Kein selbsttragender AufschwungBDI dämpft Euphorie
In diesem Jahr geht es "weiter aufwärts", prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Industrie und setzt seine Zielmarke bei 2,5 Prozent. Gleichzeitig sieht der Industrieverband aber auch die Risiken für den Aufschwung. Die Politik müsse Investitionen rentabler machen. Sie seien das Schmiermittel für das Wachstum.
Trotz optimistischer Konjunkturprognosen warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor Risiken für den Aufschwung. "Die Wirtschaft erholt sich, aber das finanzielle Umfeld ist nicht nachhaltig", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel in Berlin angesichts der Schuldenkrise in Europa. "Von gesunden Verhältnissen an den Finanzmärkten kann keine Rede sein." Die Schuldenkrise mache deutlich, dass die Finanzmärkte endlich einen soliden Ordnungsrahmen bekommen müssten. "Die Finanzseite darf uns nicht die Ernte verhageln", sagte Keitel.
Der BDI sagt für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,5 Prozent voraus. Er ist damit etwas optimistischer als die Bundesregierung, die mit plus 2,3 Prozent rechnet. "Das klingt gut, ist ein Grund zur Freude - und doch noch kein selbsttragendes Wachstum", warnte Keitel. Neben der mangelnden Solidität der öffentlichen Haushalte zähle auch die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten zu den Risiken für den Aufschwung.
Investitionen als "Schmiermittel"
Der BDI-Präsident beklagte außerdem zu geringe Investitionen in Deutschland. Sie seien das "Schmiermittel der Volkswirtschaft im schärfer werdenden weltweiten Wettbewerb". Doch seit der Wiedervereinigung sei die Nettoinvestitionsquote drastisch gesunken - von 9,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf nur noch 1,8 Prozent. "Deutschland steht kurz davor, von seiner Substanz zu leben", sagte Keitel. "Wir brauchen dringend Investitionen - in Bildung, Forschung, Infrastruktur und für eine CO2-arme und ressourceneffiziente Volkswirtschaft."
Die Politik müsse Investitionen rentabler machen - "durch vernünftige Unternehmenssteuern, wettbewerbsfähige Energiekosten, gute Bedingungen für Forschung und Entwicklung, sinkende Bürokratiekosten". Der Staat müsse intelligent sparen und so höhere öffentliche Investitionen ermöglichen.