Wirtschaft

Tausende Anleger abgezockt: Kiener wandert hinter Gitter

Anleger lockt er mit Traumrenditen - stattdessen versickert sein Geld aber in einem Schneeballsystem, von dem viele in der Finanzwelt profitieren. Die Verurteilung des Millionenbetrügers Kiener wirft nun auch die Frage nach der Verantwortung der Banken auf.

Helmut Kiener
Helmut Kiener(Foto: picture alliance / dpa)

Die Geste war so irritierend wie seine ganze Persönlichkeit. Die Finger seiner rechten Hand zum Peace-Zeichen geformt präsentierte sich Helmut Kiener kurz vor der Urteilsverkündung im Würzburger Landgericht noch einmal selbstbewusst. Er wolle Frieden mit der Welt, betonte der 51-Jährige - gab sich aber auf die Frage, wie er es denn mit dem Frieden der von ihm geprellten Anleger halte, einsilbig.

"Das ist die große Frage", entgegnete der studierte Psychologe Reportern. Kurz darauf wurde er wegen Millionenbetrugs zu zehn Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

"Goldrausch"-Stimmung ausgenutzt

Der Auftritt am letzten Prozesstag war typisch für einen Mann, der mit seiner vertrauenswürdigen Ausstrahlung und Wortgewandtheit mehr als 5000 Anleger um rund 300 Mio. Euro prellte - und damit die "Goldrausch"-Stimmung bis zum Ausbruch der Finanzkrise ausnutzte, wie Kieners Verteidiger Peter Möckesch es formulierte.

Prozessbeobachtern präsentierte sich in den 26 Verhandlungstagen ein Finanzmanager, der selbst in der größten Niederlage gerne die Kontrolle über das Geschehene behalten wollte. So legte er zwar, nachdem die Beweislage erdrückend war, ein Geständnis ab und erläuterte detailliert, wie das "System Kiener" funktionierte. Bis zuletzt beharrte er aber darauf, eigentlich mehr Opfer als Täter zu sein - Opfer der Finanzkrise und der danach ausgebrochenen Hysterie vieler Banken, die angeblich mit Fonds-Kündigungen den Zusammenbruch seines Imperiums auslösten.

Zwei Privatjets und noch viel mehr

Für das Gericht besteht dagegen nicht der geringste Zweifel, dass es Kiener etwa mit seinen Fonds K1 Invest und K1 Global planmäßig auf Betrügereien abgesehen hatte - und zwar im ganz großen Stil. Denn von Anfang an floss nach Einschätzung des Gerichts nur ein geringer Anteil der ihm anvertrauten Gelder in die Fonds, die sich dank ertragreicher Investments in zehn Jahren mehr als verdoppeln sollten. Der Rest versickerte als Bankprovisionen und Gebühren, diente zur Finanzierung von Kieners aufwendiger Verwaltung und floss in seine Privattasche. Er leistete sich zwei Privatjets, einen Hubschrauber und eine 20 Mio. Dollar teure Villa in Florida.

Als der Schwindel 2009 aufflog, reagierten viele Anleger geschockt. Einige hätten bei den vermeintlich lukrativen Kiener-Fonds ihre Rücklagen für die Altersversorgung angelegt - und alles verloren, berichtete etwa Magdalena Flunger von einer Münchner Anwaltskanzlei. Die Juristen vertreten bereits mehr als 100 Kiener-Geschädigte, die immer noch darauf gehofft hatten, zumindest einen Teil ihres Ersparten retten zu können.

Allzu große Hoffnungen macht ihnen Flunger allerdings nicht. Angesichts der hohen Steuerschulden Kieners werde von den bislang sichergestellten Vermögenswerten Kieners von 2,5 Mio. Euro nur wenig für geschädigte Ableger übrig bleiben.

Gutgläubigkeit ausgenutzt

Bessere Chancen haben Anleger nach Ansicht der Juristin möglicherweise bei Klagen gegen Banken, die Kieners Zertifikate und Genussscheine anscheinend bedenkenlos angeboten hätten. Viele seien bei der von Kiener versprochenen Rendite von zehn Prozent pro Jahr schwach geworden. Geködert worden seien sie mit entsprechenden Renditen in der Vergangenheit.

Viele Anleger seien sicher auch gutgläubig gewesen, räumte Flunger ein. "Für viele Leute war das einfach nicht erkennbar, was da für ein Betrugssystem dahinter stand." Kritisch sieht auch das Landgericht die Rolle der Banken in der Kiener-Affäre. Es habe einfach an Kontrollen gemangelt, kritisierte der Kammervorsitzende Volker Zimmermann.

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Quelle: n-tv.de

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