Möglicher Ackermann-NachfolgerJain erhält mehr Macht
Bei der Deutschen Bank gibt es eine wichtige Personalentscheidung. Co-Investmentbankchef Cohrs gibt seinen Posten an den Kollegen Jain ab. Der 47-jährige Jain wird als Nachfolger von Bankchef Ackermann gehandelt. Der gebürtige Inder gilt als "Geldmacher".
Im Vorstand der Deutschen Bank kommt es zu einer Machtverschiebung. Co-Investmentbankchef Michael Cohrs gibt seinen Posten im Sommer an den Kollegen Anshu Jain ab. Jain ist damit alleinverantwortlich für das Kerngeschäft des Instituts und stärkt seine Machtbasis in der Bank.
Der 47-Jährige gilt als Favorit für die Nachfolge von Bankchef Josef Ackermann, dessen Vertrag 2013 ausläuft. Mit dem Abgang des 53-jährigen Cohrs, der sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet hatte, schrumpft das Führungsgremium auf sieben von acht Mitgliedern. Cohrs war in Finanzkreisen eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt worden.
Cohrs verantwortet bislang das Fusionsberatungs-Geschäft und das Segment Unternehmensfinanzierung. Auch wenn diese Sparte zuletzt vor allem in den USA kräftig zulegen konnte, blieb Cohrs im Schatten von Jain, der für den boomenden Wertpapierhandel verantwortlich ist. In diesem Bereich erzielt die Deutsche Bank derzeit gut 90 Prozent ihrer Milliardengewinne, während sie in der Finanzkrise hier noch hohe Verluste verkraften musste.
Cohrs bleibt Berater
Cohrs war 15 Jahre lang bei der Deutschen Bank und hat mit dazu beigetragen, das Investmentbanking aus dem Schattendasein zu holen. Wie Jain ist er erst seit vergangenem Jahr im Vorstand, zuvor war er im erweiterten Führungsgremium GEC aber bereits an den Schalthebeln der Macht. Cohrs verlasse die Bank zum Ende September, teilte das Geldinstitut mit. Ab Juli werde Jain seine Aufgaben aber bereits übernehmen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Cohrs bleibe als Berater für die Deutsche Bank tätig.
Wie bei vielen anderen Großbanken, wird nun auch bei der Deutschen Bank nur eine Person das gesamte Investmentbanking verantworten. In Bankkreisen wird betont, dass die Erweiterung von Jains Rolle keine Vorentscheidung für die Nachfolge von Ackermann darstelle. Der Banker müsse in dieser neuen Rolle zunächst beweisen, dass er auch im traditionellen Kundengeschäft eine gute Figur machen könne.
Dem gebürtigen Inder wird das Image eines typischen Investmentbankers nachgesagt, der gut bezahlt ist, das Risiko liebt und sich vor allem an Ergebnissen orientiert. In der Bank ist er schlicht "the rainmaker" - übersetzt etwa "der Geldmacher".
Wann tritt Ackermann ab?
Kritiker befürchten indes, dass unter seiner Führung die alten Gräben zwischen den Londoner Investmentbankern und den traditionellen Firmenkundenbetreuern in Frankfurt wieder aufbrechen könnten. Er spricht kaum Deutsch und gilt als wenig verdrahtet in der deutschen Politik, was angesichts der Regulierungsdebatte von großem Nachteil sein dürfte.
Ein externer Nachfolger wird aber immer unwahrscheinlicher. Denn diesen hätte die Bank sonst als Nachfolger von Cohrs bereits anheuern können, damit er sich für den Chefposten warm laufen kann. "Dies wäre eine Chance gewesen, einen renommierten Banker von außen zu gewinnen", sagte ein Insider. "Doch das ist jetzt wohl vom Tisch."
Ob Ackermann bereits vor seinem Vertragsende abtreten wird, bleibt eine spannende Frage. Der Schweizer signalisierte zuletzt auf einer Konferenz in Wien, dass er bis 2013 bleiben will: "Das ist die spannendste Zeit meiner Karriere, warum sollte ich jetzt gehen?"