Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Währung made in Germany: Deutschland ist das China der Eurozone

Von Jan Gänger

China drückt den Yuan kräftig nach unten und gilt deshalb als weltweit größter Währungsmanipulator. Auch Deutschland erfreut sich einer künstlich niedrigen Währung – stellt das aber sehr viel subtiler an.

Was haben Deutschland und China gemeinsam? Eine Währung, die viel teurer sein müsste und die ihre Ausfuhren anschiebt.

Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings: China hat den Yuan de facto an den Dollar gekoppelt und interveniert an den Märkten, um eine zu hohe Aufwertung zu verhindern. Dagegen hat der Euro einen freien Wechselkurs, die EZB ist die Notenbank aller Euro-Länder. Deutschland manipuliert die eigene Währung nicht – muss es auch nicht.

Denn die Konstruktion einer Gemeinschaftswährung sorgt dafür, dass der Kurs des Euro für Deutschland zu niedrig ist und für andere Euro-Länder zu hoch. Tendenziell wertet eine Währung auf, wenn ein Land Exportüberschüsse erzielt. Das liegt unter anderem daran, dass die Nachfrage nach dieser Währung steigt, da die meisten Geschäfte in ihr abgewickelt werden.

Davon bleibt Deutschland verschont. Trotz immenser Überschüsse hat die Bundesrepublik eine vergleichsweise billige Währung. Für die Exportindustrie ist das ein riesiger Wettbewerbsvorteil – nicht nur im Handel mit anderen Euro-Ländern, sondern weltweit. Deutsche Waren sind in Euro billiger als sie es mit einer nationalen Währung wären.

Im vergangenen Jahr erzielte Deutschland einen Exportüberschuss in Rekordhöhe, die Ausfuhren übertrafen die Einfuhren um 216,9 Milliarden Euro. 2013 hatte der Überschuss noch bei 195 Milliarden Euro gelegen. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts wies die Leistungsbilanz ein Plus von 285 Milliarden Dollar auf - das ist weltweit der höchste Überschuss. Auf Platz zwei kommt China mit 150 Milliarden Dollar. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein - von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe. Der deutsche Überschuss entspricht etwa 7,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – ohne Euro wäre das wohl nicht möglich.

Niedrige Löhne

Diese Exportstärke hat nicht nur mit der Währung zu tun. Auch Innovation und Qualität sind Gründe – und das Lohnniveau. Deshalb wird Deutschland von einigen Ökonomen vorgeworfen, es erkaufe sich seinen Handelserfolg auch durch vergleichsweise zu niedrige Löhne. Dieser Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit wird bei einer nationalen Währung in der Regel durch Aufwertung ausgeglichen – doch nicht unbedingt bei einer Gemeinschaftswährung. Würde Deutschland die D-Mark wieder einführen, würde deren Kurs wohl steigen. Eine griechische Drachme würde dagegen kräftig abwerten.

Das heißt nicht, dass Deutschland dann keine Produkte mehrt verkaufen würde. Doch im Prinzip werden durch die Währung deutsche Exporte auf Kosten anderer stimuliert, während Importe künstlich verteuert werden. Wie in China.

Quelle: n-tv.de

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