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Wirtschaft

Montag, 11. Oktober 2010

Alle wollen Dünger - K+S hilft's: Chavez verstaatlicht Kalikonzern

Die Kalibranche gilt als milliardenschwerer Zukunftsmarkt. Kein Wunder, dass Venezuelas Präsident Chavez einen Düngemittelhersteller verstaatlicht. Gleichzeitig sorgt der Übernahmekampf um den Branchenführer Potash für Aufruhr in der Politik. In Deutschland profitieren K+S.
"Du bist der Nächste": Venezuelas Präsident Chavez verstaatlicht Düngemittelkonzern. Kalibranche gilt als Zukunftsmarkt.

"Du bist der Nächste": Venezuelas Präsident Chavez verstaatlicht Düngemittelkonzern. Kalibranche gilt als Zukunftsmarkt.
(Foto: REUTERS)

Kali gilt als das Produkt der Zukunft. Eine steigende Weltbevölkerung bei gleichzeitig zurückgehender landwirtschaftlicher Nutzflächen lassen die Nachfrage nach Düngeprodukten wachsen. Das weiß die gesamte Rohstoffbranche. Um den kanadischen Kaliriesen Potash ist deshalb ein Übernahmekampf entbrannt, an dem sich ganze Länder mittlerweile beteiligen und im Hintergrund die Fäden ziehen – und das weiß auch Venezuelas Präsident Hugo Chavez. Und das wissen auch die Anleger.

In Venezuela treibt Präsident Chavez mit Vehemenz seinen Verstaatlichungskurs voran. Die Regierung werde den Düngemittelhersteller Fertinitro übernehmen, kündigte Chavez an. Das Unternehmen gehört derzeit bereits zu 35 Prozent dem ebenfalls staatlichen venezolanischen Betrieb Pequiven. Die private US-Firma Koch hält weitere 35 Prozent und Saipem, eine Tochter des italienischen Energiekonzerns Eni, hält 20 Prozent. Weitere zehn Prozent gehören dem venezolanischen Brauer Polar. In den zwölf Jahren seiner Amtszeit hat der 56-jährige ehemalige Soldat große Teile der Wirtschaft verstaatlicht.

Auf Partnersuche

Kalisalz ist heiß begehrt. Deshalb will Potash sich nicht für "nur" 39 Mrd. Dollar verkaufen lassen.

Kalisalz ist heiß begehrt. Deshalb will Potash sich nicht für "nur" 39 Mrd. Dollar verkaufen lassen.
(Foto: Reuters)

Dagegen werben im Kampf um die Übernahme des kanadischen Düngemittel-Giganten Potash laut Medienberichten mehrere Interessenten um schlagkräftige Partner. Ziel ist es, dass von Potash als feindlich abgelehnte Gebot des britisch-australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton zu überbieten. So will der chinesische Chemiekonzern Sinochem der indischen Wirtschaftszeitung „Economic Times“ zufolge den indischen Bergbaukonzern NMDC für ein gemeinsames Gebot gewinnen. Ein kanadischer Pensionsfonds bemüht sich laut „Financial Times“ derweil um Unterstützung von Singapurs Staatsfonds Temasek.

Wochenlanges Hickhack

Sinochem hoffe, mit einem gemeinsamen Angebot die Bedenken in der kanadischen Politik wegen einer Übernahme von Potash durch ein chinesisches Staatsunternehmen zerstreuen zu können. Laut "Economic Times" dementierte NMDC-Verwaltungsratschef Rana Som allerdings, dass Sinochem Kontakt mit dem indischen Unternehmen aufgenommen habe.

Das Potash-Management wehrt sich seit Wochen gegen das im August eingegangene Übernahmeangebot von BHP. Die Kanadier halten die Offerte für zu gering. Deshalb sucht der Kali-Konzern nach einem sogenannten weißen Ritter, einem Bieter, der die ungeliebte BHP aussticht. Doch bislang gibt es kein weiteres offizielles Gebot.

Potash sitzt auf den weltgrößten Kali-Vorkommen. Einer der schärfsten Konkurrenten ist K+S.

K+S-Anleger jubeln

K+S profitieren daher weiter von den Übernahmefantasien in der Kali-Branche. Die Aktien des Düngemittelherstellers standen mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 46,92 Euro am Vormittag an der Dax-Spitze. "Es gab am Freitag Gerüchte über ein Interesse von Rio Tinto, das wird heute noch mal aufgekocht, obwohl es am Wochenende nichts Neues gab", sagte ein Händler. Weder Rio Tinto noch K+S hatten sich zu den Spekulationen äußern wollen.

Equinet-Analyst Michael Schäfer bestätigte seine Kaufempfehlung für die Titel und erhöhte sein Kursziel auf 56 von 52 Euro. Angesichts steigender Getreidepreise dürfte Raum Preiserhöhungen bei Düngemitteln bestehen, betonte der Experte.

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bad/rts/dpa

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