Wirtschaft

Ein bisschen Bondkauf muss reichenEZB wagt den Mittelweg

28.12.2010, 15:35 Uhr

Trotz der Angst vor einer Verschärfung der Schuldenkrise im kommenden Jahr werden Europas Währungshüter wohl nichts an ihrem Kurs beim Ankauf von Staatsanleihen ändern.

Trichet-BIS
Kein Grund für EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, den Finger in den Wind zu halten. (Foto: REUTERS)

In Zeiten der Schuldenkrise

wählt die EZB beim ungeliebten Ankauf von Staatsanleihen den Mittelweg: Hatte sie

zu Beginn des Programms im Mai wochenweise zweistellige Milliardenbeträge zum Erwerb

der Bonds in die Hand genommen, greift sie mittlerweile weniger beherzt zu. So war

das Ankaufvolumen vor Weihnachten mit 1,12 Milliarden Euro trotz einer Verdoppelung

gegenüber der Vorwoche moderat. Die Hüter des Euro, die auch in der Hochphase der

Irland-Krise dem Ruf der Politik nach einer massiven Ausweitung standhielten, bleiben

somit auf Kompromisskurs. 2011 könnte die Schuldenkrise die Geldpolitiker in Frankfurt

jedoch zu einer schnelleren Gangart herausfordern.

"Das Risiko steigt,

dass sich Portugal unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. Im Vorfeld dürfte

es an den Märkten Anspannungen geben, die es dann zu bekämpfen gilt", warnt

der Commerzbank-Experte Michael Schubert. Dass die Währungshüter um EZB-Chef Jean-Claude

Trichet bei einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise über ihren Schatten

springen und die Bondkäufe massiv hochfahren, ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Denn ihr Mantra lautet: Es ist nicht unsere Aufgabe, Regierungen zu finanzieren.

Bundesbankchef Axel Weber geißelt den Erwerb der Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt

gar als Sündenfall. Dass die Notenbank bei den Staatstiteln nicht mehr so kraftvoll

zugreift wie zu Beginn, dürfte nicht zuletzt auf seinen Widerstand zurückzuführen

sein. Im Oktober waren die Ankäufe über Wochen komplett eingestellt worden.

EZB-Chefvolkswirt Jürgen

Stark bekräftigte jüngst im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung", dass es

durchaus eine rote Linie gibt: "Wir werden auf keinen Fall die Dimensionen

anderer Zentralbanken erreichen." Gemeint sind insbesondere die amerikanische

Fed und die Bank of England. Diese gingen in der Krise bei den Bondkäufen in die

Vollen, um die Wirtschaft in ihren Ländern zu stützen. Die US-Zentralbank um Gouverneur

Ben Bernanke fuhr schweres Geschütz auf und ließ die Notenpresse kräftig rotieren.

Bereits in der akuten Phase der Krise nahm sie 1,75 Billionen Dollar zur Stimulierung

der Konjunktur in die Hand. Im Herbst legte sie nach: Bis Mitte 2011 sollen über

Staatsanleihekäufe weitere 600 Milliarden Dollar in die lahmende Wirtschaft gepumpt

werden. Auch die Bank von England ließ sich nicht lumpen - mit Bondkäufen im Volumen

von immerhin 200 Milliarden Pfund. Von diesen Summen ist die Europäische Zentralbank

mit einem Ankaufvolumen von nunmehr 73,5 Milliarden Euro meilenweit entfernt.

Finger weg von der Gelddruckmaschine

Auch die Schuldenkrise soll

daran nichts ändern. Die EZB hat von Anfang an klar gemacht, dass sie die Gelddruckmaschinen

nicht anwerfen wird. Fein säuberlich neutralisierte sie Woche für Woche jeweils

die von ihr über die Bondkäufe in den Markt gegebene zusätzliche Liquidität. Allerdings

gelang es ihr am Dienstag nicht, die volle Summe abzuschöpfen: Statt der angepeilten

73,5 Milliarden konnte sie nur 60,7 Milliarden Euro absaugen. "Die Neutralisierung

ist zwar nur ein symbolischer Akt, aber dennoch wichtig", meint Commerzbank-Experte

Schubert. Denn die EZB will keinesfalls in den Ruf geraten, sie heize die Inflation

an. Zugleich hat sie von Anfang an klargestellt, dass es ihr um eine Stützung der

Märkte geht und nicht um Hilfen für schuldenbeladene Euro-Wackelkandidaten wie etwa

Portugal oder Irland. Appelle von EU-Währungskommissar Olli Rehn, die Käufe im Zuge

der Irland-Krise massiv auszuweiten, trafen bei Trichet und Co. denn auch Anfang

Dezember auf taube Ohren. Spekulationen, die EZB würde bald Anleihen von ein bis

zwei Billionen Euro kaufen, erwiesen sich als Luftnummer. EZB-Chefvolkswirt Stark

rät daher dazu, weiter auf den Kompass der EZB zu vertrauen: "Hören Sie nicht

auf Gerüchte, sondern auf unsere Kommunikation."

Quelle: rts