Freitag, 23. April 2010
Lösung für Ostsee-Pipeline: Klage zurückgezogen
Der von Umweltverbänden stark kritisierte Bau der Ostsee-Pipeline kann nun doch wie geplant am 15. Mai im Greifswalder Bodden starten. Die Verbände haben sich mit dem Baukonsortium Nord Stream geeinigt
Das Verlegeschiff "Castoro 6" (C2) liegt auf der Ostsee in der Nähe der schwedischen Insel Gotland.
(Foto: picture alliance / dpa)
Der Bau der Ostsee-Pipeline kann auch in deutschen Gewässern starten. Die Umweltverbände haben sich außergerichtlich mit dem Baukonsortium Nord Stream geeinigt. Diese Angaben wurden von beiden Seiten bestätigt. Die Umweltverbände würden nun ihre Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Greifswald zurückziehen, teilte die Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern, Corinna Cwielag, mit. Neben der Klage werde auch der Eilantrag gegen den Bau der Gasleitung zurückgenommen. Die Ostsee-Pipeline werde wesentlich umweltverträglicher gebaut als ursprünglich geplant, begründete Cwielag den Rückzug.
Nord Stream bestätigte die Angaben. "Wir sind froh, im Interesse der Ostsee eine gemeinsame tragfähige Lösung gefunden zu haben", sagte Sprecher Steffen Ebert. Das Konsortium will am 15. Mai mit den Baggerarbeiten im Greifswalder Bodden beginnen. Schon Ende 2011 soll das erste russische Erdgas durch die 1200 Kilometer lange Pipeline bis nach Lubmin bei Greifswald fließen. Die Umweltverbände wollten wegen der aus ihrer Sicht erheblichen Umweltauswirkungen mit dem Eilantrag den Baustart verzögern und hatten gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt.
Geändertes "Baggerkonzept"
Nach Angaben der Umweltschützer ändert Nord Stream nun sein Baggerkonzept. Das Firmenkonsortium habe sich verpflichtet, den für Meeresboden-Bewohner gefährlichen Mergel - insgesamt 250.000 Kubikmeter - nicht im Wasser, sondern an Land zu lagern. Zudem stocke Nord Stream die Gelder für Kompensationsmaßnahmen in der Natur und deren Unterhaltung um mehr als zehn Mio. Euro auf. Das Unternehmen habe auch einen Vertrag mit den Fischern geschlossen, nach dem die Fangzeit für Heringe im Greifswalder Bodden im kommenden Jahr in der Laichzeit um zehn Tage verkürzt wird.
"Dieses Ergebnis ist ein sensationeller Erfolg für die Ostsee", betonte Eberhard Brandes vom Vorstand der Umweltorganisation WWF. Nach Angaben der Verbände wird Nord Stream zudem finanzielle Mittel zur Behebung von bisher nicht vorhersehbaren Umweltfolgen des Pipeline-Baus als Garantieleistung bereitstellen.
dpa
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