Wirtschaft
Wie groß dreht Deutschland das Wirtschaftsrad?
Wie groß dreht Deutschland das Wirtschaftsrad?(Foto: picture alliance / dpa)

IW, Bundesbank, OECD, IfW ...: Die Wirtschaft wächst, und dann?

Zwei Wirtschaftsforscher, drei Meinungen: Dieses Vorurteil scheint sich wieder einmal zu bestätigen und der deutschen Wirtschaft steht deshalb eine konjunkturelle Achterbahnfahrt ins Haus. Einem "kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung" im dritten Quartal, wie ihn die Bundesbank prognostiziert, könnte zum Jahresende nach OECD-Angaben ein BIP-Rückgang folgen.

Der deutschen Wirtschaft droht eine konjunkturelle Achterbahnfahrt. Nach der Flaute im Frühjahr sagt die Bundesbank für das dritte Quartal einen "kräftigen Anstieg der Wirtschaftsleistung" voraus. Danach dürften aber wieder kleinere Brötchen gebacken werden: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) prophezeit für 2012 eine merkliche Konjunkturabkühlung.

Nach dem Einbruch im Frühjahr werde der private Konsum von Juni bis September wieder "spürbar zulegen", erläuterte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Auch Industrie- und Bauproduktion dürften steigen. Das hohe Tempo lässt sich aber voraussichtlich nicht halten. "Die mittelfristigen Aussichten haben sich in letzter Zeit bei erhöhter Unsicherheit stärker eingetrübt als zuvor erwartet", warnen die Bundesbanker mit Blick auf die heftigen Kurseinbrüche an den Aktienmärkten.

IW: Keine Rezession

IW-Direktor Michael Hüther
IW-Direktor Michael Hüther(Foto: picture alliance / dpa)

Im zu Ende gehenden Sommerquartal halten die meisten Experten ein Wachstum von einem halben Prozent und mehr für möglich, nachdem es im Frühjahr wegen sinkender Konsumausgaben nur zu einem Plus von 0,1 Prozent gereicht hatte. Nach Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD könnte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende dann erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen. Vor allem in der Industrie zeichnet sich für die kommenden Monate wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung eine langsamere Gangart ab: Ihre Auslandsaufträge knickten im Juli mit 7,4 Prozent so stark ein wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Das IW befürchtet aber keinen Einbruch der Wirtschaft. "In eine Rezession dürften weder Deutschland noch die globale Konjunktur abgleiten", hieß es in der Herbstprognose des Kölner Instituts. Zwar lasse sich eine Rezession für Deutschland nicht ganz ausschließen. "Noch aber stehen die Zeichen nicht auf Sturm", sagte IW-Experte Michael Grömling. Für dieses Jahr erwartet das Institut ein Wachstum von drei Prozent. 2012 sollen es nur noch 1,25 Prozent sein. Das IW setzt darauf, dass Schwellenländer wie China weiter die globale Wirtschaft ankurbeln und "kräftig in Deutschland und der Welt einkaufen". Allerdings werde die deutsche Exportwirtschaft die globale wirtschaftliche Abkühlung zu spüren bekommen.

Mehr Pessimismus in Kiel und Halle

Andere Institute sind deutlich pessimistischer. Das Kieler IfW und das IWH Halle erwarten im kommenden Jahr nur noch ein Plus von 0,8 Prozent, weil vor allem die Schuldenkrise in Europa und die schlappe US-Konjunktur die Nachfrage nach deutschen Waren dämpfen dürften. "Die Rezessionsgefahr ist gestiegen, weil es unseren Handelspartnern nicht so gut geht", sagte IfW-Chef Dennis Snower.

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Quelle: n-tv.de

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