Wirtschaft
Alles im Lot auf dem Boot. Die See ein wenig unruhig, aber man bleibt obenauf.
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"Hochglanzbroschüren nicht konkret": Löst Noa eine Sintflut aus?

Der Untergang der Noa Bank wirft ein Schlaglicht auf die anderen Alternativ-Banken. Kein Problem, meint Silke Riedel, Leiterin des Investment Research beim Imug-Institut in Hannover. Noa ist nicht beispielhaft für die Branche. Die etablierten Alternativ-Banken in Deutschland verkaufen ihren Kunden nicht die Katze im Sack. Sie können an der Pleite also nur wachsen.  

n-tv.de: Was unterscheidet die Noa Bank von anderen alternativen Banken, zum Beispiel der Umweltbank oder der GLS-Bank, die ja sehr erfolgreich am Markt agieren?

Silke Riedel: Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist Transparenz. Alle alternativen Banken, ausgenommen die Noa Bank, haben sehr klare Anlagerichtlinien, was sie mit ihrem eigenen Geld machen und wo sie das Geld ihrer Kunden anlegen. Die Noa Bank hatte das Regionalitätsprinzip, aber es war nicht klar, wie sie das umsetzt. Wer die Kreditnehmer sind, war nicht transparent. Die GLS Bank veröffentlicht alle Kreditnehmer in einer monatlich erscheinenden Kundenzeitschrift. Die Ethikbank veröffentlicht ihre kompletten Eigenanlagen, das so genannte Depot A. Die Umweltbank gibt  eine Umweltgarantie: Alle Projekte, die mit Krediten gefördert werden, sind ökologische Projekte. Die Umweltbank hat sogar einen ökologischen Aufsichtsrat. All das hatte die Noa Bank nicht. Die Hochglanzbroschüren der Bank haben die Umsetzung des Regionalitätsprinzips nicht konkret dargelegt.

Noa-Kunden, die mehr als 50.000 Euro bei der Bank hatten, müssen sich wohl darauf einstellen, dass alles über 50.000 verloren ist.  Wie sind die Kundeneinlagen bei den alternativen Banken sonst abgesichert?

Die Ethikbank und die GLS Bank sind Mitglieder der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Damit sind sie über die Einlagensicherung der Genossenschaftsbanken abgesichert. Das heißt, alle Einlagen der Kunden sind in vollem Umfang geschützt. Die Umweltbank ist ein privates Institut und gehört damit nicht dem Einlagensicherungsfonds der Genossenschaftsbanken an. Sie ist aber Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung. Damit sind bis zu 50.000 Euro abgesichert.

Wie schwierig ist es für ethische und ökologische Banken entsprechende Anlagen für ihre Kunden zu finden?

Unterschiedlich. Die Umweltbank könnte noch mehr Kredite vergeben, wenn sie mehr Personal hätte. Nach 15 Jahren im Markt haben sie ein gutes Standing, so dass sie sehr viele Anfragen bekommen. Bei der Umweltbank weiß man, dass man richtig ist, wenn man eine Solaranlage finanzieren will oder ein alternatives Wohnprojekt plant. Die GLS hat so viele Kundeneinlagen in den letzten Jahren bekommen, dass sie ebenfalls im Kreditbereich etwas hinterherhinkt. Auch sie könnte mehr Geld rausgeben. Der Knackpunkt ist, dass die Banken bei dem großen Zuspruch der Nachfrage hinterherkommen und wachsen müssen.

Silke Riedel, Leiterin Investment Research beim imug Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V an der Universität Hannover.
Silke Riedel, Leiterin Investment Research beim imug Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V an der Universität Hannover.

Wie schwierig ist es für die Banken die notwendige Transparenz zu gewährleisten?

Von der Theorie her ist das nicht schwierig. Als Anlegerin möchte ich wissen, wo die Bank mein Geld anlegt und nach welchen Kriterien sie es tut. Außerdem will ich wissen, was macht sie mit ihrem eigenen Kapital und wer sie dabei kontrolliert. Das sind die Grundfragen. Alle drei alternativen Banken in Deutschland beantworten diese Fragen, in unterschiedlicher Form, aber alle sehr gut. Aber das sind nur drei Banken. Dazu zählen kann man noch die Kirchenbanken. Die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn berichtet auch darüber, inwiefern ihre Eigenanlagen Nachhaltigkeitskriterien genügen. Der große Rest der Bankenlandschaft in Deutschland aber ist intransparent. Die haben überhaupt nicht den Anspruch, nicht darüber berichten zu müssen, wo ihre Kredite hingehen.

