Wirtschaft
EZB-Maßnahmen spielen dem Dollar und Euro-Pessimisten in die Hände.
EZB-Maßnahmen spielen dem Dollar und Euro-Pessimisten in die Hände.(Foto: REUTERS)

Abwertungswettlauf hat begonnen: Euro-Pessimisten sind am Zug

Bisher ist vor allem die Fed für ihre lockere Geldpolitik bekannt. Nun zieht die EZB nach - und offenbar gleich an der US-Notenbank vorbei: eine Billion will die EZB den Banken zur Verfügung stellen. Damit drückt sie aber auch den Kurs des Euro. Die US-Investmentbank Morgan Stanley ruft bereits das "Jahr des Dollar" aus. Ist die Zeit der Euro-Bären gekommen?

Euro-Bären haben es nicht leicht. Schon häufiger wurde die Gemeinschaftswährung von den Märkten abgeschrieben - nur um immer wieder eine Renaissance zu erleben. Jetzt proben die Euro-Pessimisten einen neuen Anlauf. Und dieses Mal könnten sie erfolgreich sein. Denn der Abwertungswettlauf der Zentralbanken hat begonnen.

Noch nie haben so viele Anleger auf ein fallendes Euro/Dollar-Paar für die Zukunft gesetzt. Laut der Commerzbank ist die Zahl der ausstehenden Put-Optionen auf einen Rekordwert von über 170.000 gestiegen. Zum Vergleich: Im Mai 2010, also als die Schuldenkrise in Griechenland einen ersten Höhepunkt erreichte, lag der Wert nur bei knapp rund 107.000. Damals setzten sich die Bären nicht durch. Jetzt stehen die Chancen besser.

"Wettrennen nach unten"

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Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich entschieden, für den Erhalt der Eurozone die Notenpresse anzuwerfen. Was bei der US-Notenbank das "Quantitative Easing" ist, macht die EZB mit Dreijahrestendern zu billigsten Konditionen.

Und dieses "Wettrennen nach unten", so Kit Juckes von der Societe Generale, geht in die nächste Runde. Am Markt wirft der zweite Dreijahrestender der EZB bereits seinen Schatten voraus. Mit ihm droht Ende Februar eine neue Liquiditätsschwemme. Laut Schätzungen könnten sich die Banken bei der EZB bis zu einer 1 Billion Euro besorgen. Denn das billige Geld hilft nicht nur den Banken, ihre Refinanzierungsherausforderungen im laufenden Jahr zu meistern. Ein Teil dieser Liquidität fließt auch in Staatsanleihen der Peripherie der Eurozone.

Bondsmärkte im Test

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Die Folge: die Auktionen laufen seit Jahresbeginn sehr viel besser als erwartet, die Renditen für Staatsanleihen befinden sich zum Teil im freien Fall. Spanische Benchmarkanleihen, die vor wenigen Wochen noch bei deutlich über 6,5 Prozent notierten, rentieren jetzt nur noch bei rund 4,9 Prozent. Ein ähnliches Bild bei Italien; hier sind die Zinsen von über 7 Prozent auf unter 6 Prozent gefallen. Laut der Credit Suisse werden gerade die Karten neu gemischt. "Die EZB könnte möglicherweise Geld im ganz großen Stil drucken."

Dies könnte die Gemeinschaftswährung bis auf Niveaus drücken, die notwendig seien, um die Rezession in der Eurozone zu stoppen. Die Analysten glauben, dass dies bei 1,10 Dollar der Fall ist.

Schwemme billigen Geldes

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Aber diese Stabilisierung hat ihren Preis: Die im Dezember von den Banken abgefragten fast 500 Mrd. Euro - mehr als 5 Prozent des BIP der Eurozone - haben die EZB-Bilanz explodieren lassen. Die EZB hat diese in den vergangenen sechs Monaten um 9 Prozent des BIP der Eurozone ausgeweitet. Zum Vergleich: Die Fed-Bilanz ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 um insgesamt 13 Prozent des US-BIP gewachsen. Die Schwemme des billigen Geldes ist der Hauptgrund, weshalb der Euro seit Jahresbeginn kaum gegen den Dollar zulegen konnte.

Auf den ersten Blick überraschend, denn eigentlich hätte die Gemeinschaftswährung - für die Finanzmärkte immerhin eine Risikowährung - viel stärker von der Entspannung in der Eurozone und dem neuen Optimismus der Anleger profitieren sollen.

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Der Dax stieg in der gleichen Zeit um mehr als zehn Prozent. Doch die Anleger schätzen die Aussichten des Euro mit dem Aufblähen der Zentralbank-Bilanz zunehmend skeptisch ein. Denn damit steigen die langfristigen Inflationserwartungen. Dass die Schuldenexzesse der Vergangenheit irgendwann monetisiert, also mit der Notenpresse gelöst werden, ist ein Vorwurf, den die Investoren bisher gerne an die Adresse der Fed gerichtet haben.

Bernanke und das "Jahr des Dollar"

Mit den Dreijahrestendern dreht sich die Druckmaschine bei der EZB nun aber schneller als bei der US-Notenbank. Dennoch nehmen die Euro-Bären das Zauberwort "Parität" mit einem Wechselkurs von eins zu eins für das Euro/Dollar-Paar nicht in den Mund, auch wenn Morgan Stanley bereits "das Jahr des Dollar" ausruft. Denn sie fürchten, dass die Federal Reserve ihnen einen Strich durch die Rechnung machen wird.

Für Kit Juckes bleibt Bernanke "der König des billigen Geldes". Aber auch der Analyst ist angesichts der sich abzeichnenden Liquiditätsschwemme Ende Februar für die kommenden Monate bearish für den Euro.

Denn Fed-Chairman Ben Bernanke hat bereits klar gemacht, dass die US-Notenbank an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten wird. Die Leitzinsen sollen nun bis mindestens Ende 2014 nahe Null bleiben. Viele Marktbeobachter rechnen zudem mit einer neuen Runde quantitativer Lockerung in den USA. Mitte des Jahres könnte es soweit sein. Dann läuft "Operation Twist" aus. Im Rahmen dieses Programmes reinvestiert die Fed frei werdende Mittel, um eine Schrumpfung der Bilanz zu vermeiden.

Also doch nur ein Nullsummenspiel im Abwertungswettlauf der Notenbanken? Über lange Zeit betrachtet vielleicht ja. Relevant für die Finanzmärkte ist aber vor allem die unmittelbare Dynamik. Und beim Thema Gelddrucken hat die EZB derzeit eindeutig die Nase vorn. Auch unterstützt von einer ungelösten Schuldenkrise in der Eurozone und einem wesentlich stärkeren Wirtschaftswachstum in den USA stehen die Chancen der Euro-Bären also nicht schlecht.

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Quelle: n-tv.de

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