Schwaches Plus im EinzelhandelKassenstand enttäuscht Experten

Die deutschen Einzelhändler nehmen im Februar zwar mehr Geld ein als vor einem Jahr, bleiben damit aber dennoch hinter den Erwartungen zurück. Vor allem im Vergleich zum Vormonat sieht die Lage wenig rosig aus: Im Februar geht der Umsatz preisbereinigt zurück. Volkswirte zweifeln am "Konsumboom".
Die deutschen Einzelhändler haben im Februar mehr Umsatz erwirtschaftet als vor Jahresfrist. Ihr Umsatz lag um 3,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, teilte das Statistische Bundesamt mit. Preiserhöhungen heraus gerechnet, blieb ein reales Plus von 1,1 Prozent übrig. Analysten hatten ein Wachstum von 1,8 Prozent vorausgesagt.
Auch im Vergleich zum Vormonat verfehlten die Erlöse die Erwartungen: Real schrumpfte der Umsatz um 0,3 Prozent zum Januar. Hier hatten die Experten einen Anstieg von 0,4 Prozent prognostiziert.
In den beiden ersten Monaten zusammen lagen die Einnahmen um 3,2 und real um 1,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Konsumforscher der Nürnberger GfK rechnen für 2011 mit einem Umsatzwachstum von 2 Prozent, der Einzelhandelsverband HDE geht von plus 1,5 Prozent aus. Das GfK-Konsumklima hatte sich zuletzt wegen der steigenden Inflation zum ersten Mal seit zehn Monaten eingetrübt, allerdings nur leicht.
Am besten liefen die Geschäfte im Februar im Bereich Internet- und Versandhandel, der ein Umsatzplus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat meldete. Der Lebensmittelhandel meldete mit 0,6 Prozent den geringsten Anstieg.
In ihren ersten Reaktionen sahen die Analysten die aktuellen Umsatzzahlen im Einzelhandel weit weniger dramatisch als der preisbereinigte Rückgang im Vergleich zum Vormonat erwarten ließ. "Die Zahlen sind etwas schwächer als erwartet, werden aber häufig noch revidiert", meinte zum Beispiel Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.
Wo bleibt der "Konsumboom"?
Skeptisch blieb der Konjunkturexperte allerdings im Hinblick auf das viel besungene deutsche Aufschwungswunder: "Von einem Konsumboom, von dem mancher träumt, ist weiter nichts zu sehen. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zwar recht ordentlich. Dafür steigen die Energie- und Nahrungsmittelpreise deutlich." Bei den real verfügbaren Einkommen bleibe kein großer Zuwachs übrig, erklärte Solveen. "2011 dürfte der Konsum etwas stärker steigen als im vergangenen Jahr, aber einen Boom werden wir nicht sehen."
Deutlich optimistischer fiel der Kommentar von Unicredit-Analyst Alexander Koch aus: "Im Januar und Februar liegen die Einzelhandelsumsätze ein halbes Prozent über dem Vorquartal und steigen weiter. Auch bei den Autoverkäufen war die Dynamik nach oben gerichtet. Es sieht so aus, als ob wir auch im ersten Quartal einen positiven Beitrag zum BIP vom Konsum bekommen werden."
Sorgenvoller Blick nach Japan
Bei der Unicredit rechnen die Volkswirte demnach mit einem Anstieg des privaten Verbrauchs von 2 Prozent in diesem Jahr. Allerdings habe angesichts des stark gestiegenen Ölpreises der Gegenwind zugenommen.
"Zudem ist unklar", so Koch weiter, "welche Auswirkungen die Atomkatastrophe in Japan haben wird. Sollten die Firmen Kurzarbeit anmelden, weil die Lieferkette unterbrochen ist, könnte das negative Auswirkungen haben. Im Moment sieht es aber nicht so aus."
Entschieden negativ äußerte sich Andreas Scheuerle von der Dekabank zu den Zahlen. "Es ist eine kleine Enttäuschung, was die realen Daten angeht."
Risikofaktor Inflation
Laut Scheuerle ist der preisbereinigte Umsatzrückgang im Vergleich zum Vormonat darauf zurückzuführen, "dass wir starke Preissteigerungen gesehen haben. Möglicherweise sehen wir die ersten Bremsspuren der gestiegenen Inflation.
"Nichtsdestoweniger sind die Rahmenbedingungen für den Konsum weiter gut", sagte der Analyst der Dekabank. "Am Arbeitsmarkt läuft es noch, die Lohnabschlüsse sind höher als im vergangenen Jahr. Von dieser Seite gibt es positive Elemente, die am Ende überwiegen sollten. Aber Inflation kostet Konsumwachstum."