Wirtschaft

Einstieg bei SGL CarbonBMW bremst VW aus

18.11.2011, 11:33 Uhr

Es gibt einen wahren Tanz um das "goldene Kalb" SGL Carbon. Nun sichert sich auch BMW gut 15 Prozent an dem Unternehmen. BMW-Großaktionärin Klatten hält bereits einen Anteil von rund 29 Prozent der SGL-Aktien. Damit kann sie wichtige Entscheidungen blockieren. VW war Anfang des Jahres überraschend eingestiegen.

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SGL Carbon lockt die Autobauer an. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Münchner Autobauer im Ringen um Einfluss beim einzigen europäischen Carbonfaser-Hersteller SGL Carbon ein Schnippchen geschlagen. BMW sicherte sich gut 15 Prozent der Stimmrechte an SGL. Schon vor gut einem Monat hatten Spekulationen auf einen Einstieg von BMW die Börse in Aufruhr versetzt.

Die Autobauer liefern sich derzeit ein Rennen um die beste Versorgung mit einem der entscheidenden Werkstoffe für den Fahrzeug-Leichtbau der Zukunft. Volkswagen war im Februar überraschend bei SGL eingestiegen und hielt zuletzt rund zehn Prozent an dem Wiesbadener Unternehmen. Der Schritt hatte Klatten fährt VW in die Parade, die ihre Anteile daraufhin ausbaute.

Grund für das große Interesse der Autobranche an SGL ist, dass sich die Hersteller den Zugang zur Carbonfaser-Technologie sichern wollen. SGL Carbon gehört zu den weltweit führenden Firmen bei Verbundwerkstoffen aus Carbonfasern, die unter anderem für Elektroautos interessant ist. SGL arbeitet mit BMW bereits seit 2009 eng auf diesem Gebiet zusammen.

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Susanne Klatten hält über Skion 29 Prozent der SGL-Anteile. (Foto: picture-alliance/ dpa)

So soll unter anderem das geplante BMW-Elektroauto "i3" eine Karosserie ganz aus Carbonfasern besitzen. Auch VW hat ein Auge auf den Werkstoff geworfen. Die VW-Tochter Audi war beispielsweise eine Entwicklungspartnerschaft für carbonfaserverstärkte Werkstoffe mit dem schwäbischen Mischkonzern Voith eingegangen. Auch Voith ist Aktionär bei SGL und hält inzwischen fast zehn Prozent.

Weitere Schritte nicht ausgeschlossen

Die nun gesicherte 15-Prozent-Beteiligung ist für BMW möglicherweise noch nicht das letzte Wort. Einem Konzernsprecher zufolge sind weitere Schritte bei SGL nicht ausgeschlossen. Derzeit fühle sich BMW aber mit dem Anteil wohl. Größter Aktionär von SGL ist nach wie vor Klatten. Mit ihren 29 Prozent, die sie über ihre Investmentgesellschaft Skion hält, kann sie wichtige Entscheidungen blockieren. Bei BMW hielt Klatten zuletzt 12,6 Prozent der Anteile, die gesamte Quandt-Familie kommt auf mehr als 46 Prozent.

Klatten bemühte sich daher auch, den Eindruck zu zerstreuen, der Einstieg von BMW sei mit ihr abgestimmt gewesen. Denn ein solches Vorgehen wäre aktienrechtlich relevant, es könnte als Bündelung von Interessen interpretiert werden. "Die Entscheidung zu einer Beteiligung an SGL wurde vom BMW-Vorstand in alleiniger Verantwortung getroffen", sagte ein Skion-Sprecher. Weder Frau Klatten noch Skion seien in die Entscheidung eingebunden gewesen. Skion könne aber die Gründe von BMW nachvollziehen. Eine Übernahme von SGL plane Skion nicht.

Quelle: wne/rts