Wirtschaft
Airbus A330: Strebt die Mutter EADS zu neuen Ufern?
Airbus A330: Strebt die Mutter EADS zu neuen Ufern?(Foto: picture alliance / dpa)

Auf zu neuen Ufern: EADS denkt an Fusionen

Fast 50 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet EADS bereits. Doch es soll noch mehr werden, vor allem in den USA. Dazu könnte der europäische Konzern finanzielle Mittel in zweistelliger Milliardenhöhe einsetzen - und Allianzen oder gar Zusammenschlüsse in Nordamerika anstreben.

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Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hält sich für sein ehrgeiziges Wachstumsziel auch drastische Optionen offen. Die Airbus-Muttergesellschaft erwägt Übernahmen, breit angelegte Allianzen oder Fusionen, um seinen US-Umsatz langfristig zu verfünffachen, wie Insider im Umfeld des Konzerns sagen. EADS hat für seine Expansionspläne rund 15 Mrd. Dollar zur Verfügung. Der Konzern legt seine Zahlen für 2011 vor. Analysten gehen im Durchschnitt von einem Nettogewinn von 687 Mio. Euro und einem Umsatz von 48,1 Mrd. Euro aus.

Der starke Euro-Kurs und Schnäppchenangebote an den US-Börsen können nach Einschätzung von Analysten EADS auf Trab bringen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Wechsel an der Unternehmensspitze. Airbus-Chef Tom Enders übernimmt die Leitung des Mutterkonzerns zum 1. Juni. Enders ist nach Einschätzung von Experten aufgeschlossener für Pläne, die von den US-Managern vorgeschlagen werden.

"Wir schauen uns alle Möglichkeiten an"

Trotz der Ankündigung größerer Transaktionen hat EADS bislang noch nicht zugeschlagen. Einige Banker sind deshalb skeptisch, ob das Unternehmen bereit ist, sein Milliardenvermögen anzugreifen. Derzeit stehe kein Geschäft bevor, der Konzern sei aber an einem Wendepunkt angelangt, sagen Analysten und EADS nahestehende Personen. Aus Kreisen verlautet, dass EADS eine Fusion oder Allianz mit einem US-Generalunternehmer erwäge.

Der Konzern sei gerade dabei, vier mittelgroße Akquisitionen zu verdauen, die im vergangenen Jahr gestemmt worden seien, sagte EADS-Nordamerika-Chef Sean O'Keefe erst kürzlich. Das Unternehmen halte weiter Ausschau nach Übernahmen in den Hauptgeschäftsfeldern, vor allem im Dienstleistungs- und Satellitengeschäft.

EADS treibt derzeit sein organisches Umsatzwachstum voran, benötigt jedoch Übernahmen, um den US-Umsatz auf 10 Mrd. Dollar jährlich von derzeit 1,8 Mrd. Dollar zu steigern. "Wir führen laufend Gespräche mit anderen Firmen über Partnerschaften", sagte O'Keefe. Auf die Frage nach transatlantischen Transaktionen sagte er: "Wir schauen uns alle Möglichkeiten an."

Der Konzern arbeitet allerdings unter besonderen Bedingungen: Frankreich übt als Anteilseigner Einfluss aus, Deutschland will voraussichtlich im Sommer als Großaktionär bei EADS einsteigen. Vertreter der Bundesregierung pochen derzeit nachdrücklich darauf, dass EADS die deutschen Standorte nicht gegenüber der französischen Zentrale benachteiligen dürfe.

Merkel stärkt Enders den Rücken

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht weiter hinter dem designierten Konzernchef Enders. "Die Führung des EADS-Konzerns und Herr Enders persönlich genießen das Vertrauen der Bundesregierung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Unternehmerische Entscheidungen bei EADS und dessen Flugzeug-Tochter Airbus seien Sache des zuständigen Managements. Seibert unterstrich die Bedeutung des Gleichgewichts zwischen Deutschland und Frankreich im Konzern. Er hob hervor, dass das Unternehmen einen "wichtigen Beitrag für den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland" leiste.

Deutschland verhandelt derzeit darüber, vom Daimler-Konzern 7,5 Prozent an EADS zu übernehmen. Insgesamt stehen sich im Eigentümerkreis deutsche und französische Aktionäre mit Beteiligungen von jeweils knapp 22,4 Prozent Anteil gegenüber. Zusammen mit der spanischen Staatsholding SEPI beherrschen sie den Konzern.

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Quelle: n-tv.de

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