Starre Dividende Bahnchef kritisiert Bund
Deutsche-Bahn-Chef Grube hält wenig von den Plänen der Koalition, den Konzern zu einer festen Dividendenzahlung an die Staatskasse zu verpflichten. Schließlich solle die Bahn als privatwirtschaftliches Unternehmen geführt werden.
Bahnchef Rüdiger Grube hadert mit der geplanten festen Gewinnabführung
von 500 Mio. Euro an den Bund. "Eine Dividende ist das gute Recht des
Eigentümers", sagte Grube der "Welt am Sonntag". Der
bundeseigene Konzern sei aber laut Grundgesetz als Wirtschaftsunternehmen zu
führen. In solchen Firmen empfehle der Vorstand dem Aufsichtsrat nach dem
abgelaufenen Geschäftsjahr eine Dividende, die dann die Hauptversammlung
beschließe. "So wünsche ich mir das
auch für die Bahn", sagte Grube.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat in ihrem Programm zur
Haushaltssanierung von 2011 bis 2014 jeweils 500 Mio. Euro Einnahmen aus
Dividenden der Bahn eingeplant.
In guten Jahren könnten es auch mehr als eine halbe
Milliarde Euro Dividende sein, sagte Grube. "Aber das muss auch umgekehrt
gelten, wenn ein Geschäftsjahr einmal nicht so erfolgreich war." Im ersten
Halbjahr habe sich das Geschäft von der Konjunkturkrise erholt, wie bei der Fracht
deutlich zu spüren sei. "Im Schienengüterverkehr haben wir von Januar bis
heute europaweit um 14 Prozent zugelegt, in Deutschland sogar um über 17
Prozent." Bei der Seefracht gebe es ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum
Vorjahresniveau, bei Luftfracht von 27 Prozent.
Investitionsprogramm
Das Angebot für die Fahrgäste soll in den kommenden Jahren
mit einem großen Investitionsprogramm verbessert werden. Bis 2014 sollen 41
Mrd. Euro fließen. "Dadurch werden sich die Reisezeiten verkürzen, die
Züge zuverlässiger und pünktlicher fahren und letztlich auch der Reisekomfort
spürbar steigen", sagte Bahn- Technikvorstand Volker Kefer der
"Berliner Zeitung".
Gut ein Viertel - rund
zehn Mrd. Euro - sind vor allem für neue Züge vorgesehen, drei Viertel sollen
ins Netz und in die Bahnhöfe fließen. Grube hatte die Investitionssumme von
rund 40 Mrd. Euro bereits Ende März genannt.
"Allein für den Regionalverkehr planen wir den Kauf von
bis zu 400 Elektrotriebzügen", sagte Kefer. Die exakte Zahl hänge davon
ab, wie man bei künftigen Ausschreibungen abschneide. Zudem will die Bahn 600
Busse für den Nahverkehr kaufen.
Für die geplante Bestellung von bis zu 300 ICx-Zügen werde
ein endgültiger Beschluss nun vermutlich im Spätsommer getroffen. Die
Verhandlungen mit einem Konsortium aus Siemens und Bombardier als bevorzugten
Bietern seien ins Stocken geraten. "Wir sind noch nicht bei dem Preis
angelangt, zu dem sich das Projekt auch rentiert." Die ICx sollen von 2015
an zunächst die Intercitys ablösen und die Plattform einer neuen
Fernzuggeneration bilden. Der Wert liegt bei fünf bis sechs Mrd. Euro.
Der Großteil des Investitionsprogramms fließt Kefer zufolge
in das Schienennetz und die Bahnhöfe. Für die Pflege des bestehenden Netzes
gibt der Bund jährlich 2,5 Mrd. Euro, dazu kommen 500 Mio. Euro von der Bahn.
Voraussetzung für alle Pläne sei, dass die Bahn von weiteren Sparmaßnahmen der
Bundesregierung verschont bleibe. "Wir gehen davon aus, dass es zu keinen weiteren
Belastungen für die Bahn kommt", sagte der Technikvorstand.