Zinsen steigen, Kosten sinkenComdirect peilt Rekordjahr an
Der Online-Broker Comdirect peilt in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von mehr als 90 Mio. Euro an. Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2007 soll damit übertroffen werden.
Die Online-Bank Comdirect steuert auf ein Rekordjahr zu. Die Commerzbank-Tochter wolle in diesem Jahr dank steigender Zinsen und sinkender Kosten den Vorsteuergewinn von 90,5 Mio. Euro aus dem Jahr 2007 übertreffen, kündigte Vorstandschef Thorsten Reitmeyer an. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen über dem Strich 80,9 Mio. Euro verdient.
An einen dreistelligen Millionengewinn, den viele Analysten schon für plausibel halten, glaubt Reitmeyer noch nicht: "Ich weiß nicht, ob man das Halbjahresergebnis einfach mit zwei multiplizieren kann", sagte er. Die Entwicklung sei weiterhin sehr volatil. Nach sechs Monaten hat Comdirect bereits 50,4 Mio. Euro vor Steuern in der Tasche, 21 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Internetbank übertraf damit die Schätzungen des Marktes, die Aktie stieg gegen den Trend. Beim Konkurrenten DAB Bank, der mehrheitlich der HypoVereinsbank gehört, ging der Gewinn vor Steuern im zweiten Quartal dagegen um ein Drittel auf 6 Mio. Euro zurück.
"Keine Abflüsse"
Reitmeyer sagte, Comdirect gelinge es immer mehr, vom reinen Online-Broker zur Erstbank für ihre Kunden zu werden. 57 Prozent hätten inzwischen mindestens zwei Produkte von Comdirect. Dass die Commerzbank ihre Neukunden neuerdings mit höheren Zinsen auf Tagesgeld lockt als ihre Tochter, ficht Reitmeyer nicht an: "Wir haben keine Abflüsse zu verzeichnen." Comdirect bleibe dabei, Neukunden nicht mehr Zinsen zu zahlen als Bestandskunden.
"Wir werden von den steigenden Zinsen weiter profitieren", sagte der Comdirect-Chef. Sie hatten den Zinsüberschuss schon im ersten Halbjahr um 52 Prozent nach oben schnellen lassen. "Bei zehn Milliarden Euro Einlagen ist jeder Basispunkt wertvoll."
Die Comdirect-Fondstochter ebase baut ihre Zusammenarbeit mit der Commerzbank aus. Sie führt im Hintergrund die Depots für 195.000 ihrer Kunden, vor allem für Fonds-Sparpläne. Für dieses "White-Label"-Angebot erwartet Reitmeyer bald weitere Kunden: "Wir sind mit einer Reihe von Versicherern im Gespräch." Einige Verträge seien bereits unter Dach und Fach.