Wirtschaft

Was von Hypotheken übrig bliebBofA verliert Milliarden

21.01.2011, 14:50 Uhr

Die Bank of America muss im Abschlussquartal einen kräftigen Dämpfer verkraften. Wegen hoher Abschreibungen auf Immobiliengeschäfte muss die größte US-Bank einen dicken Quartalsverlust einstecken. Doch auch ohne diese Sonderbelastung enttäuscht das Institut. Im Vergleich mit den großen Branchenrivalen gerät die Bank damit mehr und mehr ins Hintertreffen.

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(Foto: AP)

Die Bank of America hat den durchwachsenen Reigen der Bilanzen von US-Großbanken mit einem unerwarteten Verlust abgeschlossen. Das gemessen an den Vermögenswerten größte US-Institut nahm eine Abschreibung von zwei Mrd. US-Dollar auf sein Immobiliengeschäft vor - eine Erblast von der Übernahme des Hypotheken-Riesen Countrywide Financial zum Höhepunkt der Finanzkrise. Zudem legte das Geldhaus wegen des Streits um unsaubere Zwangsversteigerungen gut vier Mrd. US-Dollar zur Seite. Auf dem US-Immobilienmarkt sei keine schnelle Wende zum Besseren in Sicht und die gesamte Branche werde hier noch jahrelang Probleme haben, prognostizierte die Bank of America. Anleger reagierten verschreckt: Die Aktie gab an der Wall Street zunächst rund zwei Prozent nach.

Die Bank of America gab als letzte der großen US-Institute Auskunft über den Geschäftsverlauf. Die Bilanzen der Großbanken belegen eindringlich, dass die Branche noch immer kräftig unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hat. Der Bank of America macht die anhaltende Krise auf dem US-Immobilienmarkt zu schaffen, während Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Citigroup besonders im Anleihehandel empfindliche Einbußen einstecken mussten - vor allem wegen der Euro-Schuldenkrise, die Bond-Investoren verschreckt und letztendlich auch auf die Finanzkrise zurückgeht. Im klassischen Kapitalmarktgeschäft ist für Investmentbanken derzeit offenbar kaum mehr Geld zu verdienen. Deshalb warten Anleger auch mit Spannung auf die Zahlen der Deutschen Bank, die besonders stark im Anleihegeschäft engagiert ist. Der deutsche Branchenprimus wird am 3. Februar seine Zahlen vorlegen.

Konkurrenz steht besser da

Ihre breite Aufstellung ermöglichte es dagegen JP Morgan, die Märkte mit einem Milliardengewinn positiv zu überraschen. Dieses Institut kam bereits relativ ungeschoren durch die Finanzkrise und schleppt daher auch deutlich weniger Ballast mit sich herum als viele Konkurrenten.

Unter dem Strich stand bei der Bank of America für das vierte Quartal ein bereinigter Verlust von rund 1,6 Mrd. US-Dollar. Vor einem Jahr hatte das Institut wegen der Finanzkrise sogar ein Minus von 5,2 Mrd. US-Dollar eingefahren. Auch das dritte Quartal hatte die Bank of America wegen einer riesigen Abschreibung mit einem Milliarden-Verlust abgeschlossen - der Grund hierfür waren damals neue gesetzliche Schranken für die Gebühren von Bankkarten.

Unter Herausrechnung der Abschreibung in Höhe von zwei Mrd. Dollar verdiente das Geldhaus 756 Mio. Dollar oder 0,04 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 0,14 Dollar je Aktie erwartet. Bankchef Brian Moynihan sprach rückblickend von einem Jahr der notwendigen Reparaturen und des Wiederaufbaus. Die Einnahmen sanken im abgelaufenen vierten Quartal um elf Prozent auf 22,7 Mrd. Dollar - dies ist bereits der dritte Rückgang in Folge.

Altlasten vom Immobilienmarkt

Anfang des Jahres hatte sich die Bank of America im Streit mit den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac über faule Kredite von Countrywide auf die Zahlung von insgesamt 2,8 Mrd. Dollar geeinigt. Mit der Einigung konnte die Bank of America einen Großteil der Rechtsstreitigkeiten mit staatlich gestützten Instituten ad acta legen - nicht jedoch mit privaten Investoren.

Im Gegensatz zu dem Kauf von Countrywide Financial profitiert die Bank of America immerhin von ihrer zweiten großen Wette während der Finanzkrise: der Kauf der Investmentbank Merrill Lynch. In dieser Sparte, zu der auch die Vermögensverwaltung gehört, verdiente das Institut im abgelaufenen vierten Quartal mehr als eine Mrd. Dollar.

Quelle: nne/rts