Neuer Geldstrom kurz vor knappConergy näht auf Kante
Der Durchbruch kommt gerade noch rechtzeitig: Die Banken gewähren dem hochverschuldete Solarkonzern Conergy eine neue Frist. Das TecDax-Mitglied jetzt nach einer dauerhaften Lösung suchen. Der Markt wartet erst einmal ab.
Auf den letzten Drücker hat sich der Solarkonzern Conergy mit den Banken auf eine Verlängerung seiner Kreditlinien geeinigt. Nun hat das seit Jahren ums Überleben kämpfende Unternehmen nach eigenen Angaben voraussichtlich bis Ende nächsten Jahres Zeit, um die Finanzierung langfristig auf sichere Beine zu stellen.
Die Lösung in den Kreditverhandlungen kommt keinen Tag zu früh: Gut 250 Mio. Euro Kredite und 200 Mio. an Bürgschaften wären andernfalls an diesem Wochenende fällig geworden. Womöglich braucht Conergy aber auch noch im laufenden Jahr frisches Kapital. Die Freude über die Einigung verflog an der Börse schnell: Nach kurzen Kursausschlägen am Morgen notierte die Aktie im Freitagshandel mit 73 Cent 1,7 Prozent im Minus.
Neuer Stichtag im Dezember
Um den Kapitalbedarf festzustellen, sollen Wirtschaftsprüfer nun die Geschäftsentwicklung und die Aussichten von Conergy unter die Lupe nehmen. Kommen sie zu dem Schluss, dass das Unternehmen eine Kapitalspritze braucht, können die Banken die Kredite schon zum 21. Dezember kündigen, wie Conergy einräumte. Dann bliebe den Kreditgebern wohl nur ein Teilverzicht auf ihre Schulden oder eine Umwandlung in Eigenkapital nach dem Muster eines sogenannten "Debt-for-Equity-Swap". Die Finanzhäuser hätten signalisiert, eine mögliche Umschuldung unterstützen zu wollen, sagte eine Firmensprecherin.
Die Interessen der Gläubiger sind aber unterschiedlich: Für Unruhe sorgt vor allem der US-Finanzinvestor York Capital, der sich mit hohen Kursabschlägen in die Kredite eingekauft hatte. "York drängt auf einen Tausch seiner Schulden in Eigenkapital", hatte es aus dem Umfeld des TecDax-Konzerns geheißen. Einer der wichtigsten unter den 19 beteiligten Geldgebern ist die Commerzbank. Mit einem Anteil von 30 Prozent ist die Bank gleichzeitig auch größter Aktionär. Würde sie ihre Aktien zum aktuellen Kurs verkaufen, müsste sie hohe Verluste hinnehmen.
An der Börse sorgten diese Details aus der Aktionärsstruktur für Verunsicherung. Ein Tausch der Schulden in Aktien würde zu einem Verwässerungseffekt führen, sagte ein Analyst. Conergy könne weiterhin kaum investieren und hinke damit hinter der Konkurrenz her. Equinet-Analyst Sebastian Growe hielt an seiner Verkaufsempfehlung fest und nannte die "katastrophale Bilanz" wie auch die Unsicherheit über die Geschäftsentwicklung als Gründe.
Mut machen zum Abschied
Am 12. August soll der Zwischenbericht veröffentlicht werden. "Die Zahlen zum zweiten Quartal werden ein erfreuliches Ergebnis zeigen", sagte der scheidende Vorstandschef Dieter Ammer. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Restrukturierung erfolgreich sei. Zum Jahresauftakt hatte Conergy dank des Solarbooms seinen Umsatz fast verdreifacht und erstmals seit gut zwei Jahren einen kleinen Quartalsgewinn verbucht. Ammer hatte damals deutliche Umsatzsteigerungen und zumindest operativ für 2010 schwarze Zahlen angekündigt.
Ammer wollte ursprünglich Ende Juli aus dem Amt scheiden, bleibt nun aber drei Monate länger und wechselt danach in den Aufsichtsrat. Er soll die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Oktober noch über die Entwicklung informieren. Im November soll Ammers Stellvertreter, der Ex-Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz, sein Nachfolger werden.
Wegen der Finanzierungsverhandlungen war die Bilanz 2009 nicht testiert und die Hauptversammlung verschoben worden. Nach vorläufigen Zahlen war der Umsatz 2009 infolge des Preisverfalls bei Solarmodulen um mehr als ein Drittel auf 600 Mio. Euro eingebrochen. Der operative Verlust ging dank Kostensenkungen um 80 Prozent auf 37 Mio. Euro zurück. Den Nettoverlust konnte Conergy im fortgeführten Geschäft von 225,7 Mio. Euro im Jahr 2008 auf 81 Mio. Euro reduzieren zurück.