestillt, eine immer größere Zahl wohlhabender Chinesen sorgt vor allem im Luxussegment für gute Geschäfte der Autobauer. Daimler ist in China bestens unterwegs. Im dritten Quartal gab es 45 Prozent Plus in der Volksrepublik, in den ersten neun Monaten waren es 38 Prozent Zuwachs. Und auch der VW-Konzern verkauft dort nicht nur seine Kernmarke - die Nobeltochter Audi steigerte sich enorm. Im Raum Asien/Pazifik legten ihre Verkäufe um fast 28 Prozent zu.

Die teuren Luxuskarossen spülen den Herstellern zwar gute Gewinne in die Kasse. Wer in der Branche aber ganz oben mitspielen will, kommt an Klein- und Kompaktwagen nicht vorbei. Und in diesem Segment ist die weltweite Konkurrenz groß, vor allem asiatische Hersteller holen auf. NordLB-Autoexperte Frank Schwope geht davon aus, dass chinesische Hersteller in spätestens zehn Jahren auch an der Weltspitze ein wichtiges Wort mitreden werden. Der koreanische Hyundai/Kia-Konzern holt bereits jetzt in der Rallye um die Gunst der Autokäufer kräftig auf. Der Kostendruck ist enorm.

"Up" dafür

Volkswagen setzt vor allem auf seine neue Kleinstwagenfamilie Up, die ab 2012 in verschiedenen Versionen und unter mehreren Marken auf den Markt kommt. Von der Allianz mit Suzuki hatte sich VW allerdings in puncto Billigauto mehr erhofft.

Mercedes will mit "A" und "B" punkten

Aber auch Nobelhersteller Daimler will das Segment der Kleinen und Kompakten keinesfalls der Konkurrenz überlassen: Der Konzern hat viel Geld in die neue Kompaktwagenfamilie gesteckt, in die Zetsche große Hoffnung setzt. Auf der IAA präsentierten die Schwaben jüngst ihre neue B-Klasse, die noch diesen November zu den Händlern rollt. Im nächsten Jahr folgt dann die A-Klasse. Die Modelle sollen auch dazu beitragen, das eher konservative Daimler-Image bei jungen Käufern zu verändern.

Und die A- und B-Klasse sind erst der Anfang: Mit insgesamt zehn neuen Modellen will Daimler seine Produktpalette in den nächsten vier Jahren auffächern. 2015 will Daimler dann 1,6 Millionen Mercedes-Benz absetzen. 2010 waren es noch keine 1,3 Millionen Einheiten.

Renault und Fiat wachsen auch

Der französische Autobauer Renault verzeichnete trotz Problemen auf dem europäischen Heimatmarkt Rekordabsätze und steigende Erlöse. In der Periode Juli bis September stieg der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,9 Prozent auf 9,75 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sei dank der starken Nachfrage aus Ländern wie Brasilien und Russland auf 632.412 Einheiten gestiegen. Dies entspreche einem Plus von 6,7 Prozent und sei ein neuer Spitzenwert, teilte Renault mit. Das Wachstum übertreffe deutlich den Weltmarktschnitt von 3,7 Prozent.

Renault Captur Concept
Renault Captur Concept(Foto: REUTERS)

Wesentlich düsterer sah es für Renault jedoch auf dem Heimatmarkt Europa aus. Dort gingen die Verkaufszahlen um 4,4 Prozent zurück, während der Gesamtmarkt um 1,4 Prozent wuchs. Für das Gesamtjahr 2011 rechnet Renault für die Fahrzeugsparte mit einem operativen freien Cash Flow mehr als 500 Mio. Euro.

Am Vortag hatte Renault-Konkurrent PSA Peugeot Citroën ebenfalls von Problemen auf dem Heimatmarkt berichtet. PSA will nun ein Sparprogramm aufsetzen und Tausende Stellen streichen.

Der italienische Autobauer Fiat verzeichnete dank guter Chrysler-Geschäfte einen Gewinn über den Erwartungen von Analysten. Im dritten Quartal habe der Überschuss bei 851 Mio. Euro gelegen, teilte der Konzern mit. Analysten hatten im Schnitt mit 705 Mio. Euro gerechnet. Die Nettoschulden hätten sich auf 5,8 Mrd. Euro erhöht und fielen damit deutlich höher aus als von Branchenexperten vorhergesagt. Der Umsatz habe bei 17,6 Mrd. Euro gelegen.

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Quelle: n-tv.de

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