Wirtschaft

Arbeitnehmer sollen sich bewegenKarstadt-Bieter droht mit Rückzug

17.05.2010, 20:04 Uhr

Der bisher einzige Bieter für die insolvente Warenhauskette Karstadt setzt mit einer Rückzugsdrohung die Beschäftigten unter Druck. Ohne Zugeständnisse etwa bei der Schließung von Abteilungen mit roten Zahlen will der Finanzinvestor Triton die Segel streichen.

2qmf0143-jpg4084181561577618997
Bei Karstadt wird weiter gezittert. (Foto: dpa)

Der bisher einzige Bieter für die insolvente Warenhauskette Karstadt setzt mit einer Rückzugsdrohung die Beschäftigten unter Druck. "Triton ist enttäuscht darüber, dass bisher keinerlei Fortschritt in den Gesprächen mit der Arbeitnehmerseite erzielt werden konnte und überdenkt deswegen sein Interesse an einem Einstieg bei Karstadt", sagte ein Sprecher des deutsch-skandinavischen Finanzinvestors.

Triton hatte angeboten, die 120 Warenhäuser zu übernehmen, aber Bedingungen an die Vermieter und die Belegschaft gestellt, um Karstadt in die Gewinnzone zurückzuführen. Unter anderem sollen Verkaufsflächen anderweitig genutzt werden. Defizitäre Abteilungen will Triton aufgeben. Dem könnten 4000 der 25.000 Stellen bei Karstadt zum Opfer fallen. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates sollen rund 160 Stellen in der Zentrale und 431 in den Filialen wegfallen. Triton hat nur noch bis 28. Mai Zeit, die Vermieter und Verdi von ihrem Konzept zu überzeugen.

"Wenn kein konstruktives Engagement auf Arbeitnehmerseite erkennbar ist, ist das Triton-Konzept zur Sanierung von Karstadt hinfällig", sagte der Sprecher des Investors. Die Arbeitnehmer spielten offenbar auf Zeit. "Mit Verdi finden derzeit keine Gespräche statt", erklärte Triton. Die Gewerkschaft hatte deutlich gemacht, sie habe mit dem vorübergehenden Verzicht auf einen Teil der Löhne - rund 150 Mio. Euro im Jahr - schon ihren Part zur Sanierung von Karstadt beigetragen. Eine Verdi-Sprecherin signalisierte nun, dass die Gewerkschaft nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit sei. "Wir haben Triton in zwei Gesprächen unsere Position dargelegt und sind der festen Überzeugung, dass der Sanierungstarifvertrag genügend Spielraum birgt", sagte sie. Es dürfe keine Erpressung der Arbeitnehmer geben.

Für den Fall, dass Triton als Käufer ausfällt, haben die Vermieter der meisten Karstadt-Häuser, das Highstreet-Konsortium um die US-Investmentbank Goldman Sachs, sich ein Angebot für Karstadt vorbehalten, um ihre Mieten zu retten. Highstreet prüft Kreisen zufolge derzeit die Bücher von Karstadt.

Quelle: rts