Wirtschaft

Renditeziel korrigiertCredit Suisse erwartet weniger

10.02.2011, 12:03 Uhr

Nachdem Credit Suisse vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen ist, sorgen nun die anstehenden schärferen Kapitalvorschriften für Kopfzerbrechen. Die Schweizer Großbank senkt die Renditeerwartungen auf "über 15 Prozent". Die Rivalin Deutsche Bank hält dagegen weiter an ihrer umstrittenen Marke von 25 Prozent vor Steuer fest.

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Unangenehme Pflicht: Die Verkündung des neuen Renditezieles fiel CS-Chef Brady Dougan sichtlich schwer. (Foto: REUTERS)

Nach einem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr schraubt die Schweizer Großbank Credit Suisse ihre Renditeerwartungen nach unten. Konzernchef Brady Dougan machte dafür die anstehenden schärferen Kapitalvorschriften verantwortlich. "Unsere Ziele basieren auf einer vorsichtigen Einschätzung der langfristigen Geschäftsentwicklung in unserer Branche", erklärte Dougan bei der Vorlage des Jahresabschlusses. Anstelle der bisherigen 18 Prozent Eigenkapitalrendite peilt Dougan nun über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren eine Rendite von "über 15 Prozent" an.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält dagegen an seinem umstrittenen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuer fest. Allerdings hält er das Erreichen dieser Marke erst in ein paar Jahren wieder für realistisch.

Auch bei Credit Suisse hinterließen die durch die Euro-Schuldenkrise gelähmten Finanzmärkte im vergangenen Jahr ihre Spuren in der Bilanz. Der Konzerngewinn der zweitgrößten Schweizer Bank sank um 24 Prozent auf 5,1 Mrd. Franken (3,9 Mrd. Euro) und lag damit unter den Erwartungen der Analysten. Investitionen in mehr Personal und mehr Technik brachten noch nicht den erhofften Erfolg und die Einnahmen im Investmentbanking fielen rund 20 Prozent niedriger aus als 2009. Damals war Credit Suisse am Markt im Vorteil, weil sie als eine der weniger internationalen Großbanken glimpflich und ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen war. Nun sackte der Vorsteuergewinn um 48 Prozent auf 3,53 Mrd. Franken ab, auch wenn sich die Sparte zum Jahresende von einem Gewinneinbruch im dritten Quartal erholen konnte. Die Euro-Schuldenkrise hatte vor allem dem Anleihenhandel einen Dämpfer versetzt.

Vermögensverwaltung stabil

Punkten konnte Credit Suisse in ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft für private und institutionelle Kunden. Der Gewinn der Sparte wurde zwar durch den starken Franken beeinträchtigt, blieb aber gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil. Die Bank konnte insgesamt 69 Mrd. Franken Nettoneugeld einsammeln, während der Schweizer Rivale UBS 2010 einen Abfluss von 14 Mrd. Franken verbuchte. Im Private Banking, wo die reichen Privatkunden angesiedelt sind, stieg der Nettoneugeldzufluss trotz Diskussionen um das Bankgeheimnis und Daten-Diebstahl um mehr als 30 Prozent auf 54,6 Mrd. Franken. Der größte Teil der Zuflüsse kam aus dem internationalen Geschäft und dort vor allem aus Schwellenländern.

Immerhin können sich die Aktionäre über eine Dividende freuen, die mit 1,30 Franken pro Aktie zwar nicht mehr so üppig ausfällt wie die zwei Franken des Vorjahres. Analysten hatten dagegen 1,50 Franken erwartet. UBS verzichtete ganz auf eine Ausschüttung. CS-Konzernchef Dougan erklärte weiter, die Bank sei gut aufgestellt, um nachhaltige Renditen zu erwirtschaften. "Ein effizientes Kostenmanagement hat weiterhin höchste Priorität", sagte er.

Börse verschnupft

Die Anleger an der Börse reagierten verschnupft auf die Geschäftszahlen. Die Aktie verlor im frühen Handel 2,5 Prozent auf 43,59 Franken. Die Titel der UBS, die im vergangenen Jahr mit 7,2 Milliarden Franken zum ersten Mal seit der Krise wieder mehr verdiente als Credit Suisse, gab knapp ein halbes Prozent nach. "Der Stern der CS strahlte nicht so lange", sagte ein Börsenhändler. Auf den ersten Blick betrachtet habe sich das Management dafür entschieden, die Ziele zu senken anstatt besser zu werden, erklärte Helvea-Analyst Peter Thorne. Allerdings, so die Bank Wegelin, müsse man dem CS-Management auch eine "gewisse Einsicht" zugutehalten. Angesichts schärferer Regulierungen dürfte sich für die Banken und auch die Investoren bei der Rentabilität eine neue Realität abzeichnen.