Wirtschaft

Überraschend deutlichKonjunkturerwartungen sinken

12.04.2011, 11:32 Uhr

Die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland gehen im April stärker zurück als erwartet. Der Anstieg der Ölpreise und die Zinserhöhung der EZB trüben die Stimmung.

RTR2KMHA
Containerschiff im Hamburger Hafen. (Foto: REUTERS)

Steigende Preise und höhere Zinsen werden den deutschen Aufschwung nach Prognose von Finanzmarktexperten in den kommenden Monaten bremsen. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel im April den zweiten Monat in Folge und deutlich stärker als erwartet. Es gab von 14,1 auf 7,6 Punkte nach, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am mitteilte. Die rund 300 befragten Analysten und Anleger schätzten die derzeitige Lage zugleich so gut ein wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Experten rechnen wegen dieser guten Ausgangssituation für 2011 weiter mit einem kräftigen Wachstum.

"Trotz der erfreulichen Konjunkturentwicklung ergeben sich Risiken derzeit vor allem aus den steigenden Rohstoffpreisen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der auch den Rat der Wirtschaftsweisen leitet. Die wachsende Inflationsgefahr könne die Europäische Zentralbank dazu veranlassen, ihre Zinsen weiter zu erhöhen. Die Währungshüter hatten ihren Leitzins am Donnerstag erstmals seit knapp drei Jahren angehoben. Damit verteuern sich Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Die meisten Experten rechnen bis Jahresende mit weiteren Zinserhöhungen auf bis zu 1,75 Prozent.

"Kein besonderes Problem"

Risiken ergeben sich dem ZEW zufolge auch durch die Japan-Krise und die Unruhen im arabischen Raum. "Die Unsicherheit, die wir seit dem Erdbeben in Japan und der Nuklearkatastrophe dort haben, spiegelt sich im Rückgang der Konjunkturerwartungen deutlich wider", sagte Ökonom Peter Meister von der BHF Bank.

Ein Ende des Aufschwungs befürchten die Experten aber nicht. "Ein etwas langsameres Wachstum im Frühjahr und Sommer zeichnet sich ab", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Allerdings ist das nach dem offenbar sehr starken Wachstum zu Jahresbeginn kein besonderes Problem." Er rechnet weiter mit einem Wachstum von 2,8 Prozent für 2011. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist mit 2,7 Prozent ähnlich optimistisch, sagt aber für 2012 eine Halbierung auf 1,4 Prozent voraus.

Quelle: rts