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Zuversichtliche Prognose: Daimler trotzt der Krise

Der Automobilkonzern Daimler richtet sich nach einem Rekordjahr trotz der schwierigen Wirtschaftslage auf weiteres Wachstum ein. Die Verkäufe sollen deutlich steigen, der Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Daimler drosselt nach der Rekordfahrt das Tempo: Der Stuttgarter Autokonzern kündigte für 2012 nur einen Betriebsgewinn in der Größenordnung des Vorjahres an. Absatz und Umsatz sollten dabei weiter zulegen, stellte Daimler in Aussicht. Im abgelaufenen Jahr profitierte der Konzern von der boomenden Pkw- und Lkw-Nachfrage und steigerte den operativen Gewinn um fast ein Viertel auf den Spitzenwert von knapp 9 Mrd. Euro - einen Tick mehr als von Analysten erwartet. Die Aktionäre sollen an dem Rekordgewinn beteiligt werden: Der Vorstand schlug vor, die Dividende um 35 Cent auf 2,20 Euro anzuheben.

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"In Summe haben wir das Jubiläumsjahr auch zum Erfolgsjahr für Daimler gemacht", zog Vorstandschef Dieter Zetsche Bilanz. Das Ergebnis zeige, dass der Konzern mit seinem breiten Angebot an Autos, Lastwagen, Transportern, Bussen und Finanzdienstleistungen sehr gut aufgestellt sei. "Jetzt arbeiten wir mit allen Kräften daran, diesen Erfolg fortzusetzen und wie geplant die Zielrenditen ab dem Jahr 2013 nachhaltig zu erreichen", sagte der Daimler-Chef auf der Jahrespressekonferenz eingerahmt von einem roten Sportwagen und einer neuen Mercedes-Benz B-Klasse. Mit diesem Kompaktwagen will Daimler verlorenes Terrain gutmachen, weitere kompakte Modelle sollen in diesem Jahr folgen und einen weiteren Rekordabsatz möglich machen.

An der Börse kamen die Zahlen gut an: Die Papiere kletterten um 3,7 Prozent auf 46,33 Euro. Der deutliche Anstieg der Aktien seit Jahresbeginn sei "durchaus gerechtfertigt", sagte ein Händler. Der Kurs der Daimler-Aktien hat seit Januar mehr als 30 Prozent zugelegt.

Schuldenkrise bremst

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Das Management um Zetsche stimmte die Anleger nach dem Ende des 125. Jubiläums der Erfindung des Automobils darauf ein, dass die Geschäfte sich in diesem Jahr nicht ohne weiteres wie bisher steigern lassen werden. Denn die Konjunktur hat sich weltweit abgekühlt. Der Sparkurs vieler Staaten sorgt dafür, dass in Südeuropa weniger neue Autos verkauft werden. In China ist ein scharfer Wettbewerb der Autobauer um neue Kunden ausgebrochen. Reibungslos laufen die Geschäfte in den USA, wo sich die Nachfrage weiter erholt.

Daher kalkulieren Analysten vorsichtig und trauen Daimler in diesem Jahr nur einen Erlöszuwachs auf 107 Mrd. Euro zu. Beim Gewinn vor Steuern gehen die Experten im Gegensatz zu den Stuttgartern davon aus, dass der Konzern 2012 den Rückwärtsgang einlegen wird. Die Ertragsperle Mercedes-Benz Pkw und die wichtige Nutzfahrzeugsparte dürften den Schätzungen zufolge in diesem Jahr weniger Gewinn abliefern, weil für den Marktstart der neuen Kompaktwagen und für den Anlauf des neuen Schwerlasters Actros nochmals hohe Kosten zu Buche schlagen.

Daimler will profitabler werden

Das Jahr 2012 ist für Daimler ohnehin ein Übergangsjahr: Denn ab 2013 soll das operative Geschäft von Mercedes-Benz Pkw dauerhaft zehn Prozent Rendite abwerfen, das Lkw-Geschäft acht Prozent. Von diesen hochgesteckten Margenzielen war die Daimler-Führung um den bis 2013 bestellten Zetsche im zurückliegenden Jubiläumsjahr 2011 noch ein gutes Stück entfernt. Den profitableren Pkw-Konkurrenten BMW und Audi sowie dem schärfsten Lkw-Wettbewerber Volvo hechelte Daimler zuletzt hinterher. Selbst die aufstrebende koreanische Gruppe Hyundai/Kia - Hersteller von Autos für den Massengeschmack - zeigte den Stuttgartern mit einer operativen Marge von 10,4 Prozent die Rücklichter. Daimler kam 2011 in seiner Kernsparte Mercedes-Benz Pkw auf eine operative Marge von neun Prozent, 0,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Im Wettstreit mit seinen direkten Konkurrenten muss Daimler noch viel Boden gutmachen, um wie geplant bis 2020 den verlorenen Premium-Auto-Thron zurückzuerobern. Fondsmanager messen diesem Ziel allerdings wenig Bedeutung bei und setzen ein Fragezeichen dahinter, ob das gelingen kann: "Aus Investorensicht sind die Ziele für 2020 zu weit weg", sagte Michael Muders, Fondsmanager bei Union Investment. Es sei eine "gewisse Skepsis" angebracht, da die Konkurrenten auch nicht schliefen. "Ich sehe nicht, wie Daimler die Renditelücke künftig schließen will", sagte Muders.

Quelle: n-tv.de

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