Wirtschaft
Dienstag, 27. Juli 2010

BP mit Milliardenverlust: Hayward tritt zurück

Das "volle Vertrauen" hat sich aufgebraucht: BP-Chef Tony Hayward räumt den Posten. Nun soll BP-Krisenmanager Bob Dudley den Ölriesen wieder auf Kurs bringen. Die Kosten für die Ölpest im Golf von Mexiko bescheren dem Konzern im zweiten Quartal einen Millliardenverlust.

Tony Hayward tritt ab.
Tony Hayward tritt ab.(Foto: REUTERS)

BP-Chef Tony Hayward tritt im Oktober zurück. Der für seinen Umgang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kritisierte Hayward wird von BP-Manager Bob Dudley abgelöst, wie das Unternehmen mitteilte. Der Amerikaner Dudley hatte bereits Mitte Juni das Ölpest-Krisenmanagement von Hayward übernommen. Seine Aufgabe wird nun sein, den beschädigten Ruf des Konzerns zu reparieren und eine drohende Übernahme zu verhindern. Seit der Explosion der BP-Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April mit elf Toten wurde dem Konzern vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die Ölpest vorzugehen. Hayward scheiterte in seiner Rolle als Chefaufräumer und Problemlöser und wünschte sich irgendwann nur noch "sein altes Leben" zurück.

Der gebürtige New Yorker Dudley wuchs im US-Bundesstaat Mississippi auf, einem der von der schlimmsten Ölkatastrophe in der US-Geschichte besonders betroffenen Bundestaaten. Der 54-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren im Ölgeschäft, zunächst beim US-Konzern Amoco. Amoco schloss sich 1998 mit BP zusammen. In dieser Zeit war Dudley bei zahlreichen Einsätzen im Ausland, unter anderem leitete er das britisch-russische Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP.

Ab nach Russland?

Bereits seit Wochen war über einen Rücktritt Haywards spekuliert worden. Am Wochenende hatten sich Hinweise auf eine bevorstehende Ablösung dann verdichtet. Der Konzern hatte sich vom bisherigen Wortlaut verabschiedet, wonach der Manager "das volle Vertrauen von BP" hat. Auch über die Höhe seiner Abfindung wird bereits seit Tagen spekuliert, Experten rechnen mit einer Summe in der Größenordnung von 14 Mio. Euro.

Als andere Möglichkeit gilt in Branchenkreisen, dass Hayward eine neue Aufgabe im BP-Konzern erhält. Der Sender Sky News berichtete unter Berufung auf Kreise, Hayward sei für einen Aufsichtsratsposten im russischen Joint-Venture TNK-BP im Gespräch. TNK-BP lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

BP sieht rot

Wegen der Kosten für die Ölpest im Golf von Mexiko verbuchte der Londoner Konzern in seiner Bilanz für April bis Juni einen Verlust von 17,1 Mrd. Dollar (13,2 Mrd. Euro). Darin enthalten sind 32,2 Mrd. Dollar für die drohenden Verbindlichkeiten der Ölpest. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern noch 6,1 Mrd. Dollar Gewinn.

BP verzeichnete damit den ersten Quartalsverlust seit 1992. Die aufgeführten Kosten der Ölpest beinhalten die Ausgaben für die Eindämmung seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April bis Ende Juni. BP rechnete auch bezahlte und abschätzbare Verbindlichkeiten sowie die Einzahlung in einen Entschädigungsfonds ein. In diesen Fonds will der Energiekonzern auf Drängen von US- Präsident Barack Obama in den kommenden dreieinhalb Jahren 20 Mrd. Dollar einzahlen.

Auf dem Weg an die Konzernspitze: Bob Dudley
Auf dem Weg an die Konzernspitze: Bob Dudley(Foto: dpa)

Im dritten Quartal könnten weitere Verbindlichkeiten hinzukommen. "Das Ausmaß und die Zeitspanne für mögliche Verpflichtungen in Bezug auf die Ölpest im Golf von Mexiko sind einem sehr hohen Grad an Unsicherheit ausgesetzt", hieß es im Quartalsbericht. Für den Nachmittag (15.00) hat BP eine Präsentation angekündigt. Dann will der zurückgetretene Chef Hayward mit weiteren Vorstandsmitgliedern in einer 90-minütigen Internetkonferenz auch Fragen beantworten.

Zehn Tage, nachdem der Ölkonzern die defekte Quelle in 1.500 Meter Tiefe mit einer provisorischen Kappe abdichtete, ist der Ölteppich im Golf von Mexiko nach Angaben der Einsatzleitung deutlich kleiner geworden. Die US-Regierung erklärte, auch ein personeller Wechsel an der Spitze von BP ändere nichts an der Tatsache, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen im Zuge der Ölpest im Golf von Mexiko nachkommen müsse - nämlich das Leck zu schließen, das Meer und die Strände zu säubern sowie Entschädigungen an all jene zu zahlen, die Schaden erlitten hätten.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen