Geduld und GottvertrauenCoBa-Gewinn verspätet sich
Die Commerzbank steckt in einer Abwärtsspirale: Kreditausfälle und Abschreibungen führen zu einem erneuten Milliardenverlust. Die Kosten für den Kauf der Dresdner Bank belasten auch künftig. Die Verunsicherung bei den Anlegern wächst. Nur der Vorstand schwimmt gegen den Strom und schöpft Hoffnung.
Die teilverstaatlichte Commerzbank kommt nicht aus dem Krisensumpf. Der Kauf der Dresdner Bank, Kreditausfälle und weitere Abschreibungen auf toxische Wertpapiere brockten dem zweitgrößten deutschen Institut 2009 einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro ein. Auch operativ standen tiefrote Zahlen, währende andere Häuser wie die Deutsche Bank schon wieder Milliardengewinne schrieben. "Die Krise ist noch nicht vorüber", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Er sprach von einem unerfreulichen Ergebnis. 2010 habe im operativen Geschäft zwar erfreulich begonnen. Unter dem Strich erwartet er im laufenden Jahr aber nur bei "sehr positiver" Entwicklung der Konjunktur und der Finanzmärkte schwarze Zahlen.
Commerzbank-Aktien brachen um sieben Prozent auf 5,61 Euro ein. Vor Bekanntgabe der Dresdner-Übernahme kurz vor dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers im Sommer 2008 war das Frankfurter Institut noch vier Mal mehr wert.
"Wir sind noch nicht am Ziel"
Das zweitgrößte deutsche Institut musste unter dem Strich 2009 einen Fehlbetrag von 4,5 Mrd. Euro verschmerzen nach einem Minus von 6,5 Mrd. Euro im Jahr zuvor. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", räumte Blessing ein.
Die Integrationskosten für die Dresdner Bank beliefen sich allein 2009 auf rund 1,9 Mrd. Euro. Die Kreditausfälle und Abschreibungen sowie die Risikovorsorge auf strukturierte Wertpapiere schlugen mit 5,3 Mrd. Euro negativ zu Buche, wie die teilverstaatlichte Bank mitteilte. Insgesamt summierten sich die Belastungen aus der Finanzkrise auf 5,3 Mrd. Euro. Zudem ergaben sich Firmenwertabschreibungen von fast 770 Mio. Euro wegen der strategischen Neuausrichtung der Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo.
"Bei Übernahmen hat der Commerzbank-Vorstand keine glückliche Hand", bilanzierte Fairesearch-Analyst Dieter Hein. Das Institut konnte die Dresdner Bank nur dank Milliardenhilfen des Staates kaufen - daher ist der Bund mit gut 25 Prozent an dem Frankfurter Geldhaus beteiligt. Insgesamt pumpte der Staat mehr als 18 Milliarden Euro in die Bank, den größten Teil davon als stille Einlage, die verzinst werden muss. Spätestens 2012 will das Haus mit der Rückzahlung der Staatshilfe beginnen. "Die Aktionäre werden noch sehr lange auf dem Trockenen sitzen", sagte Hein. Selbst wenn die Commerzbank irgendwann wieder Gewinne schreibe, flössen diese zunächst an den Bund.
Hoffnung stirbt zuletzt
Der Vorstand hofft darauf, dass sich der Dresdner-Kauf in den nächsten Jahren dank Milliarden-Einsparungen rechnet. Insgesamt sollen 9000 Stellen abgebaut werden, die Hälfte davon ist laut Finanzchef Eric Strutz bereits vertraglich vereinbart. Im laufenden Jahr rechnet die Bank mit Größenvorteilen von einer Milliarde Euro und nur noch gut 300 Millionen Euro an Kosten für die Integration. "Wir liegen hier voll im Plan", sagte Strutz.
Operativ schwarze Zahlen geplant
Operativ setzen Blessing und seine Kollegen auf eine Wiederbelebung der Konjunktur. "2010 werden wir im kundennahen Geschäft den Umschwung erreichen", betonte der Bankchef. Die Kernbank mit den Segmenten Privatkunden, Mittelstand, Osteuropa und Investmentbanking werde operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Finanzexperte Hein spricht allerdings von Zweckoptimismus. Besonders die Investmentbank litt 2009 noch massiv unter Abschreibungen und Gewinneinbußen durch den Abbau von Risikobeständen. Für die Deutsche Bank dagegen war das Investmentbanking der Gewinnmotor im vergangenen Jahr.
Angesichts zahlreicher Krisenfälle im Kreditportfolio der Commerzbank befürchten Analysten weitere Milliardenbelastungen durch Ausfälle - wegen steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Insolvenzen. Und in Polen und der Ukraine, wo die Bank stark engagiert ist, sind die Wirtschaftsaussichten auch eher trübe. Der Vorstand erwartet für 2010 einen Rückgang der Risikovorsorge um 400 Millionen Euro auf 3,8 Milliarden Euro. "Besonders in der Mittelstandsbank haben wir die Spitze gesehen", sagte Strutz. Sorgenkinder Nummer eins 2010 waren Schiffsfinanzierungen und gewerbliche Immobilienfinanzierungen in den USA. Entspannung ist an beiden Fronten nicht in Sicht.