Wirtschaft

Starker Yen und auslaufende Staatshilfen: Japan erwartet Wachstumsdelle

Japans Wirtschaftswachstum wird sich nach Einschätzung der Regierung im kommenden Jahr wegen geringerer Konsumausgaben und Exporteinnahmen spürbar abschwächen. Vor allem der Exportzuwachs dürfte sich deutlich abschwächen.

Mit zunehmender Globalisierung und der Verbreitung des Internet wickeln viele große japanische Handelshäuser ihr Export- und Importgeschäft mittlerweile selber ab ohne die klassischen Zwischenhändler.
Mit zunehmender Globalisierung und der Verbreitung des Internet wickeln viele große japanische Handelshäuser ihr Export- und Importgeschäft mittlerweile selber ab ohne die klassischen Zwischenhändler.(Foto: picture alliance / dpa)

Japans Wirtschaftswachstum dürfte sich 2011 wegen geringerer Konsumausgaben und Exporteinnahmen spürbar abschwächen. Nach der Prognose der Regierung wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in dem am 1. April beginnenden Steuerjahr nur noch um real 1,5 Prozent zulegen - nach 3,1 Prozent in diesem Jahr.

Eine wesentliche Ursache für das langsamere Wachstum ist das Auslaufen staatlicher Konsumanreize. Die Regierung rechnet zwar damit, dass die Verbraucherpreise im kommenden Jahr nicht fallen werden. Ein Ende der hartnäckigen Deflation mit stetig fallenden Preisen bedeutet dies jedoch noch nicht gleich.

Konjunkturprogramme wirken kurzzeitig

Dass das Wachstum im laufenden Jahr mit 3,1 Prozent stärker ausfallen dürfte als erwartet - die Regierung hatte zuvor noch mit einem Plus von 2,6 Prozent gerechnet - liegt vor allem an den staatlichen Hilfen zur Ankurbelung der Produktion und des Konsums. Dazu gehörten Kaufanreize für umweltfreundliche Autos. Das Auslaufen dieser Maßnahmen dürfte sich schon im kommenden Steuerjahr auswirken. Jüngste Daten weisen auf eine Verlangsamung der Industrieproduktion hin, vor allem bei den Autobauern. Hinzu kommt, dass Japans stark exportabhängige Wirtschaft weiter unter dem starken Yen leidet.

Der Exportzuwachs dürfte sich der neuen Regierungsprognose zufolge im kommenden Fiskaljahr auf 6,2 Prozent nach 15,8 Prozent in diesem Jahr abschwächen. Allerdings sehen Analysten Anzeichen dafür, dass Japans Exporteure das Schlimmste langsam hinter sich haben. So erhöhten sich Japans Ausfuhren im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,1 Prozent auf 5,4 Bill. Yen (49 Mrd. Euro).

Lage an der "Yen-Front" entspannt sich

Hintergrund ist eine Erholung der Nachfrage nach japanischen Gütern in Asien und Europa. Die Lieferungen in die USA schwächelten indes weiter. Erstmals seit neun Monaten drehte der Exportmotor damit im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat wieder auf, nachdem der Zuwachs der Ausfuhren zuletzt abgeflaut war. Im Oktober legten die japanischen Exporte noch um 7,8 Prozent zu. Insgesamt stiegen die Ausfuhren im November den 12. Monat in Folge. Die Importe erhöhten sich um 14,2 Prozent auf 5,3 Bill. Yen. Damit sank Japans Handelsbilanzüberschuss deutlich um 55,4 Prozent auf 162,8 Mrd. Yen.

Bezüglich der Beschäftigungslage rechnet die Regierung in Tokio für das kommende Jahr mit einer weiteren langsamen Verbesserung. So dürfte die Arbeitslosenquote von gegenwärtig 5,0 Prozent auf 4,7 Prozent sinken. Die Regierungsprognose berücksichtigt nicht kürzlich beschlossene Änderungen der Steuerpolitik, wonach unter anderem die Unternehmenssteuer um fünf Prozent gesenkt werden soll.

Bei Schulden Nummer eins

Trotz ihrer Bemühungen, die maroden Staatsfinanzen zu sanieren und die Ausgabe von neuen Staatsanleihen bei 44 Bill. Yen zu deckeln, dürfte Japans Schuldenaufnahme im kommenden Fiskaljahr mit insgesamt geschätzten 170 Bill. Yen ein neues Rekordhoch erreichen, wie japanische Medien unter Berufung auf Regierungsquellen berichteten. Japan hat mit rund 200 Prozent des BIP die höchste Staatsverschuldung unter den Industriestaaten. Fast der halbe Haushalt wird durch Neuverschuldung finanziert, wobei die ostasiatische Wirtschaftsmacht ihre Schulden allerdings fast vollständig im eigenen Lande aufgenommen hat.

Quelle: n-tv.de

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