Wirtschaft
Der Anstieg liegt hinter ihr: Unter Ächzen und Stöhnen gewinnt die komplizierte Maschine rasch an Fahrt.
Der Anstieg liegt hinter ihr: Unter Ächzen und Stöhnen gewinnt die komplizierte Maschine rasch an Fahrt.(Foto: picture alliance / dpa)

Vermehrt Aufträge aus dem Inland: Industrie sammelt Kraft

Der Dämpfer zum Herbstannfang wirkt nach: Die deutsche Industrie kann sich im Oktober nicht ganz so stark wie erhofft von ihrem Auftragseinbrüchen aus dem September erholen. Analysten sehen die Entwicklung dennoch optimistisch.

Die exportabhängige deutsche Industrie profitiert offenbar zunehmend vom Aufschwung auf dem Heimatmarkt. Die Inlandsaufträge stiegen im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 2,4 Prozent, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Der Zuwachs im Inland fiel dabei genau drei Mal so stark aus wie das Plus bei der Auslandsnachfrage.

Insgesamt sammelten die Unternehmen im November saison- und preisbereinigt 1,6 Prozent mehr Aufträge ein als im Vormonat. Im Vorfeld befragte Experten hatten allerdings einen etwas größeren Zuwachs um 2,0 Prozent erwartet. Im September hatte es mit minus vier Prozent noch den stärksten Einbruch seit knapp zwei Jahren gegeben.

"Gestützt auf eine robuste Nachfrage aus dem Inland startete die Industrie trotz schwächerer Bestellungen aus der Eurozone mit einem soliden Orderzuwachs in das Jahresschlussquartal", bewerteten die Beamten im Berliner Wirtschaftsministerium die Entwicklung. Die Nachfrage aus Deutschland zog so stark an wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Etwas mehr erwartet

"Wir hätten mit einer noch etwas stärkeren Zahl gerechnet", kommentierte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen die offiziellen Daten. "Der Rückgang des Vormonats ist bei weitem nicht ausgeglichen. Doch ist das Glas eher halbvoll als halbleer", betonte Solveen. Der Trend in der Industrie zeige weiter nach oben, der Aufschwung sei allerdings nicht mehr so stark. "Die Industrieproduktion dürfte weiter steigen", schätzte der Coba-Experte, "aber nicht mehr so kräftig wie im ersten Halbjahr."

In den Ländern außerhalb des Euroraums wurden laut Wirtschaftsministerium 2,0 Prozent mehr bestellt. Dagegen kamen aus der Währungsunion - wohin 40 Prozent der deutschen Exporte gehen - 0,9 Prozent weniger Aufträge an. Wegen der Schuldenkrise haben Länder wie Spanien und Irland die Steuern erhöht und Sozialleistungen gekürzt, was auch die Nachfrage nach Produkten "made in Germany" dämpft.

Geht die Fahrt weiter?

Besonders gefragt waren Konsumgüter. Hier legten die Aufträge um insgesamt 2,4 Prozent zu. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien und Verpackungen kletterte um 1,6 Prozent. Die Bestellungen für Fahrzeuge, Maschinen und andere Investitionsgüter stiegen dagegen nur um 1,3 Prozent.

Die Daten aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministeer Rainer Brüderle (FDP) lösten insgesamt ein positives Echo aus. "Die Industrie ist auf die Gewinnerstraße zurückgekehrt", bestätigte zum Beispiel Analyst Rainer Sartorius von der HSBC Trinkaus den ministeriellen Optimismus. Den starken Einbruch vom Vormonat habe die Industrie, so Sartorius weiter, zwar nicht aufholen können, doch "wenn man sich die Unternehmensumfragen anschaut, dann spricht alles für eine Fortsetzung der Erholung."

Zieht sich das Land aus dem Sumpf?

Die Inlandsnachfrage werde tatsächlich "immer stärker", betonte der HSBC-Trinkaus-Analyst. "Der Aufschwung hat sich verfestigt, die Unternehmen investieren wieder mehr und die Verbraucher kommen in Kauflaune. Die Exportaufträge sind immer noch auf hohem Niveau, knicken aber etwas ab. Es findet eine gewisse Verlagerung zur Binnenkonjunktur statt."

Die Einschätzung seiner Kollegen konnte auch BHF-Bank-Analyst Gerd Hassel teilen - wenn auch mit geringen Einschränkungen. "Das Plus ist zwar geringer, als ich erwartet hatte, aber plus 1,6 Prozent sind auch nicht so schlecht", sagte Hassel in einer ersten Reaktion.

Der Einbruch vom September habe die Industrie zumindest zum Teil wieder aufgeholt. Es bestätige sich nun, dass der Rückgang im Vormonat nicht als Ende des Aufschwungs zu werten war. "Es geht weiter aufwärts", fasste Hassel seine Eindrücke zusammen. "Ein günstiges Signal ist, dass die Investitionsgüter im Inland gefragt sind. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen mehr investieren."

Im vierten Quartal dürfte das Wachstum, so Hassel, allerdings schwächer ausfallen als im Sommer. "Wir liegen aber immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von 0,3 Prozent. Auch für nächstes Jahr sind die Aussichten günstig."

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Quelle: n-tv.de

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