"Exzessive Überstunden" in ChinaHandelsriesen am Pranger
Deutsche Handelskonzerne wie Aldi, Adidas oder Metro profitieren nach Angaben von Menschenrechlern von schlechten Arbeitsbedingungen in China. Dabei sollen vor allem "exzessive Überstunden" auf der Tagesordnung stehen. Die Unternehmen wollen davon nichts wissen.
Die Menschenrechtsorganisation
Südwind hat Arbeitsrechtsverletzungen bei chinesischen Zulieferern von Aldi und
Adidas angeprangert. Die Beschäftigten dort müssten teils "exzessive Überstunden"
leisten, kritisierte die Organisation. Die Unternehmen
wiesen die Vorwürfe zurück.
Laut Südwind müssen Beschäftigte
eines Aldi-Bekleidungslieferanten in der südchinesischen Provinz Guangdong bis zu
130 Überstunden im Monat machen, weil ihr Lohn nicht zum Leben reiche. Aldi erklärte
gegenüber Südwind, das Unternehmen arbeite gemeinsam mit seinen Lieferanten an der
Behebung unzureichender Sozial- und Arbeitsstandards.
Auch bei zwei Adidas-Schuhlieferanten
in der südöstlichen Provinz Fujian seien "exzessive Überstunden" von bis
zu 92 Stunden im Monat ein "Hauptproblem", berichtete Südwind. Eine Unternehmenssprecherin
sagte dazu, Adidas habe einen Verhaltenskodex, an den sich alle Zulieferer halten
müssten und dessen Einhaltung unabhängig überprüft werde. In China dürfe eine maximale
Wochenarbeitszeit von 60 Stunden nicht überschritten werden.
Südwind untersuchte auch
zwei Großhandelsmärkte des Handelskonzerns Metro in den Städten Chongqing und Guangzhou.
Dort müsse das externe Personal soziale Einschränkungen hinnehmen, berichtete die
Menschenrechtsorganisation. So gebe es keinen Mutterschaftsurlaub. Ein "durchgängig
zentraler Missstand" sei zudem die Verletzung der Gewerkschaftsfreiheit in
China. Metro erklärte, der Konzern setze die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation
soweit wie möglich auch in seinen Märkten in China um. Die Geschäftsführung greife
nicht in die Arbeit der Gewerkschaft ein.
Foxconn kein Einzelfall
Lange Überstunden, zu denen
Arbeiter wegen niedriger Löhne gezwungen seien, hatten Arbeitsrechtler auch dem
taiwanischen Elektronikkonzern Foxconn vorgeworfen. Er fertigt in China Computer
und Handys etwa für Apple, Dell oder Nokia. Nach einer Serie von Selbstmorden von
Arbeitern in China erhöhte Foxconn den Lohn seiner chinesischen Beschäftigten stark.
Da sie nun nicht mehr so sehr auf Überstunden angewiesen sind, sucht Foxconn im
kommenden Jahr bis zu 400.000 neue Arbeiter, wie ein Unternehmenssprecher sagte.
Damit würde der weltgrößte Elektronikhersteller insgesamt 1,3 Millionen Menschen
beschäftigen.
Mit betrieblichen Lohnerhöhungen
wie bei Foxconn geht die Anhebung der gesetzlichen Mindestlöhne in China einher.
Die große Mehrheit der Provinzen habe den Mindestlohn in diesem Jahr um mehr als
20 Prozent erhöht, berichtete die Zeitung "China Daily". Die Mindestlöhne
waren wegen der Wirtschaftkrise im November 2008 auf Dringen der Führung in Peking
eingefroren worden. Nach einer Reihe von Streiks und angesichts einer Inflation
von zuletzt mehr als drei Prozent wurden sie bislang in insgesamt 27 Provinzen erhöht
- in den fehlenden vier steht dies laut Zeitung kurz bevor.
Der Mindestlohn in China
reicht damit von 710 Yuan (82 Euro) bis zu 1120 Yuan (128 Euro) in der boomenden
Wirtschaftsmetropole Shanghai. Doch selbst diese niedrigen Löhne werden längst nicht
überall gezahlt, wie der Sozialwissenschaftler Zhang Yi dem Blatt sagte.