Wirtschaft

Fracht im AufwindLufthansa mit roten Zahlen

05.05.2011, 12:29 Uhr
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Mit dem Abheben tut sich Lufthansa bilanziell derzeit schwer. (Foto: dpa)

Abwind im Passagiergeschäft und Aufwind in der Frachtsparte sorgen bei Lufthansa im ersten Quartal 2011 für Turbulenzen. In Summe sieht sich Europas größte Airline aber auf gutem Kurs. Das Problem: Die globalen Krisen und teurer Sprit könnten diese Prognose drehen.

Die vielen Krisen dieser Welt, steigende Spritkosten und

obendrein ungünstige Bilanzvorschriften haben der Lufthansa im ersten Quartal

2011 mächtig Gegenwind beschert. Im Kernsegment von Europas größter Airline -

dem Passagiergeschäft - drückte zudem die neue deutsche Ticketsteuer aufs

Ergebnis, wie der Konzern in Frankfurt berichtete. Im Frachtgeschäft lief es

hingegen in den ersten drei Monaten des Jahres so gut wie nie.

Wie am Jahresanfang üblich, flog Lufthansa in die roten

Zahlen und verbuchte einen operativen Verlust. Der fiel mit minus 227 Mio. Euro

jedoch kleiner aus als von Analysten befürchtet. Die Airlines machen ihr

Geschäft typischerweise vor allem zur Urlaubszeit im Sommer. Unter dem Strich

stand sogar ein um 70 Prozent schlechteres Quartalsergebnis: minus 507 Mio.

Euro.

Ärgerliche Vorschriften

Der Hintergrund: Fluggesellschaften sichern ihre

Einkaufspreise für Kerosin Monate im Voraus ab. Der Wert dieser Optionen

schwankt allerdings je nach der tatsächlichen Preisentwicklung am Markt. Nun

musste der Konzern diesen Wert korrigieren. Ohne diesen Effekt hätte der

Verlust im ersten Quartal nur bei 215 Mio. Euro gelegen. Dazu sagte

Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow: "Wir profitieren aktuell sehr

stark von unseren Sicherungsgeschäften." Doch diese inneren Werte darf der

Konzern wegen neuer Bilanzierungsvorschriften nicht ausweisen, was Gemkow "irritierend,

ärgerlich, sinnlos" nannte.

Insgesamt machten die Airlines unter dem Lufthansa-Dach

(Austrian Airlines, British Midland, Swiss und Germanwings) in den ersten drei

Monaten einen Verlust von 391 Mio. Euro. Das sind knapp minus fünf Prozent im

Vergleich zum ersten Viertel im Jahr 2010, das vom Streik der Piloten und

vielen winterlichen Flugausfällen geprägt war. Als Ursachen nannte Vorstand

Gemkow die Japan-Katastrophe, die Unruhen in Nahost und vor allem den

Ölpreisanstieg. Mit 1,4 Mrd. Euro kostete das Kerosin 28 Prozent mehr als zu

Beginn des Jahres 2010.

Gute Nachrichten gab es aber für das Frachtgeschäft:

Lufthansa Cargo legte das beste Quartal in der Unternehmensgeschichte hin und

steigerte den operativen Gewinn von 35 auf 64 Mio. Euro. Gemkow nannte diese

Sparte einen "Frühindikator" für den Aufschwung, mit dem die

Lufthanseaten in diesem Jahr rechnen. Die Prognose für 2011 mit Zuwächsen bei

Umsatz und operativem Gewinn bleibe bestehen, obwohl die globalen Krisen und

der Ölpreisanstieg weiterhin drohen.

Im Lufthansa-Konzern arbeiteten Ende März 117.325

Beschäftigte. Das waren rund 400 weniger als vor einem Jahr. Sie

erwirtschafteten im ersten Quartal 6,4 Mrd. Euro Umsatz, 600 Mio. Euro mehr als

Anfang 2010.

Quelle: dpa