Wirtschaft

Alle wollen Dünger - K+S hilft'sChavez verstaatlicht Kalikonzern

11.10.2010, 11:20 Uhr

Die Kalibranche gilt als milliardenschwerer Zukunftsmarkt. Kein Wunder, dass Venezuelas Präsident Chavez einen Düngemittelhersteller verstaatlicht. Gleichzeitig sorgt der Übernahmekampf um den Branchenführer Potash für Aufruhr in der Politik. In Deutschland profitieren K+S.

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"Du bist der Nächste": Venezuelas Präsident Chavez verstaatlicht Düngemittelkonzern. Kalibranche gilt als Zukunftsmarkt. (Foto: REUTERS)

Kali gilt als das Produkt der Zukunft. Eine steigende

Weltbevölkerung bei gleichzeitig zurückgehender landwirtschaftlicher

Nutzflächen lassen die Nachfrage nach Düngeprodukten wachsen. Das weiß die

gesamte Rohstoffbranche. Um den kanadischen Kaliriesen Potash ist deshalb ein

Übernahmekampf entbrannt, an dem sich ganze Länder mittlerweile beteiligen und

im Hintergrund die Fäden ziehen – und das weiß auch Venezuelas Präsident Hugo

Chavez. Und das wissen auch die Anleger.

In Venezuela treibt Präsident Chavez mit Vehemenz seinen

Verstaatlichungskurs voran. Die Regierung werde den Düngemittelhersteller

Fertinitro übernehmen, kündigte Chavez an. Das Unternehmen gehört derzeit

bereits zu 35 Prozent dem ebenfalls staatlichen venezolanischen Betrieb

Pequiven. Die private US-Firma Koch hält weitere 35 Prozent und Saipem, eine

Tochter des italienischen Energiekonzerns Eni, hält 20 Prozent. Weitere zehn

Prozent gehören dem venezolanischen Brauer Polar. In den zwölf Jahren seiner

Amtszeit hat der 56-jährige ehemalige Soldat große Teile der Wirtschaft

verstaatlicht.

Auf Partnersuche

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Kalisalz ist heiß begehrt. Deshalb will Potash sich nicht für "nur" 39 Mrd. Dollar verkaufen lassen. (Foto: Reuters)

Dagegen werben im Kampf um die Übernahme des kanadischen Düngemittel-Giganten

Potash laut Medienberichten mehrere Interessenten um schlagkräftige Partner.

Ziel ist es, dass von Potash als feindlich abgelehnte Gebot des

britisch-australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton zu überbieten. So will der

chinesische Chemiekonzern Sinochem der indischen Wirtschaftszeitung „Economic

Times“ zufolge den indischen Bergbaukonzern NMDC für ein gemeinsames Gebot

gewinnen. Ein kanadischer Pensionsfonds bemüht sich laut „Financial Times“ derweil

um Unterstützung von Singapurs Staatsfonds Temasek.

Wochenlanges Hickhack

Sinochem hoffe, mit einem gemeinsamen Angebot die Bedenken

in der kanadischen Politik wegen einer Übernahme von Potash durch ein

chinesisches Staatsunternehmen zerstreuen zu können. Laut "Economic Times"

dementierte NMDC-Verwaltungsratschef Rana Som allerdings, dass Sinochem Kontakt

mit dem indischen Unternehmen aufgenommen habe.

Das Potash-Management wehrt sich seit Wochen gegen das im

August eingegangene Übernahmeangebot von BHP. Die Kanadier halten die Offerte

für zu gering. Deshalb sucht der Kali-Konzern nach einem sogenannten weißen

Ritter, einem Bieter, der die ungeliebte BHP aussticht. Doch bislang gibt es

kein weiteres offizielles Gebot.

Potash sitzt auf den weltgrößten Kali-Vorkommen. Einer der

schärfsten Konkurrenten ist K+S.

K+S-Anleger jubeln

K+S profitieren daher weiter von den Übernahmefantasien in der Kali-Branche.

Die Aktien des Düngemittelherstellers standen mit einem Plus von 1,7 Prozent

auf 46,92 Euro am Vormittag an der Dax-Spitze. "Es gab am Freitag Gerüchte

über ein Interesse von Rio Tinto, das wird heute noch mal aufgekocht, obwohl es

am Wochenende nichts Neues gab", sagte ein Händler. Weder Rio Tinto noch

K+S hatten sich zu den Spekulationen äußern wollen.

Equinet-Analyst Michael Schäfer bestätigte seine Kaufempfehlung für die

Titel und erhöhte sein Kursziel auf 56 von 52 Euro. Angesichts steigender

Getreidepreise dürfte Raum Preiserhöhungen bei Düngemitteln bestehen, betonte

der Experte.

Quelle: bad/rts/dpa