Wirtschaft

Aus Acht mach' ZweiLandesbank-Fusionen ein Muss

21.09.2010, 17:11 Uhr

Acht deutsche Landesbanken gibt es - noch. Zwei würden es auch tun, sagen Experten und beschwören eine Konsolidierungswelle herauf. Die neuen "Basel III"-Regeln erhöhen den Druck auf die Institute nochmals. Wenn da nur nicht die politischen Ränkespiele wären.

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Eine WestLB-BayernLB-Fusion könnte erst der Anfang einer Konsolidierungsrunde unter den deutschen Landesbanken sein. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Tage der acht deutschen Landesbanken sind gezählt. Nach Milliardenverlusten in der Finanzkrise steht vielen von ihnen das Wasser durch die schärfere Regulierung und den harten Konkurrenzkampf bis zum Hals. Und nun bröckelt auch noch der Widerstand vieler Ministerpräsidenten gegen Bankfusionen, die die Länder aus Angst vor dem Verlust von Macht und Einfluss bislang verhindert haben. Damit ist der Weg frei für ernsthafte Fusionsgespräche, an deren Endpunkt nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle nur noch zwei Landesbanken übrigbleiben sollen.

Als ersten Schritt wollen die WestLB und BayernLB eine Fusion prüfen. Experten werten die Ankündigung als Testballon. Eine Fusion von BayernLB und WestLB ist nicht die einzige Möglichkeit, die Konsolidierung voranzubringen: Als Szenarien stehen zudem eine Süd-Landesbank aus BayernLB und LBBW, eine Nord-Landesbank aus NordLB und HSH Nordbank im Raum - bislang allerdings ohne Aussicht auf Verwirklichung. Auch die angebahnte Verbindung zwischen der maroden WestLB und der Helaba kam bislang nicht zustande. Die Eigentümer - meist die jeweiligen Bundesländer und die Sparkassen - konnten sich nie dazu durchringen.

Neben dem wachsenden politischen Druck der Bundesregierung, die seit Jahren auf eine Konsolidierung dringt, setzen nun auch die neuen Eigenkapitalregeln Basel III die Landesbanken unter Zugzwang. Allen, die bis 2013 die Rechtsform einer Aktiengesellschaft haben, brechen dann Teile ihrer Kapitalbasis weg, weil ihre Stillen Einlagen nach dem Willen der Regulierer nicht mehr als hartes Kernkapital gelten. Das betrifft die WestLB, die HSH Nordbank und die Landesbank Berlin ebenso wie die BayernLB und die LBBW, die sich in eine AG umwandeln. Längere Übergangsfristen gelten für öffentlich-rechtliche Institute wie die Helaba und die NordLB. Sie können noch bis 2023 auf ihre Stillen Einlagen zurückgreifen - zumindest in Teilen.

Zwei aus Acht

Die Landesbanken müssen deswegen ihr Kapital aufstocken. Verbandskreisen zufolge fallen unter Basel III bis zu 18 Mrd. Euro Kapital weg. Bei der größten Landesbank LBBW allein machen die Stillen Einlagen mit knapp 5 Mrd. Euro 30 Prozent des gesamten Kernkapitals aus. Wieviel davon tatsächlich wegfällt, ist aber offen: Denn die Landesbanken könnten ihre Investoren dazu bewegen, die Einlagen in Kernkapital umzuwandeln, sagte Moody's-Analystin Katharina Barten. Die neuen Regeln dürften daher nicht alle Landesbanken gleichermaßen unter Druck setzen.

Dennoch gibt es in der Branche einige Stimmen, die darin den Motor für eine Konsolidierung sehen. Im Verbund könnten sich die Banken leichter Kapital beschaffen und sparen, sagte der Deutschlandchef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, Norbert Winkeljohann. Auch Wirtschaftsminister Brüderle wünscht sich, dass aus den derzeit acht maximal zwei Landesbanken werden.

Branche in Bewegung

Um gemeinsam erfolgreich zu sein, brauchen die Landesbanken aber ein funktionierendes Geschäftsmodell. Die Sparkassen dringen auf eine übergreifende Zentral-Landesbank, die sie mit Krediten versorgt und den Zugang zum Kapitalmarkt herstellt. Ob ein Verbund aus WestLB und BayernLB das leisten kann, bezweifeln Experten. "Das liegt nicht in der Tradition der WestLB", sagte Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Die WestLB habe sich zu einer Investmentbank aufgeschwungen, die für das kleine Geschäft der Sparkassen wenig Verständnis aufgebracht habe. Die Fusionsbemühungen der beiden Häuser spielen für ihn noch auf einer Nebenbühne. "Ob daraus die Hauptaufführung wird, das muss man mal abwarten."

Aber auch wenn es nicht zu einer Fusion der beiden Häuser kommt, dürfte schon allein die Ankündigung, dass eine solche geprüft wird, Bewegung in das festgefahrene Fusionskarussell bringen. "Es gibt jetzt schon viel Wind, aber der wird noch stärker werden", prognostizierte ein Analyst.

Quelle: rts