Wirtschaft

Anleiheverkäufe fordern TributEZB stockt Grundkapital auf

16.12.2010, 17:06 Uhr

Wegen der europäische Schuldenkrise ist die Europäische Zentralbank (EZB) seit Monaten als Feuerwehr im Einsatz. Nun benötigt die Notenbank mehr Grundkapital. Dieses soll nun auf fast elf Milliarden Euro nahezu verdoppelt werden. Damit sind die nationalen Notenbanken gefordert. So muss die Deutsche Bundesbank rund eine Milliarde zusteuern.

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Bei der EZB ist eine Kapitalerhöhung notwendig geworden. (Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihr Grundkapital nahezu verdoppeln. Begründet wurde der Schritt mit den gestiegenen Schwankungen an den Finanzmärkten und dem erhöhten Kreditausfallrisiko. Das Grundkapital werde von derzeit 5,8 auf 10,8 Milliarden Euro erhöht, teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Die Deutsche Bundesbank muss demnach rund eine Milliarde Euro zusteuern.

Der Prozess soll in drei Schritten vollzogen werden und am 29. Dezember abgeschlossen sein. Hintergrund der Entscheidung sind nach EZB-Angaben die Entwicklungen bei Kreditrisiken, Zinsen, Wechselkursen und dem Goldpreis.

Die EZB will sich mit ihrem Schritt gegen mögliche Verluste durch die andauernden Anleihekäufe wappnen. Bisher hat die Zentralbank Staatsanleihen im Volumen von 72 Milliarden Euro gekauft. Händlern zufolge handelt es sich um irische, portugiesische und spanische Papiere. Durch diverse Hilfsmaßnahmen in der Krise ist die EZB-Billanz auf fast 140 Milliarden Euro angeschwollen ist.

Schäuble bekommt sein Geld

Die EZB-Kapitalerhöhung wird den Gewinn der Bundesbank nach Angaben aus Frankfurter Finanzkreisen nicht verringern. Die Zahlung werde in der Bilanz der deutschen Notenbank ertragsneutral umgesetzt. Damit muss den Angaben zufolge Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht mit einer geringeren Ertragsausschüttung rechnen. Der Steuerzahler werde somit nicht belastet.

Die EZB hatte in der Finanzkrise ihre Leitzinsen massiv

gesenkt und die Märkte mit billigem Geld geflutet. Dadurch erleichterte sie die

Kreditaufnahme von Banken oder auch Unternehmen und Staaten. Über diesen Mechanismus

kann die Notenbank selbst für eine höhere Geldmenge sorgen, umgangssprachlich "druckt"

sie dann Geld.

Die nationalen Notenbanken der Eurozone stellen das Grundkapital

der EZB zu 70 Prozent. Die restliche Summe verteilt sich auf EU- Länder, die nicht

dem Währungsraum angehören. Diese müssen das Kapital aber größtenteils erst bei

einem Eintritt in die Eurozone auch tatsächlich überweisen.

Die Höhe der Einlagen der nationalen Notenbanken ist

abhängig vom Anteil der jeweiligen Länder an der Gesamtbevölkerung und am Bruttoinlandsprodukt

der EU. Die Deutsche Bundesbank stellt knapp 19 Prozent des Grundkapitals, die Notenbanken

aus Frankreich 14,4 und aus Italien 12,5 Prozent.

Quelle: wne/rts/dpa