Banken-Stresstest reloadedDiesmal liegt die Latte höher
Die Europäische Bankenaufsicht hat den Finanzinstituten die Kriterien und Szenarien für den zweiten Banken-Stresstest zugeschickt. Die Szenarien ähneln denen aus dem alten Test. Auch die Bankengruppe ist mit 88 europäischen Instituten weitgehend unverändert. Diesmal wollen die Aufseher aber bei ihrer Beurteilung härter sein.
Der neue Stresstest für die Banken ähnelt den Belastungsproben der vergangenen Jahre. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) unterstellt dabei eine Serie von Schocks in Europa in diesem und nächstem Jahr, wie aus Reuters vorliegenden Unterlagen der Aufseher hervorgeht.
Primär werden die Folgen einer Verschärfung der EU-Schuldenkrise auf die Gewinne und die Kapitalausstattung der Institute untersucht. Dabei geht die EBA von einem durchschnittlichen Anstieg der Renditen der Staatsanleihen in der Euro-Zone um 75 Basispunkte und von 66 Basispunkten in der EU aus. Auf deutsche Bundesanleihen wird kein Abschlag vorgenommen.
Simuliertes Krisenszenario
Wie das "Handelsblatt" ferner unter Berufung auf Informationsmaterial der Aufseher berichtet, setzen die Aufseher unterschiedlich hohe Bewertungsabschläge ein, um die Bonität der einzelnen Staaten abzubilden. Die Aktienkurse in Europa werden demnach im schlechten "Adverse Scenario" um 15 Prozent fallen. Auch werden angeblich wieder wachsende Spannungen am Geldmarkt angenommen, die zu einem Anstieg der Zinsen für kurzfristige Ausleihungen der Banken untereinander von 125 Basispunkten führen.
Dem Zeitungsbericht zufolge wird zudem das Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone 2011 um 0,5 Prozent und 2012 um 0,2 Prozent sowie einen Einbruch am Immobilienmarkt simuliert. Die EBA nennt diese Stresstest-Szenarien, die jetzt an die Banken geschickt wurden, vorläufig. Sie sollen am Freitag mit den teilnehmenden Instituten in einer Telefonkonferenz besprochen werden. Am 18. März wird die Aufsicht dann die endgültigen Kriterien veröffentlichen und die Liste der teilnehmenden Banken vorstellen, die Ergebnisse sollen dann im Juni vorliegen.
Laut EBA-Unterlagen nehmen 88 Geldhäuser aus Europa an der Untersuchung teil. Vor einem Jahr waren es 91, aber einige sind mittlerweile fusioniert. Nach Informationen aus deutschen Aufsichtskreisen nehmen dieselben 14 Institute aus Deutschland teil wie im vergangenen Jahr. Damals waren insgesamt sieben Banken durchgefallen, aus Deutschland nur die verstaatlichte Hypo Real Estate. Die Tests waren als zu lax kritisiert worden. So musste etwa die irische Regierung wenige Monate später ihre Banken retten, obwohl sie alle den Test bestanden hatten. Die EBA will mit den Belastungsproben die Widerstandsfähigkeit der Finanzbranche prüfen und mögliche Schwachstellen herausfinden.
Warten auf das dicke Ende
Wann eine Bank den neuen Test besteht, wird noch ausgehandelt. Das dürfte wohl noch einige Wochen dauern. Die Aufseher haben angekündigt, dass die Belastungsproben dieses Mal härter ausfallen sollen. Das lässt auf eine höhere Bestehenshürde in diesem Jahr schließen. Denn die Stress-Szenarien sind nun offenkundig ähnlich, wie auch die Europäische Zentralbank in den Unterlagen bestätigt. Am Markt lösten die neuen Informationen deshalb kaum Reaktionen aus. Die Aktien der Deutsche Bank und Commerzbank legten wie der Gesamtmarkt leicht zu.
Neben der Verschärfung der Schuldenkrise unterstellt die EBA einen durchschnittlichen Rückgang der Aktienkurse in der Euro-Zone um 15 Prozent. Zudem untersucht die Aufsicht die Folgen eines Schocks am Immobilienmarkt in Europa. Viertens wird ein Anstieg der kurzfristigen Zinsen am Interbankenmarkt um 125 Basispunkte durchgespielt. So prüft die EBA die Auswirkungen auf die Refinanzierungskosten. Schließlich werden noch - wie im Vorjahr - ein externer Schock und eine Abwertung des US-Dollar unterstellt.