Wirtschaft
Computergesteuerte Verkaufsorders in Millisekunden.
Computergesteuerte Verkaufsorders in Millisekunden.(Foto: REUTERS)

Kampf gegen die nervöse Börse: Hektik-Händler bekommen Zügel

Die heftigen Turbulenzen an den Aktienmärkten der vergangenen Jahre schweißen die Regulierer in Europa und den USA zusammen. In einem Akt ungewöhnlicher Einigkeit gehen Europäer und US-Amerikaner auf beiden Seiten des Atlantiks gegen den sogenannten Hochfrequenzhandel vor.

Die EU-Kommission will einem Gesetzentwurf zufolge den superschnellen Computer-Handel schärfer kontrollieren. In Abstimmung mit ihren europäischen Kollegen wollen die US-Finanzaufseher gleichzeitig ebenfalls den Hochfrequenzhandel genauer unter die Lupe nehmen. Erstmals verlangten sie von Handelsfirmen Details über deren Strategien bei computergesteuerten Kauf- und Verkaufsprogrammen. In einigen Fällen seien sogar bislang geheim gehaltene Computercodes des algorithmischen Handels angefordert worden, sagte Tom Gira von dem US-Regulierungsbehörde Finra.

Schneller als das menschliche Auge.
Schneller als das menschliche Auge.(Foto: REUTERS)

Beim computergestützten Hochfrequenzhandel werden Aktien in extrem kurzer Zeit gekauft und wieder verkauft. Das Ziel ist es, mit Hilfe von Computerprogrammen auch minimale Margen im Handel zwischen elektronisch vernetzten Börsenplätzen auszunützen. Die Transaktionen bewegen sich dabei im Bereich von Sekundenbruchteilen. Ihrem Volumen ist nach oben hin keine regulatorische Grenze gesetzt. Experten sehen in der Zunahme des automatisch gesteuerten Hochfrequenzhandels erhebliche Risiken von Marktverwerfungen und möglicher Manipulationen.

Seit dem berüchtigten "Flash Crash" an der Wall Street, als im Mai 2010 die Kurse am Aktienmarkt innerhalb weniger Minuten abstürzten und sich kurz darauf wieder ebenso schnell erholten, beobachten Marktteilnehmer immer wieder Kursausschläge, die unter konventionellen Bedingungen kaum nachvollziehbar wären. Als treibende Kraft dahinter gilt der Hochfrequenzhandel.

High Frequency Trading.
High Frequency Trading.(Foto: REUTERS)

Computerprogramme können auf Basis komplexer Algorithmen in Millisekunden Hunderte von Kauf- oder Verkaufsorders abgeben. Dabei können sich selbst minimale Kursveränderungen zu erklecklichen Gewinnen summieren. Schätzungen zufolge geht mittlerweile rund die Hälfte des Umsatzes am US-Aktienmarkt auf das Konto des Hochfrequenzhandels. Die SEC hatte bereits im vergangenen Jahr Ermittlungen eingeleitet. Dabei sollte untersucht werden, ob Händler Preise manipulierten, Kursausschläge begünstigten oder Betrug begingen, in dem sie den Markt mit Aufträgen fluteten, die gleich darauf storniert wurden.

Angesichts der heftigen Bewegungen will nun auch die Europäische Union strenger gegen den rasend schnellen Computerhandel vorgehen. Ein Ansatzpunkt der Europäer sind dabei marktinterne Kräfte: Die EU will den Wettbewerb unter Clearing-Häusern ankurbeln. Der Entwurf sieht nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters "ambitionierte Verbesserungen" bei dem bestehenden vier Jahre alten Gesetz vor. Zudem sollen Banken und Investoren künftig selbst entscheiden, ob sie ihre Transaktionen vollständig über einen Börsenbetreiber abwickeln wollen oder für bestimmte Dienste auch andere Anbieter im EU-Ausland nutzen.

Probleme für die Deutsche Börse

Auf die Geschäfte von Branchengrößen wie der Deutschen Börse könnten sich die neuen Regelungen negativ auswirken, da sie sich verstärkt dem Wettbewerb mit Clearing-Häusern stellen müssten. Es wird damit gerechnet, dass die EU-Kommission in den kommenden Monaten den Entwurf veröffentlicht und die Finanzmarkt-Richtlinie Mifid erweitert.

Der Mensch schaut nur noch zu.
Der Mensch schaut nur noch zu.(Foto: REUTERS)

Der jüngste Kursrutsch an den Aktienmärkten trieb zuletzt auch die Diskussion im Europäischen Parlament über rechtliche Regeln zum Computerhandel an den Börsen voran. So forderte der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen, der Handel müsse "entschleunigt" werden, etwa über Mindesthaltefristen für Wertpapiere. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den superschnellen automatischen Computerhandel reglementieren zu wollen.

Hintergrund der Ermittlungen in den USA sind verdächtige Marktaktivitäten. "Es ist kein Angelausflug oder eine Übung zu Bildungszwecken", sagte ein Aufseher. Es gehe um etwas, was die Behörde beunruhige. Auch die der Finra übergeordnete Börsenaufsicht SEC hat damit begonnen, Informationen zum computerbasierten "Algo-Trading", dem Handel auf Basis von Algorithmen anzufordern. Einige Händler kritisierten den Schritt. Sie befürchten, dass ihre teils über Jahre und unter hohen Kosten entwickelten Strategien in die falschen Hände geraten könnten.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen