Freitag, 25. Juni 2010
Société Générale gibt Rätsel auf: Kerviel-Anwalt verständnislos
Am letzten Tag des Verfahrens gegen den französischen Skandalhändler Jérôme Kerviel ergreift die Verteidigung das Wort. Nicht Kerviel, sondern die französische Großbank Société Générale gebe Rätsel auf, sagte ein Anwalt des 33-jährigen Angeklagten.
Nicht Jérôme Kerviel sondern seine Vorgesetzten müssten sich nach Ansicht seiner Verteidiger verstecken.
Für die Anwälte des Börsenhändlers Jérôme Kerviel ist nicht das Benehmen ihres Mandanten rätselhaft sondern vielmehr die Haltung seines Arbeitsgebers, der französischen Bank Société Générale. Kerviel hatte nach Bekanntwerden des Skandals im Januar 2008 und in dem dreiwöchigen Verfahren zugegeben, mit Milliardenbeträgen spekuliert und diese Geschäfte verschleiert zu haben - er beharrt aber darauf, dass dies im Handelsraum einer Bank gang und gäbe sei und seine Vorgesetzten nicht nur davon gewusst, sondern ihn regelrecht dazu ermutigt hätten. Die Bank wiederum räumt zwar Schwächen in ihrem Kontrollsystem ein, hält Kerviel aber klar für den Schuldigen, weil der seine Vorgesetzten belogen habe.
Kerviel muss sich wegen Vertrauensmissbrauchs, Fälschung und betrügerischer Eingabe von Daten in das Computersystem der Bank verantworten. Der frühere Trader hatte heimlich mit bis zu fünfzig Mrd. Euro spekuliert, soviel wie die Société Générale insgesamt wert war. Als die Bank seine Positionen panisch abstieß, um das Schlimmste zu vermeiden, entstand ihr ein Verlust von 4,911 Mrd. Euro, die sie jetzt von Kerviel zurückverlangt. Natürlich werde der frühere Händler die Summe nicht aufbringen können, hatten die Anwälte der Bank erklärt; der "Einfachheit" halber fordere sein früherer Arbeitgeber aber genau den Betrag, den die Bank seinerzeit eingebüßt habe.
Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag fünf Jahre Haft für Kerviel gefordert, davon ein Jahr auf Bewährung. Nach dem Plädoyer von Starverteidiger Olivier Metzner am Freitag wollte das Gericht sich zu Beratungen zurückziehen. Das Urteil wird erst in mehreren Wochen erwartet.
AFP
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