Wirtschaft
Argentinien: Stark im Agrarsektor, schwach auf dem Weltmarkt.
Argentinien: Stark im Agrarsektor, schwach auf dem Weltmarkt.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 03. November 2011

Schräge Vorgaben aus Argentinien: BMW handelt mit Reis und Leder

Wenn es um den Export heimischer Erzeugnisse geht, schreckt die argentinische Regierung auch vor ungewöhnlichen Vorschriften nicht zurück: Der deutsche Autobauer BMW beugt sich den Vorstellungen aus Buenos Aires und steigt ins Geschäft mit Körnern, Kuhhäuten und Komponenten ein.

Der Münchner Autobauer BMW exportiert künftig im großen Stil Agrargüter wie Reis, Soja und Leder aus Argentinien, um im Gegenzug wieder Autos in das südamerikanische Land liefern zu können.

Fachfremde Exportleistungen: BMW umkurvt ungewöhnliche Handelshürden.
Fachfremde Exportleistungen: BMW umkurvt ungewöhnliche Handelshürden.(Foto: dapd)

Nach einer Vorgabe der argentinischen Regierung muss der Import von Gütern durch Ausfuhren in gleichem Umfang ausgeglichen werden, erklärte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner die ungewöhnliche Entscheidung. Seit vergangenem Frühjahr hingen zahlreiche Oberklasse-Wagen der Marken BMW und Mini beim Zoll fest, weil der Konzern die neuen Handelsrichtlinien bislang nicht erfüllt hatte.

Durch den Einstieg in den Export argentinischer Güter in Richtung Weltmarkt dürfen diese Autos nun endlich eingeführt und an die wartende Kundschaft ausgeliefert werden. BMW hatte sich einem Sprecher zufolge Mitte Oktober mit der Regierung auf den Export von Fahrzeugteilen, argentinischem Leder und Agrarprodukten geeinigt.

Lieber Früchte und Wein als Steuern

Auch andere Autobauer hatten sich im Handelsstreit bereits für ungewöhnliche Erweiterungen ihres Angebots entschieden: Die Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche etwa exportiert Wein, der chinesische Autohersteller Chery Früchte.

Mit BMW mussten sich mittlerweile 17 ausländische Autobauer den strengeren Vorgaben beugen, mit denen Argentiniens Regierung die Handelsbilanz aufhübschen und Konzerne zur Produktion vor Ort bewegen will.

Das südamerikanische Schwellenland Brasilien versucht den Anteil der Autoproduktion im Land mit Hilfe einer höheren Importsteuer zu steigern. Weil dort zudem der Markt rasant wächst, ist BMW gerade auf der Suche nach einem Standort. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.

Der Lack braucht Zeit

Das geplante Werk in Brasilien könnte dabei größer ausfallen als bislang angekündigt. War zunächst von einer sogenannten CKD-Fertigung, also der Endmontage anderswo vorgefertigter Teile, die Rede, hält BMW jetzt auch ein Vollwerk für vorstellbar. Ab wann sich das in Brasilien lohne, müsse man sehen, sagte Finanzchef Eichiner.

In der Regel werde mit der CKD-Fertigung begonnen, um dann ab einer bestimmten Größenordnung aufzustocken, erklärte der Finanzchef. Vor allem der Aufbau einer Lackiererei ist kosten- und zeitintensiv.

Produktionschef Frank-Peter Arndt hatte kürzlich gesagt, nach einer Entscheidung könne BMW bei einer CKD-Fertigung in weniger als zwölf Monaten erste Fahrzeuge vom Band laufen lassen.

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Quelle: n-tv.de

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