Die Kunden der Alternativ-Banken gelten als kritischer als herkömmliche Bankkunden. Sind kritische Kunden ein Problem für Banken?

Eben nicht für die alternativen Banken. Die wollen genau mit dieser Klientel umgehen. Für sie ist das eine Herausforderung. Die Ethikbank geht hervorragend auf ihre Kunden zu. Sie lässt ihre Kunden in Online-Foren darüber abstimmen, ob sie eine Beteiligung an der Allianz verkaufen soll, weil die Allianz eine Beteiligung an EADS von 0,3 Prozent hält. Die GLS Bank setzt sich mit ihren kritischen Kunden An einen Tisch, um über "Microfinanzen – Pro und Contra" zu diskutieren. Diese Banken schätzen ihre kritische Klientel. Der Rest der Banken hat aber durchaus ein Problem mit dieser Kundschaft. Sie bekommen bei der Sparkasse vor Ort nicht raus, welche Kredite sie vergibt. Bei der Deutschen Bank auch nicht die Information, ob da noch Geld in bestimmte Landminenproduzenten fließt oder nicht.

Die Noa Bank hat mit einer hohen Rendite gelockt. Bedeuten alternative Investments nicht einen Verzicht auf Rendite?

Alternative Renditen, das sagen alle möglichen Studien, bedeuten keinen Renditeverzicht, aber auch keine unglaubliche Outperformance. Was sie bieten, ist eine marktübliche Rendite. Die Ethikbank hat mal mit etwas höheren Konditionen angefangen. Das hat sich mittlerweile aber eingependelt.

Wo ist die GLS Bank angesiedelt?

Die GLS Bank spricht explizit von "Angreiferkonditionen" bei Banken wie der Noa Bank, die mit hohen Renditeversprechen Kunden bekommen wollen. Sie bietet marktübliche Konditionen. Vielleicht sogar noch etwas weniger, aber dafür bekommt der Kunde den gesellschaftlichen Mehrwert. Wenn ein Investor bei den alternativen Banken oder nachhaltigen Investmentfonds eine hohe Rendite haben will, ist er einfach an der falschen Adresse. Das widerspricht einfach der Logik des Marktes. Wir wollen ja in Unternehmen investieren, die langfristig nachhaltig erfolgreich sind. Die bieten vielleicht auch mal einige Jahre eine unglaublich hohe Outperformance. Aber es ist nicht nachhaltig über Jahre hinweg eine hohe Outperformance zu bieten. Wichtig ist aber für den Anleger, dass er trotzdem keinen Verzicht üben muss. Wer bei einer alternativen Bank ist, handelt nicht altruistisch. Das Geld ist sicher und der Kunde bekomme auch noch ein bisschen Rendite dafür.

Wirft das Aus der Noa Bank jetzt ein Schlaglicht auf die anderen alternativen Banken?

Ein Schlaglicht ja. Aber es schadet der Branche überhaupt nicht. Es ist eher förderlich, weil die drei bestehenden alternativen Banken sich noch viel besser darstellen können und auch klar machen können, wo der Unterschied zur Noa Bank liegt. Das Thema ist im Moment in so vielen Köpfen. Ganz viele Investoren fragen mittlerweile, was macht mein Geld, wo geht mein Geld hin. Da können wir die Noa Bank gut verkraften. Es zeigt eher wieder: Anleger seid kritisch, schaut genauer hin. Das ist gut und das brauchen wir.

Wird es eher weitere Ethikbanken geben oder werden herkömmliche Banken ihr Geschäftsmodell anpassen?

Es gibt in Deutschland noch eine vierte Alternativ-Bank. Die Triodos Bank, die aus Holland kommt. Die hat es eher schwer, Fuß zu fassen und Kunden zu bekommen. Meine Einschätzung ist, dass der Druck auf die herkömmlichen Banken wächst und sie mehr Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsmodelle integrieren müssen. Das heißt, es wird eine weitere Ausdifferenzierung bei den Produkten geben. Und das bedeutet, dass die konventionellen Banken künftig auch ihre Berater besser schulen müssen.

Mit Silke Riedel sprach Diana Dittmer

Quelle: n-tv.de

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