"Zu allen Leuten freundlich"Blessing begrüßt Regulierung
Commerzbank-Chef Blessing freut sich zwar nicht über Abgaben im Zusammenhang mit härteren Kapitalregeln, aber er hält sie für notwendig. Eine Kreditklemme befürchtet er deshalb nicht. Den Vorwurf als teilverstaatlichtes Institut zu regierungsfreundlich zu sein, weist er zurück.
Die Commerzbank stellt sich auf "signifikant" härtere Eigenkapitalregeln ein. Die schärfere Regulierung werde allerdings nicht, wie von einigen befürchtet, zu einer massiven Kreditverknappung führen, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing bei der Handelsblatt-Tagung. Auch den steigenden Anforderungen an die Liquidität blickt Blessing gelassen entgegen. "Es wird Übergangsfristen geben, die den Banken Zeit geben, sich darauf einzustellen."
Dass die neuen Anforderungen zur Ausstattung mit Eigenkapital und Liquidität für deutsche Institute teurer als befürchtet werden, das hatte bereits Bundesbank-Vizepräsidenten Franz-Christoph Zeitler angedeutet.
Trotz der drohenden Belastungen begrüßt der Commerzbank-Chef aber sowohl die kommenden neuen Vorschriften zu den Kapitalanforderungen als auch das deutsche Restrukturierungsgesetz mit der Bankenabgabe. Natürlich freue er sich nicht über weitere Abgaben, aber er sehe ihre Notwendigkeit, sagte Blessing. Er widersprach Behauptungen, als Kopf einer teilverstaatlichten Bank besonders freundlich zur Regierung zu sein und ihr nach dem Mund zu reden. "Ich bemühe mich zu allen Leuten freundlich zu sein", sagte er.
Geld-zurück-Garantie: "Schnell und zügig"
Die Commerzbank nimmt auch die Rückzahlung der Staatshilfe schärfer ins Visier. Die teilverstaatlichte Bank wolle mit einem Bündel von Maßnahmen mit der Schuldentilgung so schnell wie möglich beginnen, spätestens aber im Jahr 2012, betonte Blessing noch einmal bei der Tagung.
"Wir werden dieses Jahr mit der Gewinnthesaurierung beginnen", kündigte er an. Für 2010 wird weiter mit einem Gewinn gerechnet. Allerdings gilt die Gewinnprognose nur nach der internationalen Bilanzierung IFRS, nicht nach HGB. Zinsen muss die Bank aber nur dann zahlen, wenn sie nach dem deutschen HGB Gewinne schreibt.
Kapitalerhöhung auf dem Schirm
Der Bankenrettungsfonds Soffin hatte die Commerzbank unter anderem mit einer Stillen Einlage von rund 16 Mrd. Euro gestützt, nachdem sie sich mit der Übernahme der Dresdner Bank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise verhoben hatte. Um dieses Geld zurückzuzahlen, werde die Commerzbank einen ganzen Strauß verschiedene Maßnahmen ins Auge fassen, sagte Blessing. Dazu gehöre unter anderem auch die Reduzierung von Risikokapital oder die Einbehaltung von Gewinnen.
Auch am Kapitalmarkt will sich die Commerzbank Geld besorgen. "Die Frage ist nur wann, und in welcher Form." In Medienberichten war bereits über eine baldige Kapitalerhöhung spekuliert worden.
"Dresdner Bank" ist Geschichte
Der Traditionsname "Dresdner Bank" ist unterdessen nach fast 140 Jahren endgültig Geschichte. Zwei Jahre nach Ankündigung der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank sei die Umstellung auf den gemeinsamen Markennamen Commerzbank "erfolgreich umgesetzt", hieß es.
Die Verschmelzung von Dresdner Bank und Commerzbank sei "in weiten Teilen abgeschlossen". Alle Unternehmensteile arbeiteten unter einem Dach zusammen. Alle Mitarbeiter und Manager hätten ihre Posten im neuen gemeinsamen Bankkonzern übernommen.
Der Allianz war es über Jahre nicht gelungen, die Dresdner Bank in den eigenen Konzern zu integrieren. Aber auch der Commerzbank bereitete die Übernahme des Konkurrenten vor dem Hintergrund der Finanzkrise massive Schwierigkeiten. In der Krise musste die Commerzbank dann Staatshilfe beantragen. Seitdem gehört Deutschlands zweitgrößte Bank zu einem Viertel dem Steuerzahler.
Von der Marke Dresdner Bank ist im Commerzbank-Schriftzug nur das sogenannte Ponto-Auge übrig geblieben, das nun allerdings gelb statt grün ist. Das Ponto-Auge ist ein Symbol in Dreiecks-Form und nach dem früheren Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto benannt, der 1977 von Mitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF) ermordet worden war.