Wirtschaft

"Durststrecke 2010"MAN hat BRIC im Blick

01.04.2010, 11:27 Uhr

Positiv sieht anders aus: MAN rechnet auch 2010 mit einem schwierigen Geschäftsjahr. Vor allem die Nutzfahrzeugsparte dürfte die Konzernentwicklung bremsen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Er lautet: BRIC.

man
MAN-Chef erwartet "Durststrecke 2010". (Foto: picture alliance / dpa)

Der Nutzfahrzeug- und Dieselmotorenhersteller MAN erwartet keine schnelle Besserung auf dem Lastwagenmarkt und setzt deshalb stärker auf das Geschäft mit den Schwellenländern. "Die schwierigen Zeiten sind leider noch nicht ganz vorbei", sagte Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen. Der Österreicher geht davon aus, dass die Geschäfte der Nutzfahrzeugsparte schwach bleiben; er sprach von einer "Durststrecke 2010".

Ende 2009 war der Auftragseingang allein in dem Segment um mehr als zwei Drittel eingebrochen. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 258 Mio. Euro.

Zauberwort "BRIC"

MAN setzt deshalb verstärkt auf Schwellenländer wie China und Brasilien als Treiber der Branchenerholung im laufenden Jahr. "Die BRIC-Staaten werden weiterhin im internationalen Fokus sein", sagte Pachta-Reyhofen. Als die BRIC-Staaten bezeichnet man Brasilien, Russland, Indien und China. Der Münchner DAX-Konzern will in diesem Jahr zusammen mit dem chinesischen Lkw-Hersteller Sinotruk eine neue Lkw-Marke in Asien einführen. MAN hatte im vorigen Jahr einen Anteil von 25 Prozent an Sinotruk Ltd erworben.

Pachta-Reyhofen bestätigte den vorsichtigen Ausblick der Konzerns auf das laufende Jahr angesichts der weiterhin "fragilen" Erholung der Branche. Für 2010 seien weitere Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz und nachhaltigen Kostensenkung geplant, sagte er.

Entlastung vertagt

Der MAN-Aufsichtsrat will die Entlastung des Vorstandschefs der ehemaligen Tochter Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, vertagen. Das sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Ferdinand Piëch. Mitscherlich war bis zum Verkauf der Mehrheit an Ferrostaal auch Mitglied des MAN-Vorstands. Das Essener Unternehmen war in der vergangenen Woche erneut wegen Korruptionsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten, bereits im Juli 2009 hatte es Durchsuchungen gegeben.

Bisher hatte MAN geplant, nur die Entlastung der im Zuge des MAN- Schmiergeldskandals zurückgetretenen Vorstände zu vertagen. Betroffen davon sind der ausgeschiedene Vorstandschef Håkan Samuelsson, Ex- Finanzvorstand Karlheinz Hornung und der ehemalige Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann. Alle drei Manager hatten im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre Ende 2009 innerhalb von einer Woche den Konzern verlassen.

Grund für die Vertagung sei, dass es noch Prüfungsbedarf hinsichtlich möglicher Pflichtverletzungen gebe. Es gehe aber nicht darum, den ehemaligen Vorständen die Entlastung grundsätzlich zu verweigern. Insgesamt hat die Affäre den Konzern mit Bußgeldern und Steuernachzahlungen 220 Millionen Euro gekostet.

Quelle: bad/dpa/rts