Wirtschaft

Kommt eigener Bundesliga-Sender?: Liga grätscht Sky ab

Auf Vertragspartner muss Verlass sein, das gilt im Sport wie in der Wirtschaft. Das Vertrauen der Fußball-Bundesliga in den chronisch defizitären Bezahlsender Sky schwindet mit jedem Quartalsverlust. In den Köpfen der Klubvorstände reift deshalb eine Idee, die Sky nicht gefallen dürfte.

Liga-Ball, Liga-Supercup, bald auch Liga-Sender? Bei Fußball-Bundesligisten reift die Idee eines eigenen TV-Kanals.
Liga-Ball, Liga-Supercup, bald auch Liga-Sender? Bei Fußball-Bundesligisten reift die Idee eines eigenen TV-Kanals.(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist ein einfaches Zahlenspiel: Sky Deutschland braucht nach eigenen Angaben für schwarze Zahlen 3 Millionen Abonnenten, hat aber nur 2,5 Millionen. Beim Kundenfang setzt der Sender, eine Tochter von Rupert Murdochs News Corp., in erster Linie auf die Fußball-Bundesliga. 240 Mio. Euro zahlt Sky an die Deutsche Fußball-Liga für die Übertragungsrechte pro Saison. 

Es müsste noch mehr sein, wenn die Liga mit Premier League oder Primera Division mithalten will, heißt es aus so mancher Klubspitze. Bei Sky würde man sich stattdessen über jede Million freuen, die man weniger für die Rechte hinblättern müsste. Denn die News Corp.-Tochter ist chronisch defizitär. Immer wieder muss die zum Glück potente Mutter Kapital nachschießen. 340 Mio. Euro waren jüngst im Gespräch. Es wäre die siebte Kapitalspritze für Sky seit dem Börsengang 2005. Bei den Bundesligisten gerät man daher ins Grübeln: Was passiert, wenn Murdoch die Lust an Sky Deutschland verliert?

Liga-Sender in den Köpfen

Nun scheint sich eine Idee bei den Bundesliga-Vorständen zu manifestieren, die Sky Deutschland in seiner Existenz bedroht: Die  Profiklubs denken über einen eigenen Liga-Kanal nach. "Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten", forderte der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Thomas Röttgermann, im "Handelsblatt". "Die Vereine sind stark genug, ein autonomes Bundesliga-Fernsehen auf die Beine zu stellen." Das unternehmerische Risiko sei angesichts der Attraktivität des Fußballs überschaubar.

Röttgermann geht dem Blatt zufolge von einem Jahr Vorlauf aus, um ein eigenes Bezahlangebot in der Qualität von Sky auf die Beine zu stellen. Die Kosten schätze er auf 400 Mio. Euro in drei Jahren.

Rummenigge attackiert Sky

Der Vorstandschef von Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge sagte dem Magazin "WirtschaftsWoche": "Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam - Liga und Bezahlsender - in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren." Vorwürfe richtete er an Sky: "Die haben den Fehler gemacht - und das fing schon zu Zeiten von Georg Kofler an -, die Leute praktisch zu Abos zwingen zu wollen, indem sie Sport mit Filmen koppeln", sagte Rummenigge.

Sky bleibt gelassen

Laut "Handelsblatt" macht das Sky-Management deutlich, dass die Klubs trotz der tiefroten Zahlen des Unternehmens nicht damit rechnen müssten, dass die Zahlungen reduziert würden. "Nachverhandlungen wird es nicht geben, das wäre strategisch falsch", wird Sportvorstand Carsten Schmidt zitiert.

Der Sky-Vertrag mit der Deutschen Fußball-Liga läuft bis 2012. Danach wird erneut verhandelt. Derzeit sind die Hauptkonkurrenten für Sky Deutschland die DeutscheTelekom mit ihrem "Liga total“-Angebot im Internet und der ARD mit der frei empfangbaren "Sportschau“.  

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Quelle: n-tv.de

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