Wirtschaft

"Wir sind erwachsen": EZB dämpft Euro-Sorgen

EZB-Ratsmitglied Mersch sieht im jüngsten Anstieg des Euro keine Gefahr für die Wirtschaft des Währungsraums. Auch die erwartete weitere geldpolitische Lockerung der US-Notenbank setze die EZB nicht unter Druck.

Keine Angst vorm Dollar.
Keine Angst vorm Dollar.(Foto: REUTERS)

EZB-Ratsmitglied Yves Mersch hat Sorgen gedämpft, der jüngste Anstieg des Euro zum Dollar sei eine übermäßige Gefahr für die Wirtschaft des Euroraums. "Man darf nicht exzessiv auf bilaterale Wechselkurse schauen. Entscheidend ist der effektive Wechselkurs. Da lagen wir im dritten Quartal nicht über dem zweiten Quartal", sagte der luxemburgische Zentralbankchef der "Financial Times Deutschland" am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

Auch die Kombination aus Euro-Anstieg und gestiegenen Interbankenzinsen sieht er nicht als großes Problem. "Das darf man nicht überbewerten. Wir haben immer noch eine sehr akkomodierende Geldpolitik und wir stellen immer noch unbegrenzt Liquidität zur Verfügung", sagte das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB): "Das gilt erst recht, wenn man sieht, dass die Kreditvergabe quasi den Wendepunkt erreicht hat."

Optimistisch zeigte er sich auch zum Wachstum im Euroraum. Das Wachstum kühle sich im zweiten Halbjahr zwar ab, das entspreche aber dem, was die EZB stets erwartet habe. "Für das dritte Quartal haben wir in der Eurozone sogar schon einige Daten gesehen, die eher auf eine positive Überraschung hindeuten", sagte Mersch. Sie gingen "in Richtung 0,4 Prozent bis 0,6 Prozent Wachstum".

Keine Geisel der US-Geldpolitik

Mersch widersprach dem Eindruck, dass die EZB ihren Ausstieg nicht fortsetzen könne, wenn die US-Notenbank Fed ihre Politik noch mal lockert. "Wir fühlen uns keineswegs blockiert durch den Kurs anderer oder als deren 'Geisel'. Wir gehen den von uns als notwendig angesehenen Weg", sagte Mersch. "Wir sind groß und erwachsen und gehen den von uns als notwendig angesehenen Weg."

Mit Blick auf den Euro-Rettungsfonds sympathisiert Mersch mit Ideen, dass dieser künftig - wie derzeit die EZB - Euro-Staatsanleihen kaufen können soll. "Es ist eine durchaus berechtigte Frage, ob man dem Fonds nicht das Mandat geben sollte, Staatsanleihen aufzukaufen." In jedem Fall aber ist Mersch dafür, "dauerhaft an dem Fonds festzuhalten" anstatt ihn 2013 auslaufen zu lassen. "In einer Währungsunion, in der es keine einheitliche Regierung gibt, braucht man auf jeden Fall auch ein Instrument für den Krisenfall." Das könne "ein wenig wie beim IWF" auf globaler Ebene funktionieren, sagte er. Im Idealfall werde das Geld nicht gebraucht, im Notfall stehe es als Rückversicherung bereit.

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Quelle: n-tv.de

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