Keine großen Sprünge zum JahresendeMaue Dax-Prognosen

Der Sommer ist definitiv vorbei. Im Supermarkt tauchen die ersten Lebkuchen auf und die ersten Analysten wagen eine Prognose für das Jahresende. Das Urteil: Auf große Sprünge können die Anleger nicht mehr setzen.
Wer bis zum Jahresende als Anleger noch auf deutliche Gewinne am deutschen Aktienmarkt hofft, dürfte bitter enttäuscht werden: Im Schnitt rechnen 27 befragte Aktienstrategen damit, dass der Dax bis zum 31. Dezember nur noch um gut zwei Prozent auf 6400 Punkte zulegen wird. Auf das Gesamtjahr gerechnet wäre das ein Plus von knapp sieben Prozent - 2009 war der Dax im Vergleich zum Vorjahr noch um mehr als 19 Prozent gestiegen. Eine Dax-Prognose zu wagen, sei derzeit mehr als knifflig, sagte Lang & Schwarz-Analyst Giuseppe Amato. Dominierendes Thema bleibt den Experten zufolge die unsichere Entwicklung der weltweiten Konjunktur.
Schon in den vergangenen Monaten hatte ein möglicher Rückfall der USA in die Rezession auf die Stimmung der Investoren gedrückt. Zwar sendete die US-Wirtschaft zuletzt wieder positivere Signale, unter anderen unerwartet gute Daten vom Arbeitsmarkt. "Insgesamt ändert das aber nichts daran, dass wir uns nach der Erholungsphase in den USA wie in Deutschland auf eine Verlangsamung der Wachstumsraten einstellen müssen", sagte LBBW-Aktienstratege Steffen Neumann. Große Sprünge beim Dax erwartete er daher nicht.
Abrutschen bis auf 5.700 Punkte
Wie groß die Unsicherheit am Aktienmarkt ist, zeigt auch die große Spanne der Vorhersagen: Während einige Analysten einen Dax-Schlussstand von 7270 Zählern prognostizieren, sagt Markus Reinwand von der Helaba ein Abrutschen des Leitindexes auf 5700 Punkte voraus. Mitte nächsten Jahres sieht er den Dax sogar nur noch bei 5500 Zählern. Im Schnitt von rund 23 befragten Strategen liegen die Schätzungen für den Dax bis Juni 2011 bei gut 6750 Punkten. "Der Knackpunkt sind überzogene Erwartungen an die Unternehmensgewinne, das birgt Enttäuschungspotenzial vor allem für 2011 und 2012", begründete Reinwand seine pessimistische Haltung. Zu bedenken sei auch, dass einige Treiber wegfielen. "Natürlich kann es noch einmal vereinzelt Konjunkturpakete geben oder Steuererleichterungen, aber im Wesentlichen sind wir da am Anschlag." Angesichts der Schuldensituation müssten die Staaten auf lange Sicht restriktiver werden, fügte der Analyst hinzu.
Strategen, die in den kommenden Monaten auf höhere Kursgewinne beim Dax setzen, richten ihre Hoffnung vor allem auf die weltweite Wachstumslokomotive China. Im August steigerte die Industrie der Volksrepublik ihre Produktion um fast 14 Prozent, die im Umlauf befindliche Geldmenge nahm zu und die Investitionen in den Städten stiegen seit Jahresbeginn deutlicher als erwartet. Von China dürften vor allem langfristig Impulse für einen moderaten Dax-Anstieg ausgehen, sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein.
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