Wirtschaft
Die Notenbank beobachte die Entwicklung der Preise weiter "sehr genau", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
Die Notenbank beobachte die Entwicklung der Preise weiter "sehr genau", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet(Foto: REUTERS)

Trichet schaut auf die Märkte: EZB hilft Geschäftsbanken

Der Leitzins bleibt, wo er ist - vorerst. Grund sind erste Anzeichen einer Verlangsamung der Konjunktur. Zudem greift die EZB auf geldpolitische Mittel zurück: Sie will den Geschäftsbanken etwa zusätzliche Geld leihen und könnte am Markt für Staatsanleihen zugunsten der unter Druck stehenden Länder Spanien und Italien intervenieren.

Eine dritte Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) noch in diesem Jahr ist trotz der neuen Eskalation der Schuldenkrise und anhaltender Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht vom Tisch. Zugleich deutet sich an, dass die EZB aus Sorge um Spanien und Italien wieder am Anleihemarkt eingreift. Auch verbessert sie die Versorgung des Bankensystems wieder.

Die Notenbank beobachte die Entwicklung der Preise weiter "sehr genau", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach einer turnusmäßigen Sitzung des EZB-Rats. Mit dieser Formulierung signalisiert die Notenbank normalerweise, dass sie auf Sicht von zwei bis drei Monaten die Zinsen erhöhen könnte - allerdings ohne sich konkret festzulegen.

Verlangsamung der Konjunktur?

Trichet machte alle künftigen Entscheidungen von der Entwicklung an den Märkten und den ökonomischen Rahmenbedingungen abhängig: die jüngsten Daten zeigten allerdings eine gewisse Verlangsamung der Konjunktur.

Zuletzt hatte es am Finanzmarkt Spekulationen gegeben, die Währungshüter könnten ihren im April eingeschlagenen und im Juli fortgesetzten Kurs der Zinserhöhung unter- oder gar abbrechen.

Leitzins bei 1,5 Prozent

Bei seiner Augustsitzung, die wegen der Finanzprobleme Spaniens und Italiens viel Aufmerksamkeit genoss, beließ der EZB-Rat den Leitzins für die 17 Euro-Länder bei 1,5 Prozent. Die Notenbanker halten zudem ihre Rundumversorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität bis mindestens Mitte Januar 2012 aufrecht. Dies erleichtert den unter der Krise leidenden Banken das Leben.

Auch gibt die EZB den Geldhäusern bessere Planungssicherheit und beugt einer großen Vertrauenskrise am Geldmarkt vor. Sie packt dafür ein eigentlich längst weggelegtes Instrument wieder aus: Am 10. August wird die Zentralbank den Geschäftsbanken zusätzlich für sechs Monate Geld leihen - zu einem an die Leitzinsentwicklung gekoppelten Zinssatz. Trichet sagte, dies sei "angemessen" angesichts der neuen Spannungen in einigen Märkten.

Neues Engagement an Bondmärkten

Trichet deutete an, dass die EZB auf Forderungen eingehen könnte, am Markt für Staatsanleihen zugunsten der unter Druck stehenden Länder Spanien und Italien zu intervenieren. Er wäre nicht überrascht, wenn am Bondmarkt entsprechendes zu erkennen wäre, sagte er. in geldpolitischen Kreisen der EU hieß es unterdessen, die EZB kaufe portugiesische und irische Papiere an, habe aber keine Pläne für den Kauf von Staatsanleihen aus anderen Ländern.

Trichet sagte, er habe nie behauptet, dass das Programm stillgelegt sei; es laufe weiter. "Man wird kommenden Montag sehen, was die EZB getan hat", sagte der Notenbankchef. Die EZB veröffentlicht jeden Montag Details zu ihrem Engagement an den Bondmärkten. Bislang hat sie für 74 Mrd. Euro Anleihen von Irland, Portugal und Griechenland gekauft. Seit März war sie jedoch nicht mehr aktiv. Trichet sagte, der EZB-Rat diskutiere bei jedem Treffen über das - vor allem in Deutschland - heftig umstrittene Programm.

Analysten uneins

Auf Analystenseite stoßen die Schritte auf ein geteiltes Echo: Es sei gut, dass sich die EZB entschieden habe, an den Sekundärmärkten wieder Anleihen zu kaufen. "Allerdings hätten die Notenbanker es besser verkaufen sollen, die EZB hat eine große Chance verschenkt, hier ein klares Signal zu senden", sagt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Für Uwe Angenendt von der BHF Bank werden "die Probleme mit Liquidität zugedeckt". "Das ist eine entscheidende Richtungsänderung. Die EZB ist damit auf dem Weg, den auch die Fed und die Bank of England verfolgen."

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Quelle: n-tv.de

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