Aderlass im GüterverkehrBahn gibt Marktanteile ab
Im Kampf gegen die Gütertransporte auf der Straße erleidet die Bahn im Krisenjahr 2009 eine Schlappe. Der Anteil des bundeseigenen Konzerns sinkt um einen Prozentpunkt auf 16,3 Prozent. Im Personenverkehr profitierten die Wettbewerber vom Gewinn einer Reihe von Ausschreibungen.
Die Deutsche Bahn hat im Güterverkehr 2009 Marktanteile an den Transport auf der Straße verloren. Das geht aus dem Wettbewerbsbericht 2010 des bundeseigenen Unternehmens hervor. Danach sank der Anteil des Schienengüterverkehrs von 17,3 Prozent 2008 auf 16,3 Prozent im vergangenen Jahr. Im Gegenzug stieg die Verkehrsleistung der Lkw-Transporte von 70,7 auf 71,9 Prozent. Der Anteil der Binnenschifffahrt verringerte sich von 9,6 auf 9,1 Prozent.
Als Hauptursache nannte die Bahn den überdurchschnittlichen Rückgang bei den Transporten von Kohle, Erzen, Eisen und Stahl in der Wirtschaftskrise. Sie machen bei der Bahntochter DB Schenker Rail mehr als 30 Prozent der Gesamtleistung aus. Die Wettbewerber der Deutschen Bahn machten dem Bericht zufolge wie in den Vorjahren Boden gut. 2009 kamen sie im Güterverkehr per Schiene auf 24,6 Prozent Marktanteil nach 21,2 Prozent im Jahr zuvor.
Im Personenverkehr profitierten die Wettbewerber vom Gewinn einer Reihe von Ausschreibungen für Strecken in den vergangenen Jahren. Mittlerweile wird etwa ein Fünftel des Regional- und Pendlerverkehrs von den DB-Konkurrenten gefahren. Auch dieser Anteil steigt seit Jahren, die Deutsche Bahn will auf Dauer mindestens 70 Prozent verteidigen.
Der Nahverkehr wird von den Bundesländern bestimmt. Sie schreiben Strecken seit einigen Jahren zunehmend aus: Wer das günstigste und beste Angebot abgibt, erhält den Auftrag für meist rund zehn Jahre. Die Länder müssen aber diese vor allem für Berufspendler wichtigen Strecken jedes Jahr mit mehr als sechs Milliarden Euro subventionieren.
Netzagentur geht gegen Bahn
Die Bundesnetzagentur hatte der Deutschen Bahn wiederholt Behinderung des Wettbewerbs vorgeworfen: Danach wurde der Staatskonzern sowohl zur Änderung der Gebühren für die Nutzung von Gleisen als auch von Bahnhöfen verpflichtet. Während ab Mai ein neues System für Stationen greifen soll, will die DB bei den Trassenpreisen hart bleiben und den Fall juristisch klären lassen. Sie hält die Gebühren für fair, die Netzagentur sieht die Gleisnutzung dort besonders teuer, wo Konkurrenten fahren. Bahn-Kritiker vor allem aus Union und FDP fordern seit Jahren, dass das Netz vom Konzern getrennt werden müsse, um Diskriminierung von Konkurrenten zu verhindern.
"Es gibt erhebliche Probleme im Wettbewerb", sagt auch der Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, Alexander Kirfel. So gewähre etwa die DB ihren Tochterunternehmen als Großkunden Rabatte bei der Nutzung von Bahnstrom, die selbst alle Konkurrenten zusammen genommen nicht in Anspruch nehmen könnten. Kirfel plädiert daher ebenfalls für die Trennung von Netz und Betrieb. Da Bahnhöfe, Energie und Netz zum Konzern gehören, bleiben auch hohe Gebühren für die eigenen DB-Transporttöchter letztlich im Unternehmen.
Fehlende Marktöffnung in Europa
Selbst stark benachteiligt fühlt sich die Deutsche Bahn auf europäischer Ebene: Während in Deutschland gerade im Personenverkehr zahlreiche Töchter ausländischer Konzerne für Wettbewerb sorgten, sei dies umgekehrt der DB etwa in Frankreich nicht möglich.
Bahn-Chef Rüdiger Grube sagte, solange es keine umfassende und einheitliche Liberalisierung der Schienenmärkte in Europa gebe, dürften die Regeln zur Marktfreigabe auch nicht verschärft werden. Dies würde dann nur die treffen, die ohnehin ihre Märkt geöffnet hätten.