Wirtschaft
Ein Demonstrant der Occupy-Wall-Street-Bewegung.
Ein Demonstrant der Occupy-Wall-Street-Bewegung.(Foto: REUTERS)

Krise dämmt Exzesse ein: Kahlschlag bei Banker-Boni

Exzesse bei den Boni für US-Banker wird es in diesem Jahr zumindest nicht in dem Umfang geben, wie man sie in den vergangenen Jahren gesehen hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine auf Gehälter spezialisierte Unternehmensberatung. Schuld sind die Krisen in Europa und den USA. Darben müssen die Banker deshalb aber nicht.

Der Gehaltsscheck bei den Wall-Street-Bankern dürfte für dieses Jahr ein ganzes Stück kleiner ausfallen. Weil die Geschäfte seit Monaten unter der Schuldenkrise in Europa und der lahmenden US-Wirtschaft leiden, müssen sich die Finanzjongleure darauf einstellen, dass sie je nach Position 20 bis 30 Prozent weniger Boni ausgezahlt bekommen als fürs Vorjahr.

Davon geht die auf Gehaltsfragen spezialisierte Unternehmensberatung Johnson Associates aus, die ihre in der Finanzwelt viel beachtete Einkommensstudie vorgestellt hat.

Boni machen an der Wall Street typischerweise den Großteil des Gesamtgehalts aus. Über die Höhe wird Anfang des Folgejahres entschieden, wenn die Finanzfirmen ihre Bilanzen erstellt haben. Dann fließen mit einem Schlag mehrere Milliarden US-Dollar auf die Konten der Banker. Die Zahltage sind legendär an der Wall Street. Den Ferrari- und Porsche-Händlern rund um New York wird nachgesagt, dass sie in dieser Zeit das beste Geschäft des Jahres machen. Auch die Verkäufe von Rolex-Uhren oder Yachten schnellen angeblich hoch.

Mitleid überflüssig

Die Luxusanbieter müssen sich nun darauf gefasst machen, dass der eine oder andere Kunde ausbleibt. Vor allem diejenigen Banker, die mit Anleihen oder Rohstoffen handeln, werden kürzer treten müssen. Die Schuldenkrise hat die Anleger vorsichtig werden lassen - und weniger Aufträge der Kundschaft bedeuten auch weniger Gebühreneinnahmen. Dagegen dürfen sich diejenigen Kollegen auf höhere Boni einstellen, die Übernahmen, Fusionen und Börsengänge betreuen oder die das Vermögen reicher Privatkunden verwalten. Hier lief das Geschäft bis dato eher besser als im Vorjahr.

Ohnehin muss kein Banker am Hungertuch nagen. Selbst bei heftigen Gehaltseinbußen bekommen die Wall-Street-Zocker immer noch ein Vielfaches dessen, was Otto-Normalverbraucher verdient. Im Schnitt hatten die Mitarbeiter von Goldman Sachs für das vergangene Jahr insgesamt 431.000 US-Dollar nach Hause getragen, die Investmentbanker von JPMorgan Chase 370.000 US-Dollar und selbst die Mitarbeiter der zwischenzeitlich Verluste schreibenden Investmentbank Morgan Stanley kamen auf knapp 257.000 US-Dollar. Führungskräfte verdienen Millionen.

Quelle: n-tv.de

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