Gewinn statt VerlustBilanzfälschung bei HSH?
Bei der HSH Nordbank kehrt keine Ruhe ein. Eine "Fehlbuchung" sorgt derzeit bei dem angeschlagenen Institut für Wirbel. Die Staatsanwaltschaft steht bereits auf dem Plan. Die HSH wiegelt ab.
HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher sieht sich zu Unrecht mit dem Verdacht der Bilanzfälschung konfrontiert. "Wir weisen jeglichen Verdacht auf bewusste Falschangaben entschieden zurück", sagte ein Sprecher der vom Staat mit Milliardensummen gestützten Bank. Die Bank habe den von der Staatsanwaltschaft monierten Zwischenbericht berichtigt. Die Ermittler werfen Nonnenmacher sowie dem ehemaligen Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich vor, für das erste Quartal 2008 fälschlich einen Gewinn ausgewiesen zu haben, während die Landesbank tatsächlich Verlust machte. Nonnenmacher war in dieser Zeit Finanzvorstand, bevor er an die Spitze des krisengeschüttelten Instituts wechselte.
Grund der Korrektur sei eine falsche Verbuchung der umstrittenen Kreislaufgeschäfte unter dem Namen "Omega", erklärte die Bank. "Nachdem wir den Fehler bemerkt hatten, haben wir ihn sofort berichtigt", betonte der Sprecher. Zugleich kritisierte er die Razzia der Staatsanwaltschaft als unverhältnismäßig. "Wir wären bereit gewesen, die Unterlagen auch so zur Verfügung zu stellen."
Ermittlungen wegen Untreueverdachts
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte die Bankzentrale und Geschäftsräume der HSH in Hamburg und Schleswig-Holstein sowie mehrere Privatwohnungen ehemaliger Vorstandsmitglieder am Mittwoch durchsucht. Auch am Donnerstag forschten die Ermittler nach Kreditunterlagen, um Licht in die komplexen Transaktionen zu bekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit geraumer Zeit gegen Nonnenmacher und Firmenkundenvorstand Bernhard Visker sowie wegen vier ehemalige Vorstände wegen des Verdachts der Untreue. Hintergrund sind auch hier die sogenannten Omega-Geschäfte.
Die Landesbank hatte Ende 2007 Immobilienkredite in Milliardenhöhe an mehrere Großbanken verkauft, um ihre Bilanz zu bereinigen. Der Verkauf war jedoch an Abmachungen gebunden, durch die die Nordbank bestimmte Risiken über eine Zweckgesellschaft mit dem Namen "Omega Capital Funding" zurücknehmen musste. Die damit verbundenen Abschreibungen hatten mit dafür gesorgt, dass die HSH von den beiden Haupteignern Hamburg und Schleswig-Holstein mit Milliardensummen gestützt werden musste. Die Transaktionen werden in den beiden Bundesländern auch von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen unter die Lupe genommen.