StaatspleitenEU plant Wettverbot
Spekulationen auf den Bankrott von Staaten sollen nach dem Willen der Europäischen Union bald der Vergangenheit angehören. Die Gemeinschaft steht vor einem Verbot von Geschäften mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS). EU-Länder und Europaparlament müssen der erzielten Einigung noch offiziell zustimmen.
Die Europäische Union will Finanzwetten auf Staatspleiten
stoppen. Sogenannte ungedeckte Kreditausfallversicherungen (CDS) für Staatsanleihen sollen
künftig faktisch verboten werden, wie EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier mitteilte.
Nach einer Einigung in den Verhandlungen zwischen EU-Ländern und dem Europaparlament
sind solche Finanzprodukte künftig nur noch in Ausnahmen und unter strengen Auflagen
möglich.
Dadurch können Spekulanten nicht länger Kreditausfallversicherungen
für Staatschulden kaufen, ohne auch tatsächlich die entsprechenden Titel der betroffenen
Länder zu besitzen. Ansonsten bekäme der Besitzer eines solchen Papiers im Falle
der Pleite eines Staates - selbst wenn er keine Anleihen des Pleitelandes besitzt
- eine Entschädigung. Durch die neue Regelung soll Finanzgeschäften ein Riegel vorgeschoben
werden, die in Krisensituationen Unsicherheiten den Börsen und die Lage von Staaten
verschlimmern können.
"Das ist ein hochspekulatives Produkt", begründete
der CSU-Finanzexperte im Europaparlament, Markus Ferber, das Verbot der ungedeckten
Kreditausfall-Versicherungen für Staatsanleihen. "Im Prinzip ist das das Gleiche,
als wenn man eine Brandschutz-Versicherung für das Nachbarhaus abschließt in der
Hoffnung, dass das Haus möglichst schnell abbrennt." Ferber äußerte sich zuversichtlich,
dass die EU-Länder keinen Gebrauch von der Möglichkeit machen, unter bestimmten
Auflagen diese Produkte wieder zuzulassen.
EU-Länder und Europaparlament
müssen der erzielten Einigung noch offiziell zustimmen. Bisher gibt es unterschiedliche
oder gar keine Regelungen für den Handel mit diesen hochspekulativen Finanzprodukten.