Wirtschaft

Starre Dividende Bahnchef kritisiert Bund

04.07.2010, 14:03 Uhr

Deutsche-Bahn-Chef Grube hält wenig von den Plänen der Koalition, den Konzern zu einer festen Dividendenzahlung an die Staatskasse zu verpflichten. Schließlich solle die Bahn als privatwirtschaftliches Unternehmen geführt werden.

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Rüdiger Grube. (Foto: picture alliance / dpa)

Bahnchef Rüdiger Grube hadert mit der geplanten festen Gewinnabführung

von 500 Mio. Euro an den Bund. "Eine Dividende ist das gute Recht des

Eigentümers", sagte Grube der "Welt am Sonntag". Der

bundeseigene Konzern sei aber laut Grundgesetz als Wirtschaftsunternehmen zu

führen. In solchen Firmen empfehle der Vorstand dem Aufsichtsrat nach dem

abgelaufenen Geschäftsjahr eine Dividende, die dann die Hauptversammlung

beschließe. "So wünsche ich mir das

auch für die Bahn", sagte Grube.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat in ihrem Programm zur

Haushaltssanierung von 2011 bis 2014 jeweils 500 Mio. Euro Einnahmen aus

Dividenden der Bahn eingeplant.

In guten Jahren könnten es auch mehr als eine halbe

Milliarde Euro Dividende sein, sagte Grube. "Aber das muss auch umgekehrt

gelten, wenn ein Geschäftsjahr einmal nicht so erfolgreich war." Im ersten

Halbjahr habe sich das Geschäft von der Konjunkturkrise erholt, wie bei der Fracht

deutlich zu spüren sei. "Im Schienengüterverkehr haben wir von Januar bis

heute europaweit um 14 Prozent zugelegt, in Deutschland sogar um über 17

Prozent." Bei der Seefracht gebe es ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum

Vorjahresniveau, bei Luftfracht von 27 Prozent.

Investitionsprogramm

Das Angebot für die Fahrgäste soll in den kommenden Jahren

mit einem großen Investitionsprogramm verbessert werden. Bis 2014 sollen 41

Mrd. Euro fließen. "Dadurch werden sich die Reisezeiten verkürzen, die

Züge zuverlässiger und pünktlicher fahren und letztlich auch der Reisekomfort

spürbar steigen", sagte Bahn- Technikvorstand Volker Kefer der

"Berliner Zeitung".

Gut ein Viertel - rund

zehn Mrd. Euro - sind vor allem für neue Züge vorgesehen, drei Viertel sollen

ins Netz und in die Bahnhöfe fließen. Grube hatte die Investitionssumme von

rund 40 Mrd. Euro bereits Ende März genannt.

"Allein für den Regionalverkehr planen wir den Kauf von

bis zu 400 Elektrotriebzügen", sagte Kefer. Die exakte Zahl hänge davon

ab, wie man bei künftigen Ausschreibungen abschneide. Zudem will die Bahn 600

Busse für den Nahverkehr kaufen.

Für die geplante Bestellung von bis zu 300 ICx-Zügen werde

ein endgültiger Beschluss nun vermutlich im Spätsommer getroffen. Die

Verhandlungen mit einem Konsortium aus Siemens und Bombardier als bevorzugten

Bietern seien ins Stocken geraten. "Wir sind noch nicht bei dem Preis

angelangt, zu dem sich das Projekt auch rentiert." Die ICx sollen von 2015

an zunächst die Intercitys ablösen und die Plattform einer neuen

Fernzuggeneration bilden. Der Wert liegt bei fünf bis sechs Mrd. Euro.

Der Großteil des Investitionsprogramms fließt Kefer zufolge

in das Schienennetz und die Bahnhöfe. Für die Pflege des bestehenden Netzes

gibt der Bund jährlich 2,5 Mrd. Euro, dazu kommen 500 Mio. Euro von der Bahn.

Voraussetzung für alle Pläne sei, dass die Bahn von weiteren Sparmaßnahmen der

Bundesregierung verschont bleibe. "Wir gehen davon aus, dass es zu keinen weiteren

Belastungen für die Bahn kommt", sagte der Technikvorstand.

Quelle: dpa/AFP