700 Reiseberater wenigerBahn spart am Kunden

Die Deutsche Bahn baut in ihren Reisezentren rund 700 Mitarbeiter ab. Sie reagiert damit auf den zunehmenden Fahrkartenkauf übers Internet. Entlassungen soll es nicht geben. Die Reisebarater sollen neue Jobs im Unternehmen erhalten. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die Pläne. Die Bahn müsse "endlich den Kunden in den Mittelpunkt stellen".
Die Deutsche Bahn (DB) plant nach Presseinformationen einen starken Stellenabbau in ihren Reisezentren. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet, will das Unternehmen fast jeden dritten Berater beim Fahrkartenverkauf einsparen. Insgesamt sollen demnach bis zum nächsten Jahr mehr als 160 Stellen und bis zum Jahr 2016 insgesamt 700 Arbeitsplätze an den Schaltern gestrichen werden. Dies gehe aus einer der Zeitung vorliegenden Personalplanung der DB Vertrieb GmbH hervor.
Ein Bahnsprecher bestätigte gegenüber der Zeitung die Pläne zum Abbau der Arbeitsplätze. Als Grund nannte er stark rückläufige Fahrscheinverkäufe am Schalter wegen des zunehmenden Fahrkartenverkaufs über das Internet. Der Umsatzanteil der Reisezentren am Ticketverkauf sei seit 2005 von 46 auf 22 Prozent gesunken. Bis 2016 werde ein weiterer Rückgang auf 17 Prozent erwartet.
Entlassungen soll es nicht geben, wie eine Bahn-Sprecherin erklärte. Wegen der sinkenden Nachfrage in den Reisezentren sollen für 350 Reiseberater neue Arbeitsplätze innerhalb des Unternehmens gefunden werden. Noch einmal 350 scheiden durch Fluktuation und altersbedingt aus. In den 400 Reisezentren der Bahn in Deutschland sind nach Unternehmensangaben rund 2350 Reiseberater beschäftigt.
Pro Bahn: Kein Dienst am Kunden
Beim Fahrgastverband Pro Bahn stießen die Pläne des Konzerns auf scharfe Kritik. Bahn-Chef Rüdiger Grube müsse sie sofort stoppen und "endlich den Kunden in den Mittelpunkt stellen", sagte Verbandssprecher Matthias Oomen. Schon heute stünden in vielen Bahnhöfen nur noch Automaten, die zahlreiche Menschen nicht bedienen könnten.
In Großstädten betrage die Wartezeit an Schaltern schon jetzt bis zu einer Stunde. Auf dem Land sei man häufig ebenso lange unterwegs, bis man überhaupt noch ein Reisezentrum mit Beratung erreiche. Für viele Menschen und bei komplizierteren Bahnreisen ins Ausland oder mit Umsteigen sei eine gute persönliche Beratung aber unverzichtbar.