Alle wollen Dünger - K+S hilft'sChavez verstaatlicht Kalikonzern
Die Kalibranche gilt als milliardenschwerer Zukunftsmarkt. Kein Wunder, dass Venezuelas Präsident Chavez einen Düngemittelhersteller verstaatlicht. Gleichzeitig sorgt der Übernahmekampf um den Branchenführer Potash für Aufruhr in der Politik. In Deutschland profitieren K+S.
Kali gilt als das Produkt der Zukunft. Eine steigende
Weltbevölkerung bei gleichzeitig zurückgehender landwirtschaftlicher
Nutzflächen lassen die Nachfrage nach Düngeprodukten wachsen. Das weiß die
gesamte Rohstoffbranche. Um den kanadischen Kaliriesen Potash ist deshalb ein
Übernahmekampf entbrannt, an dem sich ganze Länder mittlerweile beteiligen und
im Hintergrund die Fäden ziehen – und das weiß auch Venezuelas Präsident Hugo
Chavez. Und das wissen auch die Anleger.
In Venezuela treibt Präsident Chavez mit Vehemenz seinen
Verstaatlichungskurs voran. Die Regierung werde den Düngemittelhersteller
Fertinitro übernehmen, kündigte Chavez an. Das Unternehmen gehört derzeit
bereits zu 35 Prozent dem ebenfalls staatlichen venezolanischen Betrieb
Pequiven. Die private US-Firma Koch hält weitere 35 Prozent und Saipem, eine
Tochter des italienischen Energiekonzerns Eni, hält 20 Prozent. Weitere zehn
Prozent gehören dem venezolanischen Brauer Polar. In den zwölf Jahren seiner
Amtszeit hat der 56-jährige ehemalige Soldat große Teile der Wirtschaft
verstaatlicht.
Auf Partnersuche
Dagegen werben im Kampf um die Übernahme des kanadischen Düngemittel-Giganten
Potash laut Medienberichten mehrere Interessenten um schlagkräftige Partner.
Ziel ist es, dass von Potash als feindlich abgelehnte Gebot des
britisch-australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton zu überbieten. So will der
chinesische Chemiekonzern Sinochem der indischen Wirtschaftszeitung „Economic
Times“ zufolge den indischen Bergbaukonzern NMDC für ein gemeinsames Gebot
gewinnen. Ein kanadischer Pensionsfonds bemüht sich laut „Financial Times“ derweil
um Unterstützung von Singapurs Staatsfonds Temasek.
Wochenlanges Hickhack
Sinochem hoffe, mit einem gemeinsamen Angebot die Bedenken
in der kanadischen Politik wegen einer Übernahme von Potash durch ein
chinesisches Staatsunternehmen zerstreuen zu können. Laut "Economic Times"
dementierte NMDC-Verwaltungsratschef Rana Som allerdings, dass Sinochem Kontakt
mit dem indischen Unternehmen aufgenommen habe.
Das Potash-Management wehrt sich seit Wochen gegen das im
August eingegangene Übernahmeangebot von BHP. Die Kanadier halten die Offerte
für zu gering. Deshalb sucht der Kali-Konzern nach einem sogenannten weißen
Ritter, einem Bieter, der die ungeliebte BHP aussticht. Doch bislang gibt es
kein weiteres offizielles Gebot.
Potash sitzt auf den weltgrößten Kali-Vorkommen. Einer der
schärfsten Konkurrenten ist K+S.
K+S-Anleger jubeln
K+S profitieren daher weiter von den Übernahmefantasien in der Kali-Branche.
Die Aktien des Düngemittelherstellers standen mit einem Plus von 1,7 Prozent
auf 46,92 Euro am Vormittag an der Dax-Spitze. "Es gab am Freitag Gerüchte
über ein Interesse von Rio Tinto, das wird heute noch mal aufgekocht, obwohl es
am Wochenende nichts Neues gab", sagte ein Händler. Weder Rio Tinto noch
K+S hatten sich zu den Spekulationen äußern wollen.
Equinet-Analyst Michael Schäfer bestätigte seine Kaufempfehlung für die
Titel und erhöhte sein Kursziel auf 56 von 52 Euro. Angesichts steigender
Getreidepreise dürfte Raum Preiserhöhungen bei Düngemitteln bestehen, betonte
der Experte.