Samstag, 26. Juni 2010
Noch einige Fallstricke: Fed stochert im Nebel
Bei der US-Notenbank ist man sich hinsichtlich der Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten nach wie vor unsicher. Die europäische Schuldenkrise und die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt sind nach Angaben des Chefs der Fed St. Louis, Bullard, die großen Unbekannten.Die US-Notenbank rechnet im Sommer mit mehr Klarheit über die Lage der US-Wirtschaft. Bis dahin wolle die Fed abwarten, um die zögerliche Erholung besser einschätzen zu können, sagte der Präsident der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard.
Sorgen bereiteten nach wie vor die europäische Schuldenkrise und der US-Arbeitsmarkt. Noch stünde die Fed nicht unter Druck, zu handeln. Sollte sich die Situation aber verschärfen und die Krise in Europa ausweiten, würde die Notenbank nicht zögern, weitere Anreize zu geben.
Wegen des langsamen Aufschwungs hielt die Fed in der abgelaufenen Woche zur Stützung der Wirtschaft an ihrer Politik des billigen Geldes fest. Der Leitzins werde noch eine längere Zeit außerordentlich niedrig bleiben, hieß es nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses, in dem Bullard stimmberechtigt ist.
Die Notenbanker blickten auch nicht mehr so optimistisch auf die Konjunkturentwicklung. "Der Arbeitsmarkt fing erst vor drei Monaten an, wieder anzuziehen und dann sind die Zahlen plötzlich wieder schlechter", sagte Bullard. "Deshalb wollen wir den Sommer abwarten und dann beurteilen, ob die Erholung schwächer ist als wir gedacht haben oder ob sie stärker ist."
Keine Änderung des Diskontsatzes
Eine baldige Verteuerung der Notkredite für Banken schloss Bullard aus. Die US-Notenbank hatte im Februar den Satz für Diskontkredite auf 0,75 von 0,5 Prozent angehoben und damit Spekulationen auf eine bevorstehende Leitzinserhöhung ausgelöst. Bullard hatte sich zwar dafür ausgesprochen, den Zins weiter steigen zu lassen. Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Tür dafür aber wieder zugeschlagen, sagte Bullard. "Ich wünschte, wir hätten das früher getan, haben wir aber nicht."
Vertreter der Fed verstehen einen Anstieg des Diskontsatzes nicht als eine Straffung der Geldpolitik. Kreditkosten für Verbraucher und Unternehmen würden dadurch nicht erhöht.
wne/rts
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