Wirtschaft

Rolle rückwärts vor Bankenausschuss: Bernanke warnt vor Sparwut

Die US-Wirtschaft kann sich vorläufig doch nicht auf Schützenhilfe von der Zentralbank einstellen. Fed-Chef Bernanke stellt vor dem Bankenausschuss des Senats klar, dass die Währungshüter derzeit nicht auf Hilfsmaßnahmen vorbereitet sind. Stattdessen warnt er vor allzu großen Sparanstrengungen, um die US-Konjunktur nicht vollends abzuwürgen. An den Märkten kommt das nicht gut an.

(Foto: REUTERS)

US-Notenbankchef Ben Bernanke steht für eine neue Runde konjunktureller Stützungsmaßnahmen nicht in den Startlöchern. "Zu diesem Zeitpunkt sind wir auf weitere Maßnahmen nicht vorbereitet", sagte Bernanke vor dem Bankenausschuss. Damit relativierte der Fed-Chef die euphorische Reaktion an den Märkten auf seine Rede vor dem Repräsentantenhaus vom Vortag, die als deutlicher Hinweis auf neue Stützungsmaßnahmen durch die US-Notenbank verstanden wurde.

Bernanke bekräftigte die frühere Zusicherung, dass die Federal Reserve bei einem Erlahmen des jüngsten Konjunkturaufschwungs in den USA zu weiteren Maßnahmen bereit sei. Alle Optionen für eine Straffung oder Lockerung der Geldpolitik seien auf dem Tisch, sagte Bernanke. Seine Wortwahl wurde an den New Yorker Aktienmärkten aber eher als Hinweis darauf gewertet, dass kurz- bis mittelfristig nicht mit entsprechenden Schritten der Fed zu rechnen sein dürfte. Die Wall Street büßte frühe wieder Gewinne ein.

Keine harten Schnitte

Die Politik in Washington warnte Bernanke vor einem zu drastischen Sparkurs. Übertriebene Einschnitte bei den Staatsausgaben in naher Zukunft drohten den ohnehin noch labilen Konjunkturaufschwung aus dem Tritt zu bringen, sagte Bernanke vor dem Bankenausschuss des US-Senats.

Der Chef der Federal Reserve forderte nachdrücklich eine Anhebung der US-Schuldengrenze. Andernfalls würden die USA ihrer eigenen Wirtschaft Schaden zufügen. Die Demokraten von Präsident Barack Obama streiten mit den Republikanern um eine Anhebung der Schuldengrenze. Sollte sich der Kongress bis zum 2. August nicht darauf einigen, droht der Regierung die Zahlungsunfähigkeit.

"Dies hätte katastrophale Folgen" warnte Bernanke erneut. "Das würde einen sehr schweren Finanzschock auslösen mit Auswirkungen auf die Wirtschaft der USA und der ganzen Welt." Zuvor schon waren in Washington alarmierende Signale angekommen: Die Ratingagentur Moody's drohte den USA damit, dem Land die Bestnote für ihre Kreditwürdigkeit abzuerkennen. China als größter ausländischer Geldgeber verlangte unterdessen einen Schutz seiner Investitionen.

Die Schuldenkrise in Europa bezeichnete Bernanke als Gefahr auch für die US-Wirtschaft, obwohl die direkte Beteiligung an Staatsanleihen strauchelnder Euro-Länder gering sei.

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Quelle: n-tv.de

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