Wirtschaft

2010 gibt's schwarze ZahlenCommerzbank legt sich fest

05.08.2010, 08:11 Uhr

Die zweitgrößte und immer noch staatlich gestützte deutsche Bank rechnet bereits in diesem Jahr mit einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Das Institut profitiert nicht nur von der Erholung an den Märkten, sondern auch von den deutlich geringeren Belastungen aus faulen Krediten.

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Solide Zahlen: Die Sorgen der Analysten bezüglich des Quartalsergebnisses haben sich als falsch erwiesen. (Foto: REUTERS)

Die Commerzbank wird nach eigener Einschätzung schon in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. "Wir haben bisher gesagt, dass wir spätestens 2011 wieder Gewinn erzielen werden. Aufgrund der erfreulichen Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr gehen wir nun davon aus, das Gesamtjahr 2010 in einem stabilen Marktumfeld mit einem Gewinn abzuschließen", sagte Vorstandschef Martin Blessing in Frankfurt. Die Commerzbank gab damit erstmals eine Prognose für das laufende Jahr.

Sowohl 2008 als auch 2009 hatte die Commerzbank wegen der Übernahme der Dresdner Bank und der Finanzkrise ein Minus in Milliardenhöhe verbuchen müssen. Nach den ersten sechs Monaten liegt der Überschuss aber nach Anteilen Dritter bereits bei 1,06 Mrd. Euro, ein Jahr zuvor hatte die Bank 1,63 Mrd. Euro Verlust geschrieben.

Besonders im zweiten Quartal überraschte die Commerzbank die Analysten. Hier lag der Überschuss nach Anteilen Dritter bei 352 (minus 761) Mio. Euro deutlich über den Schätzungen, obwohl er nur halb so hoch lag wie zu Jahresbeginn. Damals hatte die Bank aber unerwarteten Rückenwind von den Kapitalmärkten bekommen. Diie Bank profitierte auch von einem Steuerertrag, der Vorsteuergewinn lag nur bei 210 Mio. Euro.

Schrumpfende Risikovorsorge

Experten hatten zwar einen Ausblick erwartet. Bisher hatte Blessing nur für das Kerngeschäft einen Gewinn 2010 versprochen. Zugeschrieben wird die positive Entwicklung vor allem einer um mehr als ein Drittel auf 639 Mio. Euro gesunkene Risikovorsorge. Auch im Gesamtjahr sollen die Rückstellungen für faule Kredite weniger hoch ausfallen als erwartet. Statt der bisher geschätzten 3,8 (2009: 4,2) Mrd. Euro rechnet die Commerzbank jetzt nur noch mit maximal 3,0 Mrd.

"Auch im zweiten Halbjahr werden wir Risiken und Bestände abbauen", kündigte Finanzvorstand Eric Strutz an. Blessing bremste aber die Euphorie: "Es kommen noch schwierige Bergstrecken, und wir sind nach wie vor ein gutes Stück von der Normalität entfernt. Stabilität ist für uns wichtiger als kurzfristige Ertragsmaximierung."

Mittelstand stützt Ergebnis

Ergebnisstütze der Bank war im zweiten Quartal das Geschäft mit dem Mittelstand, in dem operativ allein 383 Mio. Euro verdient wurden. Dagegen blieb im Privatkundengeschäft mit 20 Mio. Euro fast nichts übrig, nachdem sich die Berater mehr mit der Integration der Dresdner-Bank-Filialen beschäftigten.

Die im Asset Based Finance (ABF) gebündelten Spezialfinanzierer wie Eurohypo und Deutsche Schiffsbank stecken tief in den roten Zahlen. Sie belasteten das Ergebnis operativ mit 250 Mio. Euro. Im Segment ABF sei allein rund die Hälfte der Abschreibungen auf faule Kredite verborgen, hieß es. Dagegen schloss die interne "Bad Bank" auch das zweite Quartal mit Gewinn ab, obwohl der Abbau der Bestände kaum noch vorankommt.

Quelle: rts/dpa