Wirtschaft

Vermögensverwaltung zum VerkaufDeutsche Bank macht Kasse

16.12.2011, 13:11 Uhr

Bei dem größten deutschen Geldhaus ist zum Jahresende viel Bewegung. Sein Top-Kreditrating ist die Deutsche Bank los, was die Bank unterm Strich teurer kommt. Dafür bahnt sich an anderer Stelle ein Geldsegen an. Der Verkauf von Teilen der Vermögensverwaltung soll bis zu drei Milliarden Euro reinholen.

Die Deutsche Bank erhofft sich Finanzkreisen zufolge bis zu drei Mrd. Euro vom Verkauf großer Teile ihrer Vermögensverwaltung. Das größte deutsche Geldhaus habe jetzt Informationen an Dutzende potenzielle Bieter verschickt, sagten Insider.

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Die Einnahmen kann die Bank gut gebrauchen. (Foto: picture alliance / dpa)

Bis Februar erwarte die Bank unverbindliche Angebote für die Sparten, die insgesamt 400 Mrd. Euro Vermögen verwalten. "Mehr als 30 Interessenten haben angeklopft", sagte einer er mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Darunter seien große US-Vermögensverwalter wie Blackrock, Depotbanken wie Bank of New York Mellon und US-Institute mit einem starken Vermögensverwaltungsgeschäft. Experten halten den angestrebten Kaufpreis angesichts der geringen Risiken dieser Geschäftsbereiche für realistisch.

Die Deutsche Bank hatte Ende November einen Großteil der kriselnden Vermögensverwaltungstochter auf den Prüfstand gestellt. Dabei geht es um Bereiche, in denen das Institut nicht zu den größten Anbietern zählt und die nur bescheidene Gewinne abwerfen. Dazu gehören die Immobilien- und Infrastrukturfondssparte RREEF, die Vermögensverwaltung für Versicherungen (Deutsche Insurance Asset Management) und andere institutionelle Kunden (DB Advisors).

Verkauferlöse bis zu drei Milliarden

Auch das US-Geschäft der Publikumsfondsgesellschaft DWS, das nie so richtig in Schwung gekommen ist, könnte den Besitzer wechseln. Ausgeklammert werden dagegen die gut laufenden Geschäfte der DWS in Europa und Asien. Der gesamte Bereich verdiente in den ersten neun Monaten gut 300 Mio. Euro - der Löwenanteil kommt von der DWS hierzulande.

"Von Seiten der Deutschen Bank erwartet man für alle zum Verkauf stehenden Bereiche zwei bis drei Mrd. Euro", berichteten Insider weiter. Das Institut habe eine Präferenz für einen Verkauf aller Teile als Ganzes, sei aber nicht festgelegt. Ein Sprecher wollte das nicht kommentieren. "Die Bank wird am Ende die Lösung wählen, die ihr am meisten Geld bringt", meint Dirk Becker, Bankenexperte beim Investmenthaus Kepler Equities. Er hält einen Preis von bis zu drei Mrd. Euro für realisierbar. Einige Experten sprechen gar von vier Mrd. Euro - ein Prozent des verwalteten Vermögens. Doch speziell das Geschäft mit Versicherungen wirft nicht so hohe Margen ab. Größere börsennotierte Vermögensverwalter werden derzeit auf einem Bewertungsniveau gehandelt, das sich zwischen ein und zwei Prozent der betreuten Assets bewegt.

Vermögensverwalter als Cash Cow

Die Vermögensverwaltung bindet kaum Eigenkapital, womit das Geschäft gerade in Krisenzeiten wie diesen geschätzt wird. "Diese Bankgeschäfte lassen sich im Moment als einzige verkaufen", sagt ein Investmentbanker. Man braucht indes eine kritische Größe, damit es sich lohnt und einen die Kosten nicht erdrücken. "In der Vermögensverwaltung zählt: Je größer, desto besser", sagt Becker. Daher kämen als Käufer vor allem die großen Namen in Frage. Der Verkauf ganzer Banken, wie etwa der Frankfurter BHF-Bank, ist dagegen wegen der damit verbundenen Risiken auf der Kapital- und Finanzierungsseite deutlich schwieriger. Die Veräußerung der Deutsche-Bank-Tochter zieht sich seit mehr als einem Jahr hin.

In Finanzkreisen wird ein Verkauf der Vermögensverwaltungsbereiche im ersten Halbjahr für möglich gehalten. Die Einnahmen kann die Bank gut gebrauchen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA hat einen Kapitalbedarf von 3,2 Mrd. Euro identifiziert, den die Bank bis Ende Juni 2012 aufbringen muss. Das wird ihr Finanzkreisen zufolge zwar auch ohne diesen Verkauf gelingen, aber in diesen Zeiten ist ein Puffer wichtig, um für die nächste Krise gewappnet zu sein.

Weniger Kapital, weniger Bonität

Die Deutsche Bank und weitere Finanzriesen in Europa und den USA sind gerade von der Ratingagentur Fitch und Standard and Poor's (S&P) heruntergestuft worden. Die Deutsche Bank werde mit Sicherheit als eine der führenden Banken aus dem Umwälzungsprozess der Branche hervorgehen, stellte Fitch zwar fest. Gleichwohl sei das Institut nicht ganz so gut kapitalisiert wie andere Wettbewerber. Fitch senkte seine langfristige Bonitätseinschätzung für den deutschen Branchenprimus von "AA-" auf "A+". Theoretisch macht die Herabstufung es für die betroffenen Banken teurer, sich zu refinanzieren. A+ bedeutet aber immer noch eine "gute" Kreditwürdigkeit.

Derzeit müssen vor allem die europäischen Banken auf Anweisung der Politik ihr Eigenkapital stärken, um gegen eine weitere Eskalation der Krise gewappnet zu sein. Bei einem Stresstest der Bankenaufsicht vergangene Woche fielen mehrere Institute durch, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank - das heißt, bei ihnen wurden Kapitallücken festgestellt, die sie bis zum Juni 2012 schließen sollen. Ökonomen befürchten, dass die Institute daher auch ihr Kreditgeschäft zurückfahren, was wiederum die Unternehmen treffen würde.

Quelle: rts/DJ/dpa