Wirtschaft

Fed registriert Konjunkturerholung: Bernanke beklagt Etatloch

Fed-Chef Bernanke legt wieder einmal den Finger auf die Wunde. Er appelliert an die US-Politik, das horrende Haushaltsdefizit abzubauen. In ihrem "Beige Book" meldet die Notenbank eine Verbesserung der konjunkturellen Lage in den USA. Großes Sorgenkind bleibt der Arbeitsmarkt.

(Foto: REUTERS)

US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht die Genesung der größten Volkswirtschaft der Welt auf gutem Wege, sorgt sich aber zunehmend um das riesige Haushaltsloch. Die private Nachfrage werde ausreichen, "über die kommenden Quartale eine moderate Erholung sicherzustellen", erklärte Bernanke vor einem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses.

Allerdings müsse die Politik sich "entschieden" für einen ausgeglichenen Haushalt einsetzen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Finanzmärkte beizubehalten. Das US-Etatloch betrug im vergangenen Haushaltsjahr 1,4 Billionen Dollar; in diesem Jahr wird laut Bernanke voraussichtlich eine ähnliche Größenordnung erreicht.

Nach Einschätzung der Fed hat sich die Konjunktur in den USA weiter verbessert. Die Wirtschaftsaktivität habe sich im März und Anfang April in den meisten Landesteilen verstärkt, hieß es im Konjunkturbericht "Beige Book" der Fed zur Lage der US-Wirtschaft. 

Die verbesserte Lage spiegelt sich auch in den Umsätzen der Einzelhändler wider. Diese wuchsen im März um 1,6 Prozent im Vergleich zum Februar. Das ist das deutlichste Plus seit November. Der Einzelhandelsumsatz gilt als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt.

Nach Einschätzung von Bernanke dürfte die Kauflaune der Amerikaner von einer allmählichen Besserung auf dem Jobmarkt und bei den Einkommen, einer Erholung der privaten Vermögenssituation und leichterem Zugang zu Krediten unterstützt werden. Die Kapitalausgaben der Firmen hätten sich bereits mit "solidem Tempo" entwickelt. Am Arbeitsmarkt seien "ermutigende Zeichen" zu sehen. Besorgniserregend sei aber der hohe Anteil Langzeitarbeitsloser, sagte Bernanke. Problematisch seien zudem nach wie vor die Lage am Bau und die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Staaten und Städte.

Leitzins weiter auf Rekordtief

Das gewaltige Defizit sei zwar zu einem wichtigen Teil den staatlichen Eingriffen im Kampf gegen die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise geschuldet. Es gebe aber auch erhebliche strukturelle Probleme, sagte der Fed-Chef mit Blick auf die Kosten für soziale Sicherung und staatliche Gesundheitsprogramme. "Die Haushaltsprobleme des Landes anzugehen, macht schwierige Entscheidungen notwendig. Sie aber zu verschieben, wird sie nur noch schwieriger machen", mahnte der Zentralbankchef.

Zugleich verpasste er Spekulationen auf eine schnelle Zinswende einen Dämpfer. Die nur moderate Konjunkturerholung in den USA erfordere wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum sehr niedrige Zinsen, sagte Bernanke vor einem Kongressausschuss. Es bestehe zwar keine unmittelbare Gefahr, dass die USA in die Rezession zurückfielen, ganz auszuschließen sei dies aber nicht.

Bernanke wiederholte die Sprachregelung der Federal Reserve zur künftigen Leitzinsentwicklung. "Der Offenmarktausschuss hat sehr klar gemacht, dass er davon ausgeht, dass die derzeit sehr tiefen, extrem niedrigen Zinsen noch für einen längeren Zeitraum nötig sein werden", sagte er. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bei null bis 0,25 Prozent und damit so niedrig wie noch nie.

Äußerungen einiger hochrangiger US-Notenbanker hatten zuletzt Unsicherheit an den Finanzmärkten über den weiteren Zinskurs der Fed aufkommen lassen. Ein Mitglied des Offenmarktausschusses, der über den Leitzins entscheidet, steht seit Monaten in offener Opposition zu Bernankes Niedrigzinskurs. Der Fed-Chef begründet seine Politik mit der weiter schleppenden Konjunktur in den USA.

Quelle: n-tv.de

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